Hypospermie
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LoslegenEnglisch: hypospermia
Definition
Als Hypospermie bezeichnet man ein Ejakulatvolumen, das unterhalb des Referenzbereichs liegt. Gemäß dem WHO-Laborhandbuch zur Untersuchung und Aufarbeitung des menschlichen Ejakulates gilt ein Ejakulatvolumen unter 1,4 ml – gemessen bei einer Karenzzeit von 2 bis 7 Tagen – als pathologisch erniedrigt.[1]
Abgrenzung
Von der Hypospermie abzugrenzen sind:
- die Anejakulation, bei der eine Ejakulation vollständig ausbleibt, da keine unwillkürlichen Kontraktionen der Geschlechtsorgane auftreten
- die Aspermie – das Fehlen eines Ejakulats trotz Orgasmus und Kontraktion der männlichen Sexualorgane
Das Gegenteil der Hypospermie ist die Hyperspermie.
Ätiologie
Mögliche Ursachen einer Hypospermie umfassen:[2]
- Ejakulationsstörungen: Eine partielle retrograde Ejakulation, bei der ein Teil des Ejakulates in die Harnblase zurückfließt, ist eine häufige Ursache. Sie kann durch Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen (z.B. Multiple Sklerose, Rückenmarksverletzung) oder Medikamente – insbesondere Alpha-Blocker und Antipsychotika – ausgelöst werden. Auch nach urologischen Eingriffen (z.B. TUR-P, Prostatektomie, Blasenhalschirurgie) kann eine retrograde Ejakulation auftreten.[3]
- Anatomische und funktionelle Anomalien: Obstruktionen der Ductus ejaculatorii – etwa durch Zysten, Entzündungen oder Narben – sowie Funktionsstörungen der Samendrüsen (Samenblasen) oder der Prostata können zu verminderter Sekretproduktion führen.[4]
- Entzündliche Ursachen: Eine Prostatitis oder Epididymoorchitis kann die sekretorische Funktion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen beeinträchtigen.
- Genetische Ursachen: Mutationen im CFTR-Gen (wie bei der zystischen Fibrose) können zur beidseitigen Aplasie des Samenleiters und damit zu stark vermindertem Ejakulatvolumen führen.
- Hormonelle Ursachen: Ein Hypogonadismus mit erniedrigten Androgenspiegeln kann die Sekretproduktion der akzessorischen Geschlechtsdrüsen reduzieren.
- Iatrogene Ursachen: Strahlentherapie im Beckenbereich sowie bestimmte Medikamente (z.B. 5-Alpha-Reduktasehemmer) können das Ejakulatvolumen vermindern.
Diagnostik
Die Diagnose wird im Rahmen des Spermiogramms gestellt. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:[2]
- Es sollten mindestens zwei Spermiogramme im Abstand von 4 bis 12 Wochen durchgeführt werden, da das Ejakulatvolumen einer erheblichen intraindividuellen Schwankung unterliegt.
- Die Karenzzeit von 2 bis 7 Tagen muss eingehalten und dokumentiert werden.
- Bei Verdacht auf retrograde Ejakulation wird nach der Masturbation der erste Urin nach Ejakulation auf Spermien untersucht (Postejaculat-Urinanalyse).
- Ergänzend können transrektale Sonographie zur Beurteilung von Prostata, Samenblasen und Ductus ejaculatorii sowie Hormonanalysen (FSH, LH, Testosteron) und genetische Tests (z.B. CFTR-Mutationsanalyse) sinnvoll sein.
Klinik
Die Hypospermie ist nicht zwingend mit einer Fertilitätseinschränkung verbunden. Entscheidend ist die Gesamtspermienanzahl im Ejakulat. Liegt diese trotz geringem Volumen im Normbereich (≥ 39 × 10⁶ Spermien pro Ejakulat), ist die Fertilisierungskapazität in der Regel nicht relevant beeinträchtigt.[1] Eine Hypospermie kann jedoch mit weiteren Spermiogrammstörungen wie Oligozoospermie, Asthenozoospermie oder Azoospermie assoziiert sein, die die Prognose verschlechtern.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:[2][3]
- Bei retrograder Ejakulation durch Medikamente: Absetzen oder Umstellen des auslösenden Präparats (nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt)
- Bei sympathikotoner Dysfunktion: medikamentöser Therapieversuch mit Sympathomimetika (z.B. Imipramin, Pseudoephedrin)
- Bei Obstruktion der Ductus ejaculatorii: ggf. operative Therapie (transurethrale Resektion)
- Bei nachgewiesener retrograder Ejakulation und Kinderwunsch: Spermiengewinnung aus dem Urin zur assistierten Reproduktion
- Bei zugrundeliegendem Hypogonadismus: Hormonersatztherapie
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Björndahl, A paradigmatic shift in the care of male factor infertility: how can the recommendations for basic semen examination in the sixth edition of the WHO manual and the ISO 23162:2021 standard help?, Reprod Biomed Online, 2022
- ↑ 2,0 2,1 2,2 Konstantinidis et al., Recent Advances in the Diagnosis and Management of Retrograde Ejaculation: A Narrative Review, Diagnostics (Basel), 2025
- ↑ 3,0 3,1 Mykoniatis et al., How can we Preserve Sexual Function after Ablative Surgery for Benign Prostatic Hyperplasia?, Curr Drug Targets, 2021
- ↑ Hofmann et al., Zinner syndrome and infertility─a literature review based on a clinical case, Int J Impot Res, 2021
Literatur
- World Health Organization, WHO Laboratory Manual for the Examination and Processing of Human Semen, 6. Auflage, WHO Press, 2021