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Spinale Muskelatrophie

1 Definition

Die Spinale Muskelatrophie ist eine autosomal-rezessiv vererbbare neurodegenerative Erkrankung der motorischen Vorderhornzellen und motorischen Hirnnervenkerne sowie ihrer peripheren Axone.

2 Inzidenz

Die Häufigkeit der Erkrankung liegt bei 1 zu 10.000 Lebendgeburten pro Jahr, die Heterozygotenfrequenz liegt bei 1 zu 50.

3 Einteilung

Die Einteilung erfolgt nach Schweregrad und Manifestationsalter in 3 Grade.

3.1 SMA Typ I (Morbus Werdnig-Hoffmann, akute infantile SMA)

Die SMA Typ I führt bereits in den ersten 6 Lebensmonaten zu Symptomen. Die Kinder werden oft als „floppy infant“ geboren und zeigen eine generalisierte Muskelschwäche in Folge einer muskulären Hypotonie. Diese äußert sich unter anderem in

Die Lebenserwartung dieser Kinder ist stark eingeschränkt, 2/3 versterben aufgrund einer respiratorischen Insuffizienz bereits in den ersten 2 Lebensjahren.

3.2 SMA Typ II (chronische spätinfantile Intermediäre SMA)

Das Manifestationsalter der SMA Typ II liegt zwischen dem 8. Und dem 18. Lebensmonat. Die Myotonie ist besonders schwer an den unteren Extremitäten ausgeprägt wobei eine Atrophie der Oberschenkelmuskulatur charakteristisch ist. Die Atrophie der Interkostalmuskulatur führt zu einer leichten Trichterbrust (Pectus excavatum sive infundibulum). Im höheren Alter können die Patienten zwar sitzen, jedoch nicht frei stehen. Die Lebenserwartung liegt bei 10 bis 20 Jahren.

3.3 SMA Typ III (Morbus Kugelberg-Welander, juvenile SMA)

Der Erkrankungsbeginn liegt jenseits des 18. Lebensmonats, jedoch vor dem 30.Lebensjahr. Insgesamt ist die Muskelatrophie leicht ausgeprägt, die Lebenserwartung kaum eingeschränkt.

4 Ätiologie

Ursächlich können Mutationen in verschiedenen Genen sein:[1]

  • SMN1 (survival motor neuron 1) und SMN2: Codieren für Proteine, die an der Funktion von Motoneuronen im Rückenmark und Hirnstamm beteiligt sind.
  • UBA1: Codiert für ein E1-Enzym, das den ersten Schritt der Ubiquitinierung von Proteinen katalysiert. Ein Verlust der Aktivität führt zu einer Störung des Proteinabbaus über das Proteasom.
  • DYNC1H1: Codiert für das Protein Dynein, ein Motorprotein, das unter anderem synpatische Vesikel transportiert.

5 Diagnose

Wegweisend für die Diagnosestellung ist die klinische Untersuchung und die Anamnese. Gesichert wird die Diagnose durch eine molekulargenetische Analyse der SM1-Gene.

6 Therapie

Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Die Hauptmaßnahmen bilden die physiotherapeutische Behandlung, die Logopädie, Schmerztherapie sowie orthopädisch notwendige Korrekturoperationen. Bei vehementer Ateminsuffizienz müssen die Patienten beatmet werden.

Für die Behandlung der SMA, die durch eine Mutation des SMN1-Gens hervorgerufen wird, ist in Deutschland seit 2017 das Antisense-Oligonukleotid Nusinersen zugelassen. Der Arzneistoff wird durch intrathekale Injektion direkt in das ZNS eingebracht. In klinischer Prüfung befinden sich weitere Substanzen, u.a. der Apoptoseinhibitor Olesoxim.

7 Quellen

  1. Genetics Home Reference Eintrag: Spinal muscular atrophy, abgerufen am 31.08.16

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