Virus
(Weitergeleitet von Viren)
von lateinisch: virus - Schleim, Saft, Gift
Plural: Viren, Vira
Englisch: virus
Inhaltsverzeichnis |
1 Definition [bearbeiten]
Als Virus bezeichnet man in der Medizin einen Infektionsträger, der aus einem Strang Erbmaterial DNA (Desoxyribonukleinsäure) oder RNA (Ribonucleinsäure) und einer Proteinhülle besteht. Die Größe der Viren liegt zwischen 10 und 1000 Nanometern. Die Struktur der Proteinhülle, und damit die Virusart, kann u.a. durch Kristallisation und Röntgenbeugung entschlüsselt werden.
2 Entwicklung [bearbeiten]
Viren sind vermutlich später als andere Lebewesen entstanden, da sie auf letztere angewiesen sind. Entstehungsmechanismen lassen sich im Zusammenhang mit Plasmiden oder Transposonen verstehen. Für eine späte Entstehung spricht auch, dass Viren, die Eukaryonten befallen, das alternative Splicing der Eiweißsynthese nutzen. Dementsprechend besitzt ihr Erbgut variante Introns und Exons.
Abwandlungen von Viren sind Viroide und Virusoide.
3 Vermehrung [bearbeiten]
Das Virus selbst kann keine Stoffwechselvorgänge durchführen, sondern braucht (virusspezifische) Zellen zur Fortpflanzung. Der (vereinfacht dargestellte) Lebenszyklus eines Virus beginnt im allgemeinen, wenn es sich an eine Wirtszelle anheftet und sein Erbmaterial ins Zellinnere bringt. Die befallene Zelle benutzt dann später das Erbmaterial des Virus, um neue Viren zusammenzustellen. Man kann die Viren mit Piraten vergleichen, die ein Schiff (die Wirtszelle) entern und die Mannschaft (z.B. den Proteinsynthese-Apparat) des gekaperten "Schiffes" für sich arbeiten lassen. Die neu gebildeten Viren werden freigesetzt, indem entweder die Zellmembran aufgelöst wird oder zumindest größere Teile der Zellmembran beim Austritt der Viren aus der Zelle als Bestandteil der Virushülle mitgenommen werden; die Wirtszelle stirbt dabei.
Da Viren keinen eigenen Stoffwechsel haben, und zur Fortpflanzung auf zelluläre Lebewesen angewiesen sind, zählt man sie nur bedingt zu den Lebewesen.
4 Verschiedene Virentypen [bearbeiten]
Man unterteilt Viren grob in:
- DNA-Viren
- RNA-Viren
- Retroviren als Sonderform der RNA-Viren
In Viren (Klassifikation) findet sich eine genauere Unterteilung.
4.1 Beispiele (Viren und verursachte Erkrankungen) [bearbeiten]
Bei Menschen können eine Vielzahl von Krankheiten durch Viren veursacht werden, u.a. durch:
- Coronaviren - Gastroenteritis, SARS
- Herpesviren - u.a. Herpes labialis, Herpes genitalis, Windpocken, Gürtelrose
- Influenzaviren: Grippe, Vogelgrippe
- Papoaviren - Warzen
- Paramyxoviren - Masern, Mumps, Krupp (Atemwegsinfekt)
- Picornaviren - Polio (Kinderlähmung)
- Retroviren - AIDS, Leukämie
- Rhinoviren, Adenoviren - Schnupfen, Erkältungen
Die meisten Viren sind viel kleiner als die kleinsten zellulären Mikroorganismen, die Bakterien. Einige von ihnen, die Bakteriophagen, befallen sogar Bakterienzellen.
Doch wurde vor kurzem von französischen Forschern im Wasser eines britischen Kühlturms ein bisher unbekanntes "Riesen-Virus" entdeckt, das in der Amöbe Acanthamoeba polyphaga lebt. In Anspielung auf sein bakterienähnliches Verhalten nannten die Forscher das Virus Mimivirus (eine Kurzform von Mimicking Microbe, was soviel wie "imitierende Mikrobe" heißt). Im Erbgut des Mimivirus wurden 21 Gene identifiziert, die Ähnlichkeiten mit denen anderer Viren haben. Das Erbgut des neuen Virus besteht aus etwa 800.000 Nukleotiden. Es ist damit deutlich größer als das anderer bisher untersuchter Viren.
Das Mimivirus gehört nach Ansicht der Forscher zur Gruppe der nukleozytoplasmischen großen DNA-Viren (NCLDV), unter denen auch Viren zu finden sind, die Wirbeltiere und Insekten infizieren können. Das Mimivirus ist aber allem Anschein nach für den Menschen ungefährlich.
5 Kontroversen [bearbeiten]
Seit einigen Jahren zieht der umstrittene Virologe Stefan Lanka die Pathogenität von Viren und teilweise auch deren Existenz in Zweifel. In der Tat stammen viele Beweisführungen für die virale Pathogenität aus einer Zeit, in der keine wissenschaftlichen Publikationsmethoden und Peer Review-Mechanismen vorhanden waren. Seine Auffassungen werden schulwissenschaftlich nicht vertreten.
Umstritten ist ein möglicher evolutionsgeschichtlicher Einfluss von Viren auf komplexe Organismen. Dieser ist in der Mikrobiologie unumstritten. Mechanistisch würde dadurch eine sprunghafte Evolution, ein Gegenkonzept zum Neodarwinismus (vertreten durch Richard Dawkins), logisch erscheinen. Eine empirische Beweisführung dürfte sich allerdings schwierig gestalten. Die Diskussion wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft auf niedriger Intensität geführt.
6 Therapie mit Viren [bearbeiten]
Erstmals ist die Erzeugung von onkolytischen Viren gelungen, die im Tiermodell CD-133-positive Krebstammzellen infizierten und diese fast vollständig abtöteten (Cancer Research online, 04.01. 2013).
7 Literatur [bearbeiten]
- Stephen S. Morse, The Evolutionary Biology of Viruses (1994) ISBN 0781701198
8 Weblinks [bearbeiten]
- Viren
- Genetik von Bakterien und Viren: Bau und Vermehrung von Viren, Transduktion
- Virengenetik
- All the Virology on the WWW (Ein umfangreicher Site, mit vielen Verweisen)
- The Universal Virus Database (Daten zu allen bekannten Viren)
siehe auch: Infektion, Virostatikum
Diese Seite basiert auf dem Wikipedia-Artikel http://de.wikipedia.org/wiki/Virus_(Biologie)
Fachgebiete: Immunologie, Mikrobiologie, Virologie
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