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Procalcitonin

Abkürzung: PCT
Synonym: Prokalzitonin
Englisch: Procalcitonine

1 Definition

Procalcitonin, kurz PCT, ist das Prohormon des Calcitonins. Es wird u.a. als Marker bei Infektionskrankheiten eingesetzt.

2 Biochemie

Procalcitonin ist ein Polypeptid aus 116 Aminosäuren, das durch das Gen CALCA kodiert wird. Es hat keine Calcium-regulierende Funktion.

3 Vorkommen und Bildung

Unter physiologischen Bedingungen wird Procalcitonin in den C-Zellen der Schilddrüse als Vorläuferprotein gebildet und proteolytisch zum funktionsfähigen Hormon prozessiert. Die Synthese von Procalcitonin außerhalb der Schilddrüse ist normalerweise unterdrückt.

4 Pathophysiologie

Bei einem generalisiert-entzündlichen Geschehen wird Procalcitonin aus bisher nicht verstandenen Gründen vermehrt gebildet. Anders als unter physiologischen Bedingungen erfolgt die Synthese dann aber vermutlich in Leber, Niere, Fettgewebe und Muskeln. Freisetzungsreiz sind hierbei u.a. bakterielle Endotoxine, z.B. das Lipopolysaccharid. Dadurch kommt es zu einem schnellen Anstieg der PCT-Konzentration im Blut.

5 Diagnostische Bedeutung

Procalcitonin hat eine relativ hohe Spezifität für die Diagnose systemischer bakterieller Infektionen, insbesondere für das Vorliegen einer Sepsis. Bei lokal begrenzten Infektionen hat es nur eine geringe Aussagekraft. Im Rahmen einer systemischen Infektion kann der PCT-Wert auf 10-1000 μg/l ansteigen. Da der PCT-Wert starken interindividuellen Schwankungen unterliegt, kann von der Höhe des PCT-Werts jedoch nicht ohne Weiteres auf die Schwere der Infektion geschlossen werden.

Bei Pilzinfektionen und protozoenbedingten Infektionen kann es ebenfalls zu einem Anstieg des Procalcitonin-Wertes kommen. Bei Virus- oder Autoimmunerkrankungen hingegen steigt er nicht oder nur marginal an. Durch dieses Verhalten leistet das Procalcitonin wertvolle Dienste hinsichtlich der Unterscheidung von bakteriellen und viralen Entzündungen.

Differentialdiagnostisch muss bei Erhöhungen auch an neuroendokrine Tumore der Lunge sowie an ein medulläres Schilddrüsenkarzinom gedacht werden. Da medulläre Schilddrüsenkarzinome unkontrolliert Calcitonin produzieren, ist auch Procalcitonin erhöht. Bei Lungentumoren korreliert ein hoher PCT-Wert mit einer schlechten Prognose und einer fortgeschrittenen Metastasierung.[1]

Der Quotient aus PCT und CRP kann bei malignen hämatologischen Erkrankungen zur Unterscheidung zwischen Tumorfieber und Infektion herangezogen werden.[2]

6 Indikationen

  • Differenzierung von viralen und bakteriellen Infektionen
  • Verlaufskontrolle bakterieller Infektionen
  • Verlaufskontrolle bei Sepsis, SIRS und MODS
  • Risikoscreening nach OP oder Transplantation

7 Referenzbereich

  • Serumspiegel < 0,5 μg/l

Für Neugeborene liegt der Referenzwert in den ersten Lebenstagen höher.

8 Labormedizin

PCT hat im Plasma eine Halbwertzeit von etwa 24 Stunden. In vitro ist das Polypeptid stabil, so dass es hinsichtlich der Präanalytik oder der Probenaufbewahrung keine speziellen Anforderungen gibt. Die Messung erfolgt im Serum oder im Plasma per Immunassay.

9 Quellen

  1. Patout M, Salaün M, Brunel V, Bota S, Cauliez B, Thiberville L: Diagnostic and prognostic value of serum procalcitonin concentrations in primary lung cancers. Clin Biochem. 2014 Dec;47(18):263-7. doi: 10.1016/j.clinbiochem.2014.09.002. Epub 2014 Sep 15.
  2. Hangai S, Nannya Y, Kurokawa M.: Role of procalcitonin and C-reactive protein for discrimination between tumor fever and infection in patients with hematological diseases. Leuk Lymphoma. 2015 Apr;56(4):910-4. doi: 10.3109/10428194.2014.938329. Epub 2014 Aug 18

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