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Picornaviridae

(Weitergeleitet von Picornaviren)

von griechisch: pico - sehr klein
Synonyme: Picorna-Viren, Naniviren
Englisch: picornaviruses

1 Definition

Als Picornaviridae wird eine taxonomische Familie von ikosaedrischen Plusstrang-RNA-Viren (+ssRNA) bezeichnet.

2 Taxonomie

Die Virusfamilie Picornaviridae zählt zur Ordnung Picornavirales (Bereich Riboviria). Die folgende Tabelle listet eine Auswahl wichtiger human- und zoopathogener Gattungen auf:

Gattung Art
Aphthovirus Maul-und-Klauenseuche-Virus (FMDV)
Cardiovirus Cardiovirus A (Enzephalomyokarditis-Virus 1 und 2)
Cosavirus Cosavirus A und D
Enterovirus
  • Enterovirus A (u.a. Coxsackie-A- und Enteroviren)
  • Enterovirus B (u.a. Coxsackie-A-, alle Coxsackie-B-, Echo- und Enteroviren)
  • Enterovirus C (u.a. Humanes Enterovirus C, Poliovirus 1 bis 3, Coxsackievirus A1, A19 bis A24)
  • Enterovirus D (u.a. Humanes Rhinovirus 87)
  • Rhinovirus A (u.a. Humanes Rhinovirus A1, A2, A7 bis A13)
  • Rhinovirus B (u.a. Humanes Rhinovirus B3 bis B6)
  • Rhinovirus C (u.a. Humanes Rhinovirus C1 bis C51)
Hepatovirus Hepatovirus A (Hepatitis-A-Virus)
Kobuvirus Aichivirus A
Parechovirus
  • Parechovirus A (Humanes Parechovirus 1 bis 18)
  • Parechovirus B (Ljunganvirus 1 bis 5)
Rosavirus Rosavirus A bis C
Salivirus Salivirus A

3 Aufbau

Picornaviren sind etwa 25 bis 30 nm groß und erscheinen im elektronenmikroskopischen Bild in etwa kugelförmig. Sie bestehen aus einem unbehüllten Kapsid in Ikosaederform und einer linearen (+)ssRNA als Genom. Bei der Translation entsteht zunächst ein Polyprotein, das sich autokatalytisch in die Strukturproteine VP1 bis VP4 und in Nichtstrukturproteine spaltet.

VP1 bis VP3 bilden die Oberfläche des Kapsids, VP4 befindet sich auf der Kapsidinnenseite.

4 Resistenz

Da Picornaviren keine Lipidhülle besitzen, sind sie relativ unempfindlich gegen organische Lösungsmittel und Detergenzien. Enteroviren sind empfindlich gegen Austrocknen und mäßiges Erhitzen (ca. 50 °C), jedoch resistent gegenüber Äther oder Magensäure. Rhinoviren sind nur bei einem pH von 6,0 bis 7,5 stabil und sehr temperaturempfindlich.

5 Diagnostik

Polio-, Coxsackie-B-, Echo-, Entero- und die meisten Coxsackie-A-Viren lassen sich gut auf Affennierenzellen züchten.

Während einer akuten Erkrankungsphase können Proben von Rachenspülwasser, Liquor, Biopsiematerial und Stuhl mittels PCR untersucht werden. Nach Infektionen mit Enteroviren können diese für einige Monate im Stuhl nachweisbar sein.

Spezifische Anstiege der Antikörper gegen Polioviren lassen sich über den Neutralisationstest bestimmen, insbesondere zur Feststellung einer Immunität. Andere serologische Methoden haben nur eine geringe diagnostische Bedeutung.

6 Pathologie

Picornaviridae werden von Mensch zu Mensch insbesondere auf fäkal-oralem Infektionsweg weitergegeben. Sie vermehren sich im Magen-Darm-Trakt und werden über den Stuhl ausgeschieden.

Hauptsächlich werden folgende Krankheiten durch Picornaviren ausgelöst:

Symptom bzw. Erkrankung  Virustyp
Hepatitis A Hepatitis-A-Virus
Poliomyelitis Polioviren
Aseptische Meningitis diverse Coxsackie-, Echo- und Enterovirus-Typen (v.a. Echo-Virus 30)
Akute schlaffe Myelitis zahlreiche Enteroviren
Enzephalitis, Meningoenzephalitis Enterovirus 70, 71; Echovirus 2, 6, 9, 19
Myokarditis humanes Enterovirus B (v.a. Coxsackievirus B3)
Pleurodynie (Bornholm-Krankheit) humanes Enterovirus B (v.a. Coxsackie-B-Typen)
Herpangina Coxsackie A2 bis A6, 8, 10
Hand-Fuß-Mund-Krankheit u.a. Enterovirus 71, Coxsackie A5, 10, 16
Makulopapulöses Exanthem u.a. Echoviren 2, 4, 5, 9, 11, 16, 18, verschiedene Coxsackie-A-Typen
Schnupfen u.a. Coxsackie A1, A11, 21, 24
"Sommergrippe" u.a. Coxsackie A und B1 bis B5, Echoviren 11, 20, Enterovirus 68
Pneumonie Enterovirus 68, 74, 78, Coxsackie A16
Akute hämorrhagische Konjunktivitis Enterovirus 70, Coxsackie A24
Perinatal: Myokarditis, Hepatitis, Enzephalitis u.a. Coxsackie A und B, Echovirus 11

Rhinoviren treten eher in den kälteren Jahreszeiten auf und verursachen Symptome wie Schnupfen oder eine Pharyngitis, jedoch nur selten Komplikationen (Otitis media, Sinusitis, Pneumonie).

Parechoviren sind u.a. für Gastroenteritis, Erkältungen, Exantheme, Myokarditis, Enzephalitis und schlaffe Lähmungen verantwortlich. Das Ljunganvirus scheint mit dem Guillain-Barré-Syndrom und Myokarditiden assoziiert zu sein.

Das Aichivirus A wird oft durch roh verzehrte Meeresfrüchte (v.a. Austern) übertragen und löst Gastroenteritiden aus. Weiterhin kommt es gehäuft in (sub)tropischen Ländern mit niedrigem Hygienestandard vor.

Die Gattungen Aphthovirus und Cardiovirus verursachen seltene Zoonosen (Maul- und Klauenseuche, Enzephalomyokarditis).

Weiterhin sind Coxsackie-B4- und -B5-Infektionen assoziiert mit der Entstehung eines Diabetes mellitus Typ 1.

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