Klimakterium
Synonym: Wechseljahre der Frau
Griechisch: "kritischer Punkt im menschlichen Leben"
Englisch: climacteric
Definition
Unter dem Begriff Klimakterium subsumiert man die mehrere Jahre andauerende Übergangsphase von der Zeit der Geschlechtsreife bis zum Erlöschen der ovariellen Hormonproduktion. Das weibliche Klimakterium beginnt meist um das 45. Lebensjahr.
Auch bei Männern gibt es ein vergleichbares Nachlassen der testikulären Hormonproduktion, das man als Klimakterium virile bezeichnet.
Epidemiologie
Trotz großer individueller Schwankungsbreite, durchlebt der Großteil der Frauen, das Klimakterium zwischen dem 45. und 55. Lebensjahr. Von einer prämaturen Ovarialinsuffizienz (Climacterium praecox) spricht man bei Erlöschen der Ovarialfunktion vor dem 40. Lebensjahr. Bei diesen Frauen sind die ovariellen Follikel vorzeitig erschöpft.
Phasen
Die nachlassende Hormonproduktion des Ovars kündigt sich durch Zyklusunregelmäßigkeiten an. Die letzte Blutung im Zyklus der Frau wird als Menopause bezeichnet, die Zeit um die letzte Blutung wird Perimenopause genannt. Unregelmäßige Blutungen bis zum vollständigen Sistieren entsprechen der Prämenopause, die Zeit danach wird als Postmenopause bezeichnet.
| Zeitraum | Bezeichnung |
|---|---|
| vor der letzten Blutung | Prämenopause |
| ... | Perimenopause |
| letzte Blutung | Menopause |
| ... | Perimenopause |
| nach der letzten Blutung | Postmenopause |
Ätiologie
Um das 40. Lebensjahr nehmen die Organveränderungen an den Ovarien, in Form von Follikelverarmung und Gefäßsklerosierung zu. Die Insuffizienz der Lutealphase, die bereits in den Jahren zuvor eine verminderte Konzeptionsfähigkeit verursacht, findet sich frühzeitig. Trotz regelmäßiger Menstruation, steigt die Anzahl anovulatorischer Zyklen. Die Eierstöcke sezernieren weiterhin ausreichend Östrogen, was zum Wachstum des Endometriums führt, jedoch ohne die progesteronabhängige Transformation. Daher finden sich vermehrt Endometriumhyperplasien, die typisch für die Zeit der Wechseljahre sind. Im weiteren Verlauf des Klimakteriums nimmt die Östrogenproduktion beständig ab. Reflektorisch steigen die Gonadotropinspiegel an. Weiterhin nimmt die Sekretion von Inhibin ab und führt zur vermehrten Ausschüttung von FSH. Zusätzlich zum Ausfall der Inhibinwirkung, führt die Abnahme der Androgenspiegel zur einer fehlenden Aromatisierung von Östrogenen.
Symptomatik
In etwa 75 % der Frauen entwickeln im Zusammenhang mit dem Klimakterium körperliche oder psychische Beschwerden. Die typische Klinik des Klimakteriums wird in erster Linie durch den Mangel an Östrogenen ausgelöst:
- Somatische Beschwerden
- vaginale Atrophie
- Gelenkbeschwerden
- Harnwegsbeschwerden
- Muskelschmerzen
- Dyspareunie
- Vegetative Erscheinungen
- Hitzewallungen und Nachtschweiß (sog. vasomotorische Symptome)
- Schlafstörungen
- Schwindel
- Migräne
- Parästhesien
- Herzklopfen
- Psychische Erscheinungen
- Gereiztheit
- Nervosität
- Depression
- Erschöpfung
- Konzentrationsstörungen
- Zyklusveränderungen
- Hypo- und Hypermenorrhö
- Menorrhagie
- prä- und postmenstruelle Schmierblutungen
- Poly- und Oligomenorrhoe
- Amenorrhoe
- prämenopausale Blutungsstörungen
Assoziierte Erkrankungen
Mit dem Klimakterium und der Umstellung des Hormonhaushalts sind einige Erkrankungen assoziert. Osteoporose mit Veränderungen im Bereich der Wirbelsäule (Keilwirbel, sogenannter Witwenbuckel) und Arteriosklerose stellen die langfristigen Auswirkungen des Östrogenmangels dar. Infolgedessen klagen die Frauen häufig über Rücken- und Gelenkschmerzen bei erhöhtem Frakturrisiko. Die atrophischen Veränderungen betreffen den gesamten Urogenitaltrakt und sind meist sehr belastend für die Betroffenen. Mögliche Veränerderungen und Folgeerscheinungen sind:
- Atrophische Veränderungen des Vulva-, Vaginal- und Urethralepithels
- Atrophie der Haut und der Mammae
- High-turnover-Osteoporose mit bis zu 2 bis 3 % Knochensubstanzverlust pro Jahr
- Veränderungen im Lipidstoffwechsel
- LDL-Cholesterin steigt um ca. 20%
- Abnahme des HDL-Cholesterin
- Starker Anstieg der Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen durch fehlende kardioprotektive Wirkung von Östrogen
- Hypertonus
Diagnostik
Meist kann bereits aus der detaillierten Anamnese die Diagnose des klimakterischen Syndroms gestellt werden. Die Vaginalzytologie eignet sich besonders gut zur Verlaufsdiagnostik, um das Ansprechen der Scheidenepithelien bei Substitutionsbehandlung beurteilen zu können.
Hormondiagnostik
Die Hormondiagnostik ist primär nicht indiziert, aber vor allem bei der Diagnose des Climacterium praecox sehr hilfreich. Zu erwartende hormonelle Veränderungen im Rahmen des Klimakteriums:
- FSH deutlich erhöht
- LH erhöht
- FSH/LH > 1
- Östradiol vermindert
- Progesteron vermindert
- HCG normal (Ausschluss Schwangerschaft)
Therapie
Die Therapie richtet sich nach Beschwerdeausprägung, individueller Risikokonstellation und Präferenz der Patientin.
Allgemeinmaßnahmen
Empfohlen werden Lebensstilmodifikationen wie regelmäßige körperliche Aktivität, Gewichtsnormalisierung, Rauchverzicht und Reduktion von Alkoholkonsum.
Hormontherapie
Ziel der menopausalen Hormontherapie ist – im Gegensatz zu klassischen Substitutionstherapien – nicht die Wiederherstellung prämenopausaler Hormonspiegel, sondern die Behandlung ausgewählter Symptome und Erkrankungen.
Die medizinische Notwendigkeit für eine Hormonsubstitution von Östrogen ist gegeben bei:
- schweren klimakterischen Beschwerden mit hohem Leidensdruck
- einer vorzeitigen Ovarialinsuffizienz
- Klimakterium praecox
- operativer Entfernung der Ovarien (Ovarektomie)
- schweren Atrophien im Genitalbereich
Eine Hormonsubstitution darf nur durchgeführt werden, wenn keine Kontraindikationen vorliegen. Kontraindikationen sind:
- Hepatopathien
- Thrombembolien
- Hormonsensitive Tumoren (Mammakarzinom, Korpuskarzinom)
Die systemische Hormonersatztherapie ist die effektivste Therapie vasomotorischer Symptome. Alternativ kann der Neurokinin-3-Rezeptorantagonist Fezolinetant eingesetzt werden.
Bei Frauen mit intaktem Uterus ist zusätzlich zum Östrogen zwingend ein Gestagen erforderlich, um eine östrogeninduzierte Endometriumproliferation mit erhöhtem Karzinomrisiko zu verhindern. Hierfür stehen sequenziell kombinierte (Peri-/frühe Postmenopause) und kontinuierlich kombinierte Präparate (Postmenopause) zur Verfügung. Bei hysterektomierten Frauen erfolgt eine Östrogen-Monotherapie. Für niedrig dosierte topisch-vaginale Östrogene ist keine zusätzliche Gestagengabe erforderlich.
Selbstmedikation
In der Selbstmedikation werden verschiedene Phytopharmaka eingesetzt. Dazu zählen u.a.:
- Cimicifuga racemosa
- Rheum rhaponticum
- Isoflavone (Rotklee, Soja)
- Ginseng
- Johanniskraut
Über Wirksamkeit dieser Präparate werden unterschiedliche Angaben gemacht, die meist nicht auf kontrollierten klinischen Studien basieren.
Quellen
- Laborlexikon.de, abgerufen am 30.03.2021
- S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause, 2020, abgerufen am 24.02.2026