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Karzinoid

Synonyme: Karzinoidtumor, enterochromaffines Karzinoid
Englisch: carcinoid

1 Definition

Karzinoid ist eine Sammelbezeichnung für Tumoren, die aus Zellen des diffusen neuroendokrinen Systems hervorgehen. In einer WHO-Klassifikation aus dem Jahr 2000 ist der Begriff durch den Terminus "neuroendokriner Tumor" (NET) ersetzt worden.

2 Hintergrund

Karzinoide haben ein langsames Wachstum und sezernieren häufig Neuropeptide oder biogene Amine wie z.B. Serotonin. Sie zeigen normalerweise (v.a. Appendix vermiformis) einen niedrigen Malignitätsgrad. Tumore mit einem Durchmesser unter 1 cm und einem nicht gefäßinvasiven Wachstum gelten als benigne. Sie können jedoch zu malignen Tumoren degenerieren. Malignitätskriterien sind

Maligne Karzinoide betreffen häufig das Ileum.

3 Histologie

Nach histologischen Differenzierungsgraden werden Karzinoide unterteilt in:

  • neuroendokrine Tumoren (gutartig)
  • hochdifferenzierte neuroendokrine Karzinome (niedrigmaligne) und
  • entdifferenzierte neuroendokrine Karzinome (hochmaligne)

4 Morphologie

Karzinoide kommen vor allem im Magen-Darm-Trakt vor. Häufige Organlokalisationen sind:

5 Karzinoidtumoren des Gastropankreatischen Systems

Sie zeigen - je nach Lokalisation im Magen-Darm-Trakt - unterschiedliche morphologische und klinische Eigenschaften und lassen sich in Vorderdarm-, Mitteldarm- und Enddarmkarzinoide zusammenfassen. Diese Zellen werden von den enterochromaffinen Zellen (EC-Zellen) abgeleitet und im Pankreas sowie Magen nach deren Mutterzelle benannt (z.B. Insulinom, VIPom, Gastrinom, ECL-Zell-Tumor, etc.)

Meist entstehen die NET in der Submukosa. Wie bei anderen epithelialen Tumoren kann es auch hier zu Metastasierungen kommen. Das häufigste befallene Organ - sowohl lymphogen als auch hämatogen - ist hierbei die Leber. Der Grad der Entartung wird nach Anzahl der Mitosen, sowie nach einem Proliferationsmarker (Ki-67-Index) in 3 Stadien eingeteilt.

5.1 Histopathologie

Morphologisch-pathologisch imponiert das klassische Karzinoid durch eine gelbliche-weiße Schnittfläche und eine Infiltration der Muscularis propria. Mikroskopisch finden sich lobulär-solide Ansammlungen von hellen, feingranulierten Zellen.

Bei Serotonin-produzierenden Tumoren ist die Silberfärbung wegweisend, weswegen diese auch argentophil bezeichnet werden. Um die Tumorzellen findet man fibröses Stroma.

Es gibt aber auch nicht-aktive bzw. nichtfunktionelle NET, die normalerweise keine Sekretion zeigen. Zu diesen gehören die häufigen NET des Pankreas, die seltenen NET des Kolons, sowie die häufigen NET des Rektums. Im Pankreas wird eine evtl. erhöhte Sekretion von pankreatischen Polypeptiden diskutiert und ist Gegenstand der Forschung.

6 Karzinoidtumoren der Lunge

Bei den Karzinoidtumoren der Lunge unterscheidet man zum einen zwischen typischen und atypischen und zum anderen zwischen zentralen und peripheren Tumoren. Der Hauptunterschied zwischen den typischen und atypischen Formen liegt in der Mitoserate. Atypische Karzinoide mitosieren sehr oft, während die typischen Karzinoide eine niedrige Mitoserate aufweisen.

Zentrale Karzinoide (80%) kommen weitgehend häufiger vor als periphere (20%).

Eine Sonderform eines peripheren Lungenkarzinoids bezeichnet man als "Tumorlet". Es sind ca. 1 mm große, solide Zellansammlungen, die stark Grimelius-positiv sind und verschiedene Hormone produzieren.

7 Klinik

Die Symptome treten bei Karzinoiden durch die Bildung von (Neuro-)Hormonen auf, u. a. Serotonin, Substanz P, Kinine. Nicht selten treten die Beschwerden erst in Folge von Lebermetastasen auf (fehlender First-Pass-Effekt des sezernierten Serotonins in der Leber), die durch folgende Symptome charakterisiert sind:

  • Flush (plötzliche blau-rote Verfärbung des Gesichtes, Halses sowie Oberkörpers) und/oder
  • Diarrhoe

Weiterhin kann es zu Bronchokonstriktion/Asthmaanfällen, Hitzewallungen sowie Tachykardie kommen.

Typische Auslöser sind:

Bei chronischer Exposition des (vor allem rechtsventrikulären) Endokards mit Serotonin kann es zu einer Endokardfibrose mit Trikuspidalklappeninsuffizienz und Pulmonalstenose kommen. Dieser Symptomkomplex wird auch als Hedinger-Syndrom bezeichnet.

8 Diagnostik

Serologisch kann ein erhöhter Chromogranin A und Serotoninspiegel nachgewiesen werden. Das Serotonin-Abbaubrodukt 5-Hydroxyindolessigsäure (5-HIES) wird im 24-Stunden-Urin nachgewiesen.

Als weitere diagnostische Methoden zur Identifizierung des Primärtumors bzw. der Metastasen dienen die gängigen Verfahren (Sonographie, CT, Endoskopie). Darüber hinaus können die für Karzinoide spezifische Somatostatin-Rezeptorszintigraphie, Octreotid-Szintigraphie oder der PET-CT in Betracht gezogen werden.

8.1 Immunhistochemie

Karzinoide lassen sich mittels Zytokeratin-, Chromogranin- oder Serotonin-Anfärbung sowie Grimelius-Versilberung immunhistochemisch nachweisen.

9 Therapie

Karzinoidtumore und einzelne Metastasen werden in der Regel operativ entfernt. Bei multiplen Metastasen wird eine Chemotherapie empfohlen, auch wenn nur ein Drittel der Patienten eine (teilweise) Tumorregression zeigt.

Bei Somatostatin-Rezeptor-bildenden Karzinoid-Zellen kann Octreotid, ein Somatostatin-Analogon, das Tumorwachstum nachweislich hemmen.

Auch ein rekombinantes Interferon-alpha (IFN-α) kann eingesetzt werden, was zu einer stärkeren Immunabwehr gegen den Tumor führt.

Bei Knochenmetastasen kann eine Strahlentherapie in Betracht gezogen werden.

Bei Lebermetastasen wird durch eine Embolisation (TACE) versucht, die Durchblutung der Metastasen zu unterbinden und diese zu zerstören, oder in ihrem Wachstum zu hemmen.

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