Notfalllabor
Definition
Ein Notfalllabor ist ein Laborbereich in einer medizinischen Einrichtung, der für die zeitkritische Analyse von Proben ausgelegt ist. Dadurch ist eine schnelle Diagnostik bei akuten Krankheitsbildern möglich. Ziel ist die Bereitstellung relevanter Laborparameter in einem Zeitfenster von meist unter 30 Minuten nach Probeneingang („Turnaround Time“).
Abgrenzung
Nicht jede zeitnah untersuchte Probe fällt in den Bereich des Notfalllabors. Für Parameter mit längerer Analysezeit oder ohne unmittelbare therapeutische Konsequenz werden in der Regel die Routineabläufe genutzt. Da große Laborautomaten heute sehr schnell arbeiten und die Möglichkeit haben, so genannte STAT-Proben (STAT für "short turnaround time") bevorzugt zu messen, wird die Einrichtung eines separaten Notfalllabors teilweise auch wieder verlassen. Die Notfallproben werden dann im "Routinelabor" mit höherer Priorität bearbeitet.
In Einrichtungen, die über kein eigenes Labor verfügen, wird die Funktion des Notfalllabors möglicherweise durch POCT-Geräte dargestellt, z. B. durch ein entsprechend ausgerüstetes BGA-Gerät, dass auch die Hämoglobinkonzentration, Elektrolyte, Blutzucker, Laktat und CRP messen kann.
Der Begriff "Notfalllabor" wird nicht nur räumlich/organisatorisch verwendet, sondern kann auch eine typische Zusammenstellung von Laborparametern beschreiben im Sinne von "nimm ein Notfalllabor ab".
Hintergrund
Die schnelle Verfügbarkeit von Laborergebnissen ist entscheidend für die Einleitung zielgerichteter Diagnostik- und Therapiemaßnahmen, insbesondere in der Notfall- und Intensivmedizin. Durch standardisierte Abläufe und eine enge Verzahnung mit klinischen Prozessen trägt das Notfalllabor wesentlich zur Verkürzung der "Door-to-Therapy"-Zeit bei.
Die Verwendung von Blutplasma als Probenmaterial erlaubt im Notfalllabor eine verkürzte Analysedauer, da Blutserum vor der Weiterverarbeitung erst vollständig durchgeronnen sein muss.
Eine Notfallprobe muss dem Labor mit der entsprechenden Priorität zugestellt werden, möglichst separat. Wenn eilige Proben zusammen mit einer großen Lieferung Routinediagnostik im Labor ankommen, wird der Status "eilig" erst in dem Moment wirksam, wenn das entsprechende Probenmaterial zur Verarbeitung an die Reihe kommt.
Organisation und Ausstattung
Notfalllabore sind häufig räumlich an zentrale Laboratorien oder direkt an Notaufnahmen, Intensivstationen oder Operationsbereiche angebunden. Sie arbeiten im 24-Stunden-Betrieb und verfügen über speziell validierte Analysegeräte, die ein breites Spektrum an Akutparametern abdecken. Die Proben werden in der Regel über ein pneumatisches Rohrpostsystem oder durch persönliche Übergabe angeliefert.
Indikationen
Ein Notfalllabor kommt vor allem bei zeitkritischen klinischen Fragestellungen zum Einsatz. Dazu zählen u.a.:
- Akutes Koronarsyndrom
- Schwere Traumata und Polytrauma
- Akute respiratorische oder metabolische Entgleisungen
- Akute Blutungen oder Gerinnungsstörungen
- Schwere Infektionen und Sepsis
- Akute Intoxikationen
Laborparameter
- Hämatologie: Blutbild, Hämatokrit, Thrombozytenzahl
- Klinische Chemie: Elektrolyte (z.B. Na⁺, K⁺, Ca²⁺, Cl⁻), Kreatinin, Harnstoff, Glukose
- Blutgasanalyse: pH-Wert, pO₂, pCO₂, Laktat, Bikarbonat
- Kardiale Marker: Troponin, CK, CK-MB, BNP/NT-proBNP
- Gerinnung: Quick/INR, aPTT, Fibrinogen, D-Dimere, teilweise auch point-of-care Diagnostik (z.B. ROTEM)
- Entzündungsmarker: CRP, Prokalzitonin
- Spezielle Marker: z.B. β-hCG bei Verdacht auf Extrauteringravidität, Ethanolspiegel, Toxikologie-Schnelltests
Literatur
- SYN LAB – Notfall-Labor, abgerufen am 13.08.2025