SIRS
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LoslegenDefinition
SIRS, kurz für "Systemic Inflammatory Response Syndrome", ist eine unspezifische, systemische Entzündungsreaktion des Organismus auf sehr unterschiedliche Noxen. Auslöser können sowohl Infektionen als auch nicht-infektiöse Ursachen sein. SIRS ist ein klinisches Reaktionsmuster, keine eigenständige Diagnose.
Hintergrund
Die SIRS-Kriterien wurden historisch zur Sepsis-Definition genutzt. Mit Sepsis-3 wird Sepsis heute als "lebensbedrohliche Organdysfunktion infolge einer fehlregulierten Wirtsantwort auf eine Infektion" definiert; operationalisiert über einen Anstieg des SOFA-Score um ≥ 2 Punkte.[1] Entsprechend haben die SIRS-Kriterien in aktuellen Leitlinien nur noch eine reduzierte Bedeutung, da sie weder ausreichend spezifisch noch prognostisch überlegen sind.[2][3][4]
Ätiologie
Typische Auslöser einer SIRS-Reaktion sind u.a.:
- Infektionen (bakteriell, viral, mykotisch)
- Trauma bzw. umfangreiche Operationen
- großflächige Verbrennungen
- schwere Blutungen/Schock
- Ischämie/Reperfusionsschäden
- Pankreatitis (v.a. nekrotisierend)
- Thromboembolie (z.B. Lungenembolie)
- Anaphylaxie
- schwere Autoimmunerkrankungen/Vaskulitiden (Schub)
Kriterien
Ein SIRS liegt vor, wenn mindestens 2 der folgenden Kriterien erfüllt sind:
- Körpertemperatur < 36 °C oder > 38 °C
- Herzfrequenz > 90/min
- Atemfrequenz > 20/min oder paCO2 < 32 mmHg
- Leukozyten < 4.000/mm3 oder > 12.000/mm3 oder > 10 % unreife Formen (Bands)
Hinweis: Bei Verdacht auf Sepsis sollte die Einschätzung primär über klinische Organdysfunktion (z.B. SOFA-Score/qSOFA) und Verlauf erfolgen. Ein SIRS kann dabei allenfalls als unspezifisches Frühwarnsignal dienen.[1][4]
Klinische Parameter und Biomarker
Häufige Begleitbefunde (unspezifisch, kontextabhängig):
- CRP ↑, BSG ↑
- Procalcitonin (PCT) ↑ (v.a. bei bakterieller Genese; Verlaufskontrolle möglich)
- Laktat ↑ (Hinweis auf Hypoperfusion/Schock; prognostisch relevant)
- Leukozytose/Leukopenie (ggf. Linksverschiebung)
- Thrombozytopenie
- Gerinnungsaktivierung bis DIC (z.B. Fibrinogen ↓, INR ↑, D-Dimere ↑)
Neuere Biomarker (z.B. Presepsin, MR-proADM, suPAR) werden untersucht, sind aber im Routine-Algorithmus nicht konsistent verankert und sollten nur in lokal etablierten Konzepten eingesetzt werden.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad des SIRS.
Nicht-infektiöse Ursachen
- kausale Therapie des Auslösers (z.B. Blutstillung, Reperfusion, Behandlung der Pankreatitis, Therapie einer Anaphylaxie)
- supportive Maßnahmen (Monitoring, Volumen/Vasopressoren bei Schock, Oxygenierung/Beatmung nach Bedarf)
- Antibiotika nicht routinemäßig, nur bei begründetem Infektionsverdacht
Infektiöse Genese bzw. Sepsisverdacht
→ siehe Sepsis und Septischer Schock (Behandlung nach Leitlinie/Bundle).
Kernprinzipien (Auswahl, stark vereinfacht):
- rasche Diagnostik inkl. Fokus-/Infektionssuche, Blutkulturen (wenn ohne relevante Verzögerung möglich)
- frühzeitige kalkulierte Antibiotikatherapie bei hoher Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion, insbesondere bei Schock
- Volumentherapie mit Kristalloiden; in SSC 2021 wird initial häufig „mindestens 30 ml/kg KG in den ersten 3 Stunden“ als Orientierung genannt, jedoch mit Individualisierung (z.B. kardiale/renale Komorbidität).
- Noradrenalin als Vasopressor der ersten Wahl zur MAP-Zielgröße von initial 65 mmHg bei septischem Schock.[5]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Singer M, Deutschman CS, Seymour CW, et al. The Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3). JAMA. 2016;315(8):801-810. doi:10.1001/jama.2016.0287 [1]
- ↑ Freund Y, Lemachatti N, Krastinova E, et al. Prognostic Accuracy of Sepsis-3 Criteria for In-Hospital Mortality Among Patients With Suspected Infection Presenting to the Emergency Department. JAMA. 2017;317(3):301-308. doi:10.1001/jama.2016.20329 [2]
- ↑ RKI: Sepsis – neue Definition, neue Kontroversen. Epidemiologisches Bulletin 37/2017. [3]
- ↑ 4,0 4,1 AWMF S3-Leitlinie Sepsis – Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge (Reg.-Nr. 079-001), Version 4.0, Stand 30.04.2025. [4] (Zugriff: 02.02.2026)
- ↑ Evans L, Rhodes A, Alhazzani W, et al. Surviving sepsis campaign: international guidelines for management of sepsis and septic shock 2021. Intensive Care Med. 2021;47(11):1181-1247. doi:10.1007/s00134-021-06506-y
Literatur
- Pschyrembel: Systemisches inflammatorisches Response-Syndrom (SIRS). (Zugriff: 02.02.2026)