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Ödemkrankheit (Schwein)

Synonym: Colienterotoxämie
Englisch: edema disease, colienterotoxemia

1 Definition

Die Ödemkrankheit ist eine durch Escherichia coli verursachte Infektionskrankheit der Schweine.

2 Erreger

Escherichia coli ist ein gerades, motiles bzw. amotiles, teils begeißeltes und teils kapselbildendes, gram-negatives Stäbchenbakterium. Als Kommensale kommt es im Intestinaltrakt vor und zählt daher zur physiologischen Darmflora vieler Säugetiere.

Anhand der Virulenzfaktoren werden verschiedene Pathovare unterschieden, die aufgrund der von ihnen ausgelösten Erkrankungen unterschiedlich bezeichnet werden. Zu den wichtigsten Schweine-relevanten Pathovaren gehören:

Die Ödemkrankheit wird durch Shigatoxin-bildende EDEC ausgelöst. Die Pathogenität des Erregers wird neben dem Shigatoxin Stx-2e auch durch das α-Hämolysin und durch bestimmte Adhäsine (Fimbrienantigen F18ab) bestimmt.

3 Epidemiologie

Die Ödemkrankheit betrifft hauptsächlich Absatzferkel (4. bis 10. bzw. 12. Lebenswoche) und kommt vor allem bei den bestentwickeltsten Tieren vor.

Eine Infektion erfolgt fäkal-oral, indem infizierte, phänotypisch gesunde Tiere die Bakterien mit dem Kot ausscheiden und durch Ferkel aufgenommen werden. Neben kotverschmutzten Schweinebuchten können die Erreger auch über das Trinkwasser oder über die Futtermittel verschleppt werden.

4 Pathogenese

Durch die mit dem Absetzen (Umstellung von Sauenmilch auf Ersatznahrung) verbundenen tiefgreifenden physiologischen Veränderungen des Darms (u.a. Ausbildung von F18-Rezeptoren) wird den Shigatoxin-bildenden EDEC eine Besiedelung im Intestinaltrakt der Ferkel erst ermöglicht.

Durch eine zu rasche und hastige Futteraufnahme (Magenüberladung) wird das aufgenommene Futter im Magen unzureichend mit Magensaft vermengt, sodass kein ausreichend niedriger pH-Wert erreicht werden kann. Die mit der Nahrung aufgenommenen Escherichia coli gelangen so ungehindert in den Darm. Durch die großen Nahrungsmengen kommt es in weiterer Folge zu einer Überladung des Darmtraktes, wodurch die Peristaltik deutlich vermindert ist. Es kommt zu einer raschen Vermehrung von Escherichia coli im Dünndarm und so zu einer Akkumulation von Shigatoxin Stx-2e. Aufgrund der gefäßschädigenden Wirkung des Shigatoxins gelangen die Toxine in den Blutkreislauf, wodurch es zu einem Plasmaaustritt und einer massiven Ödembildung kommt.

Durch Hypoxien kommt es in weiterer Folge zu Schädigungen von Nervengeweben, Encephalomalazie und zu Zystenbildungen im Zentralnervensystem.

5 Klinik

Durch die Endothelschädigungen tritt Plasma in die Gewebe aus, was eine Ödembildung im Kopfbereich, besonders an den Augenlidern und auf dem Nasenrücken nach sich zieht. Der Krankheitsverlauf ist perakut oder chronisch, sodass plötzliche Todesfälle auftreten können.

Aufgrund der Nervenschädigungen kommt es zu Krämpfen, Bewusstseinsstörungen, Ataxien, Paresen und Muskelzuckungen. Die Tiere befinden sich in Seitenlage und zeigen Ruderbewegungen. Ein gleichzeitiges Auftreten von grau-wässrigen Durchfällen führt oftmals zu schockähnlichen Symptomen mit Dyspnoe und veränderten Lautäußerungen (Ödeme der Stimmritzen). Fieber wird in der Regel nicht beobachtet.

6 Pathologie

In der Sektion sind vor allem die charakteristisch erweiterten Dünndarmschlingen (flüssigkeitsgefüllt), Ödeme der Magenwand, der Gallenblasenwand und der Augenlider sowie die exsikkotischen Körperhöhlen auffällig.

7 Diagnose

Die klinische Verdachtsdiagnose basiert vor allem auf dem plötzlichen Auftreten der Ödeme sowie den zentralnervösen Erscheinungen bei der entsprechenden Altersgruppe (Absatzferkel). Mithilfe eines kulturellen Nachweises hämolysierender Escherichia coli und anschließender Pathovarbestimmung inkl. Toxinnachweis kann die Diagnose abgesichert werden.

Alternativ kann eine Sektion verendeter Tiere und anschließender bakteriologischer Untersuchung einer Tupferprobe aus dem Darm die Diagnose sichern.

8 Differenzialdiagnosen

9 Therapie

Tritt die Ödemkrankheit in einem Bestand auf, muss immer der gesamte Wurf mit Antibiotika (nach Antibiogramm) therapiert werden. Die Arzneimittel sollen über das Futter ausgebracht und durch die Tiere aufgenommen werden. Zusätzlich ist auf eine ausreichende Flüssigkeits- und Elektrolytaufnahme zu achten.

10 Prophylaxe

  • Fütterungsmanagement (Überfütterung und rascher Futterwechsel vermeiden, Wasserversorgung überwachen, Prestarter anbieten)
  • Hygiene sicherstellen (Rein-Raus-Verfahren, Reinigung und Desinfektion der Buchten, Mitarbeiterschulungen)
  • Haltungsbedingungen anpassen (Stallklima, Stressreduktion)

11 Literatur

  • Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.
  • VO-Unterlagen, Institut für Mikrobiologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Krankheiten der Harn- und Verdauungsorgane sowie Stoffwechselkrankheiten I - Bakteriologie. SS 2018.

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