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Poliomyelitis

(Weitergeleitet von Polio)

Synonyme: Poliomyelitis epidemica anterior acuta, Kinderlähmung, Polio, Heine-Medin-Krankheit
Englisch: poliomyelitis, polio, infantile paralysis

1 Definition

Die Poliomyelitis ist eine meldepflichtige Infektionskrankheit mit vornehmlichem Befall des ZNS.

2 Ätiologie

Eine Poliomyelitis wird durch Infektion mit dem Poliovirus ausgelöst. Das Poliovirus liegt in drei verschiedenen Serotypen vor und gehört zur Gruppe der Enteroviren. Es wird durch Schmierinfektion übertragen.

3 Epidemiologie

Seit der flächigen Einführung der Impfung gegen Polioviren in den sechziger Jahren ist die Inzidenz der Poliomyelitis auf fast null gesunken.

4 Klinik

Nach einer Inkubationszeit von 7-21 Tagen kommt es zunächst zu Prodromi mit Diarrhö und Atemwegssymptomatik (katarrhalische Reizung). Im weiteren Verlauf kommt es regelhaft zur Ausbildung einer Meningitis bzw. Meningoenzephalitis mit Zeichen des Meningismus.

Schlaffe Lähmungen treten bei etwa jedem 150. Betroffenen auf. Dabei entsteht je nach Ausprägung der Erkrankung meistens die spinale Verlaufsform mit vorwiegender Lähmung der Muskulatur von Extremitäten und Rumpf. Bei Befall der Interkostalmuskulatur kann es hierdurch zu Störungen der Atmung kommen.

Werden das hirnnahe Rückenmark und der Hirnstamm vornehmlich befallen, ist von einer pontinen bzw. bulbären Form zu sprechen. Diese ist prognostisch sehr ungünstig, da sie zu einer zentralen Atemlähmung führt.

5 Diagnostik

Eine bei Verdacht auf Poliomyelitis durchgeführte Lumbalpunktion hat in der Regel folgende Liquorkonstellation:

Eine Virusisolation und -diagnostik kann aus Rachenspülwasser, Stuhl oder Liquor erfolgen. Serologisch können einige Wochen nach Erkrankung spezifische Antikörper nachgewiesen werden.

6 Therapie

Eine spezifische Therapiemöglichkeit ist nicht vorhanden. Bei Erkrankung erfolgt in der Regel eine symptomatische Therapie, gegebenenfalls mit maschineller Beatmung. Schlaffe Lähmungen sollten früh einer physiotherapeutischen Betreuung zugeführt werden. Persistente Lähmungen treten bei etwa der Hälfte aller durch Poliomyelitis gelähmten Patienten auf.

7 Prophylaxe

Der einzige wirkungsvolle Schutz vor Polio ist die Impfung, die derzeit mit dem Salk-Impfstoff erfolgt und im Rahmen der Grundimmunisierung strengstens zu empfehlen ist. Weltweit wird der Poliovirus wahrscheinlich das nächste ausgerottete Virus sein. Die Global Polio Eradication Initiative bemüht sich um erhöhte Impfraten in Endemiegebieten wie beispielsweise Nigeria, Afghanistan und Pakistan.

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