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Chronische myeloische Leukämie

Synonym: CML

1 Definition

Als chronische myeloische Leukämie, kurz CML, wird eine neoplastische Erkrankung des blutbildenden Systems bezeichnet. Es treten vermehrt unreife Formen von Leukozyten im Blut auf. Bei dieser Form der Leukämie sind die myeloischen Zellreihen betroffen, was auf die Granulozyten, Monozyten, Thrombozyten (bzw. Megakaryozyten) und Erythrozyten zutrifft.

2 Myeloproliferative Neoplasien

Die CML ist eine Form des myeloproliferativen Syndroms, das in vier verschiedene Typen unterteilt wird:

3 Ätiologie

Die genaue Ursache der chronisch myeloischen Leukämie ist unbekannt. Es liegt eine maligne Entartung der pluripotenten Stammzellen des Knochenmarks vor. Als auslösende Faktoren werden Benzol, ionisierende Strahlung, Viren oder die Behandlung mit Chemotherapeutika diskutiert.

4 Epidemiologie

Die CML betrifft hauptsächlich Erwachsene zwischen dem Alter von 40 und 60 Jahren, 60% der Erkrankten sind Männer. Pro Jahr gibt es in Deutschland etwa 1 Fall pro 100.000 Einwohner. Ein Viertel der Leukämiefälle bei Erwachsenen sind chronisch myeloisch.

5 Zytogenetik und Pathogenese

In etwa 90% der CML-Fälle wird das nach seinem Entdeckungsort benannte Philadelphia-Chromosom (Ph) gefunden. Diesem kleinen atypischen Chromosom 22 liegt eine reziproke Translokation von Bruchstücken der Chromosomen 9 und 22 auf der Stammzellebene zugrunde. Bei der Translation entsteht ein BCR-ABL-Gen, das die Tyrosinkinase-Aktivität erhöht. Das Philadelphia-Chromosom wird außerdem auch bei etwa 20% der erwachsenen Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie (ALL) gefunden. Dieses atypische Chromosom wird im wesentlichen für die Entstehung der Krankheit verantwortlich gemacht.

Die genetische Störung der leukämischen Stammzelle führt nach Ablauf einiger Jahre zu einer Dominanz des Zellklons, der das Philadelphia-Chromosom aufweist. Die normale Hämatopoese wird dadurch sukzessive unterdrückt.

6 Krankheitsphasen

Grundsätzlich wird die CML in drei Krankheitsphasen unterteilt:

  • Chronisch stabile Phase (Dauer: 6 Monate bis 20 Jahre)
  • Akzelerationsphase: bezeichnet den Übergang zum Blastenschub
  • Blastenschub oder Blastenkrise

In einer Blastenkrise verhält sich die CML ähnlich einer akuten Leukämie. Sie ist dann im Gegensatz zur chronisch stabilen Phase häufig therapieresistent und endet aufgrund der progredienten Knochenmarkinsuffizienz (Blutungen, Anämie, Infektionen) oft tödlich.

7 Symptomatik

Der Beginn der Krankheit verläuft über Jahre meistens völlig asymptomatisch. Im weiteren Verlauf treten oft Allgemeinsymptome wie Unwohlsein, Fieber, Nachtschweiß, Leistungsminderung, und eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte auf. In fortgeschrittenen Stadien besteht eine Splenomegalie, die von einem Druckgefühl im linken Oberbauch begleitet sein kann. Bei manchen Patienten lässt sich im Bereich des Sternum ein Klopf- oder Kompressionsschmerz auslösen.

Bei stark erhöhten Leukozytenzahlen kommt es gelegentlich zu Milzinfarkten oder retinalen Venenverschlüssen, die durch leukämische Thromben bedingt sind.

8 Diagnose

8.1 Labor

Bei Verdacht auf CML sollte eine mikroskopische Untersuchung des Blutes (Differentialblutbild) erfolgen. Dabei fallen im Fall einer CML folgende Dinge auf:

  • Anämie: Bei etwa 60-80% der Patienten tritt eine meist milde Anämie auf.
  • Leukozytose: Im Gegensatz zu anderen Formen der Leukämie tritt bei der CML immer eine erhebliche Erhöhung der Leukozyten auf. Die CML weist sogar die höchsten Leukozytenzahlen von allen Leukämien auf.
  • Linksverschiebung: Es finden sich Leukozyten (v.a. Granulozyten) aller Reifestufungen (im Gegensatz zur akuten Leukämie).
  • Basophilie: Es ist meistens ein vermehrtes Auftreten von basophilen Granulozyten zu beobachten.
  • In 60% der Fälle ist eine erhöhte Thrombozytenzahl (Thrombozytose), in 10% der Fälle eine verminderte Thrombozytenzahl (Thrombozytopenie) zu beobachten.

Die zelluläre Zusammensetzung des Blutes ist abhängig vom jeweiligen Stadium, in dem sich der Patient befindet. Der Blastenanteil im peripherem Blut und im Knochenmark kann als Anhaltspunkt dienen, um das gegenwärtige Stadium zu bestimmen.

Hohe Leukozytenzahlen sind unter Umständen schon in Form einer breiten Leukozytenmanschette bei der Blutsenkung erkennbar.

8.2 Knochenmarksbiopsie

Die Knochenmarkpunktion zeigt eine deutliche Vermehrung der Promyelozyten und Myelozyten.

9 Therapie

Das Ziel der Therapie ist eine weitgehende Normalisierung des Blutbildes im Sinne einer Remission. Als therapeutische Optionen kommen - allein oder in Kombination - unter anderem in Betracht:

Die Auswahl der geeigneten Therapie ist im Wesentlichen abhängig vom Lebensalter des Patienten und vom Krankheitsstadium.

10 Prognose

Die 10-Jahres-Überlebensraten der CML liegen abhängig von der gewählten Therapie zwischen 40 und 55%.

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Fachgebiete: Hämatologie

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