Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Autoinflammatorisches Syndrom

(Weitergeleitet von Autoinflammatorische Erkrankung)

Synonym: Autoinflammatorische Erkrankung
Englisch: autoinflammatory disorders

1 Definition

Unter dem Begriff autoinflammatorisches Syndrom werden unterschiedliche, meist erbliche Erkrankungen zusammengefasst, die typischerweise mit periodischen Fieberschüben und weiteren systemischen Manifestationen einhergehen.

2 Ätiopathogenese

Bei den autoinflammatorischen Syndromen handelt es sich i.d.R. um hereditäre Erkrankungen, wobei die genaue Ursache derzeit (2019) nur bei einem Teil der Erkrankungen bekannt ist. Typischerweise liegt eine monogenetische Mutation vor, die zum Teil Bestandteile des Inflammasoms betrifft und damit zur gestörten Zytokinbalance bzw. -ausschüttung und Dysregulation der unspezifischen Immunantwort führt. Diesen Prozess bezeichnet man als Autoinflammation.

Die Folge ist eine gegen das körpereigene Gewebe gerichtete systemische Entzündung, die v.a. durch Makrophagen und neutrophilen Granulozyten vermittelt wird und zur Amyloidose führen kann.

Inzwischen werden mehrere häufige, genetisch komplexe Krankheiten auch als autoinflammatorisches Syndrom angesehen, da es Hinweise darauf gibt, dass Komponenten des unspezifischen Immunsystems pathogenetisch beteiligt sind. Hierzu zählen z.B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Psoriasis, Gicht und Atherosklerose.

Des Weiteren sollte berücksichtigt werden, dass monogenetische autoinflammatorische Syndrome nur ein Ende des Spektrums von immunologischen Störungen darstellen. Die Übergänge zu Autoimmunerkrankungen sind fließend, was insbesondere bei der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis (Still-Syndrom) erkennbar wird.

3 Einteilung

Zu den autoinflammatorischen Syndromen zählen zum Einen Erkrankungen, bei denen das rezidivierende Fieber klinisch im Vordergrund steht. Zu diesen hereditären Fiebersyndromen im engeren Sinne zählen:

Weitere autoinflammatorische Syndrome sind:

  • PAPA-Syndrom
  • DIRA-Syndrom (Interleukin 1-Rezeptor-Antagonist-Defizienz)
  • DITRA-Syndrom (Interleukin 36-Rezeptor-Antagonist-Defizienz)
  • Blau-Syndrom (infantile Sarkoidose)
  • CANDLE-Syndrom (Proteasom-assoziiertes autoinflammatorisches Syndrom)
  • DADA2-Syndrom (Adenosin-Desaminase-2-Mangel)
  • Majeed-Syndrom
  • SoJIA (systemische juvenile idiopathische Arthritis, Morbus Still)
  • AoSD (Morbus Still des Erwachsenen)
  • SAVI (infantile STING-assoziierte Vaskulopathie)
  • ORAS (Otulin-assoziiertes autoinflammatorisches Syndrom)
  • AIADK (Autoinflammation mit Arthritis und Dyskeratose)
  • AIFEC (Autoinflammation mit infantiler Enterokolitis)
  • PFIT: periodisches Fieber, Immunschwäche und Thrombozytopenie
  • SIFD: sideroblatische Anämie, Immunschwäche und periodisches Fieber
  • APLAID: Autoinflammation, Antikörpermangel und Immundysregulation
  • PGBM: Immunschwäche, Autoinflammation und Amylopektinose
  • NISBD neonatale inflammatorische Haut- und Darmerkrankung
  • H-Syndrom (SHML)
  • Hämophagozytische Lymphohistiozytose (Makrophagenaktivierungssyndrom, MAS)

4 Symptome

Leitsymptom der meisten autoinflammatorischen Syndrome ist das Fieber unklarer Ursache (FUO), das rezidivierend mit unterschiedlicher Dauer und Frequenz auftritt.

Häufig treten begleitend Bauchschmerzen, Arthralgien, Myalgien und/oder Arthritis auf. Weitere fakultative Symptome sind:

5 Differentialdiagnose

Obwohl unterschiedliche genetische Ursachen für die verschiedenen hereditären Fiebersyndrome bekannt sind, ist die diffentialdiagnostische Zuordnung aufgrund ähnlicher Symptome oftmals erschwert. Im entzündlichen Schub finden sich meist erhöhte Konzentrationen von Akute-Phase-Proteinen, Serumamyloid A (SAA) und S100-Proteinen sowie eine gesteigerte Erythrozytensedimentationsrate (ESR). Im Intervall liegen meist normale Laborwerte vor. Spezifischer können die autoinflammatorischen Syndrome anhand der molekulargenetischen Diagnostik voneinander unterschieden werden.

Weiterhin müssen autoinflammatorische Syndrome abgegrenzt werden von:

Diese Seite wurde zuletzt am 21. August 2020 um 12:11 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

1 Wertungen (4 ø)

1.668 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2020 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: