Neuroleptospirose
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Synonyme: leptospirale Meningitis, ZNS-Leptospirose, Leptospirose-assoziierte Meningoenzephalitis
Englisch: neuroleptospirosis, CNS leptospirosis, leptospiral meningitis, leptospirosis-associated meningoencephalitis
Definition
Als Neuroleptospirose bezeichnet man eine Beteiligung des Nervensystems im Rahmen einer Infektion mit pathogenen Spirochäten der Gattung Leptospira.
siehe auch: Hauptartikel Leptospirose
Epidemiologie
Weltweit werden jährlich über eine Million Leptospirose-Fälle mit mindestens 59.000 Todesfällen geschätzt, wobei die tatsächliche Krankheitslast wahrscheinlich unterschätzt wird.[1] Neurologische Manifestationen treten bei etwa 10 % der hospitalisierten Leptospirose-Patienten auf.[2] Die Erkrankung betrifft überwiegend Männer und tritt bevorzugt in tropischen und subtropischen Regionen auf. Daten zu Neuroleptospirose-Fällen in Deutschland liegen derzeit (Stand 2026) nicht vor.
Klinik
Neuroleptospirose präsentiert sich typischerweise als Meningitis oder Meningoenzephalitis.[2] Häufigste neurologische Symptome sind Kopfschmerzen, Verwirrtheit und Nackensteifigkeit, seltener Paresen und epileptische Anfälle. Besonders hinweisend auf Neuroleptospirose sind häufig begleitende Allgemeinsymptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Myalgien (v. a. Wadenschmerzen), Übelkeit, Erbrechen und Abgeschlagenheit auf. Klinische Befunde, die den Verdacht auf eine Leptospirose zusätzlich erhärten können, sind konjunktivale Injektionen, Polyurie/Anurie bei Nierenbeteiligung, ein Ikterus sowie eine Hepatomegalie.[3]
Diagnostik
Labordiagnostik
Zur Diagnostik sollte eine Kombination verschiedener Probenmaterialien (Blut, Liquor, Urin) eingesandt werden. In der Frühphase ermöglicht die PCR eine rasche Diagnose. Zur PCR-Diagnostik sollte Vollblut in der ersten Krankheitswoche, Urin etwa nach der ersten Woche untersucht werden.[4] Insbesondere bei Meningitiszeichen kann die PCR aus dem Liquor positiv sein. Serologisch wird ein IgM-ELISA als Screeningtest empfohlen. Positive Ergebnisse sollten durch den mikroskopischen Agglutinationstest (MAT) als Referenzstandard bestätigt werden. Die Sensitivität der Serologie steigt ab der zweiten Krankheitswoche deutlich an. Die Kultur ist wenig sensitiv und erfordert Spezialmedien.
Liquordiagnostik
Im Liquor findet sich häufig eine milde bis moderate, überwiegend lymphozytäre Pleozytose mit erhöhtem Eiweiß und meist normaler Glukose.[5]
Magnetresonanztomographie
Die zerebrale MRT ist bei Neuroleptospirose häufig unauffällig oder zeigt unspezifische Veränderungen. Beschrieben wurden unter anderem T2-/FLAIR-Hyperintensitäten, meningeale Kontrastmittelaufnahme und bei schweren Verläufen vasogenes Hirnödem.[6][3][7][8]
Therapie
Es sollte eine Antibiotikatherapie über mindestens 7 Tage erfolgen, beispielweise mit:
- Ceftriaxon 2 g i.v. 1x/Tag oder
- Penicillin G 3-5 Mio. IE i.v. 4x/Tag (alle 6 h)
- Bei Penicillinallergie: Doxycyclin 100 mg i.v. oder p.o. 2x/Tag
Es gibt keine Kohortenstudien, die spezifisch die antibiotische Therapie bei Neuroleptospirose untersucht haben. Die verfügbare Evidenz stammt aus RCTs und Kohortenstudien zur schweren Leptospirose allgemein.
Komplikationen
Neben den direkt erregerbedingten neurologischen Manifestationen können im Verlauf immunvermittelte Komplikationen auftreten. Diese entwickeln sich entweder parainfektiös während der Immunreaktion des Körpers oder postinfektiös Tage bis Wochen nach der akuten Erkrankung. In einzelnen Fallberichten wurden immunvermittelte neurologische Syndrome wie Guillain-Barré-Syndrom (GBS), akute disseminierte Enzephalomyelitis (ADEM), Myelitis und Autoimmunenzephalitis beschrieben.[9][10][11] Als pathogenetischer Mechanismus wird unter anderem molekulares Mimikry zwischen Leptospira-Antigenen und neuronalen Strukturen diskutiert. Die Therapie umfasst Immuntherapie (Glukokortikoide, Plasmapherese, IVIG), bei aktiver Infektion ergänzt durch eine antibiotische Behandlung.
Prognose
Die Prognose ist bei frühzeitiger Diagnose und Therapie häufig günstig. Enzephalitis, Bewusstseinsstörung und epileptische Anfälle können mit schwereren Verläufen einhergehen. Immunvermittelte para- oder postinfektiöse Komplikationen können die Erholung verlängern und bleibende neurologische Defizite verursachen.
Quellen
- ↑ Costa F et al. Global Morbidity and Mortality of Leptospirosis: A Systematic Review. PLoS Neglected Tropical Diseases. 2015
- ↑ 2,0 2,1 Perera N et al. Neuroleptospirosis in patients presenting with primary central nervous system infection: A multicentre study. PLoS Neglected Tropical Diseases. 2026
- ↑ 3,0 3,1 Lee N et al. Leptospirosis-clinical review and updates on therapeutics. The Lancet Infectious Diseases. 2026
- ↑ CDC Yellow Book. Centers for Disease Control and Prevention
- ↑ Farias LABG et al. Leptospirosis-associated meningitis in an urban tropical endemic setting in northeastern Brazil: Three New cases and a meta-summary of 176 reported cases. PLoS Neglected Tropical Diseases. 2026
- ↑ Dixit A et al. Neurological Manifestations of Leptospirosis: A Retrospective Study from India. Neurology Abstracts. 2024
- ↑ Priyankara WDD, Manoj EM. Posterior Reversible Encephalopathy in a Patient with Severe Leptospirosis Complicated with Pulmonary Haemorrhage, Myocarditis, and Acute Kidney Injury. Case Reports in Critical Care. 2019
- ↑ Bhatt M et al. Uncommon manifestation of leptospirosis: a diagnostic challenge. BMJ Case Reports. 2018
- ↑ Saranya NSS et al. Para infectious myelitis with Conus medullaris immunotropism in the immune phase of leptospirosis infection: Clinical pattern and in silico molecular mimicry analysis based biological plausibility. Journal of Neuroimmunology. 2026
- ↑ Panda PK et al. Leptospira Triggered Anti-N-Methyl-d-Aspartate Receptor Encephalitis. Journal of Tropical Pediatrics. 2020
- ↑ Mathew T et al. Neuroleptospirosis - revisited: experience from a tertiary care neurological centre from south India. Indian Journal of Medical Research. 2006