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Hyperthyreose (Katze)

Synonym: Schilddrüsenüberfunktion
Englisch: hyperthyroidism

1 Definition

Als Hyperthyreose bezeichnet man eine Überfunktion der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) mit daraus resultierender Stoffwechselentgleisung bei der Katze.

Das Gegenteil der Hyperthyreose ist die deutlich seltener vorkommende Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion).

2 Epidemiologie

Die Hyperthyreose ist die häufigste Endokrinopathie bei Katzen. Die Erkrankung tritt gehäuft bei älteren Katzen (> 10 Jahre) auf und betrifft rund 10 % aller Tiere.[1]

3 Ätiologie

Feline Hyperthyreosen entstehen meist aufgrund Adenome oder Hyperplasien eines - häufiger aber beider - Schilddrüsenlappen. Im Gegensatz dazu kommen T4-produzierende Schilddrüsenkarzinome deutlich seltener vor.

Die Ätiologie ist noch weitgehend ungeklärt. Es stehen verschiedene Hypothesen zur Diskussion, u.a. Umweltfaktoren (z.B. Isoflavone, Polyphenole, polychlorierte Biphenyle), die Verwendung bestimmter Katzenstreu, Ernährungsgewohnheiten (z.B. Verfütterung von Dosenfutter) und die vermehrte Exposition mit Antiparasitika.[2] Autoantikörper, wie sie beim Menschen mit Morbus Basedow beschrieben sind, scheinen bei Katzen keine bedeutende Rolle zu spielen.

4 Klinik

Die Erkrankung kommt v.a. bei älteren Katzen vor, jüngere Tiere sind selten betroffen. Da die in den Schilddrüsen produzierten Hormone praktisch alle Organsysteme beeinflussen, sind die Symptome entsprechend vielfältig. Die Leitsymptome in absteigender Reihenfolge sind:[3]

Bei der klinischen Untersuchung kann bei den meisten Katzen eine vergrößerte Schilddrüse palpiert werden. Die Tiere sind mager bis kachektisch, hyperaktiv und bei der Auskultation fallen eine ausgeprägte Tachykardie, ein Galopprhythmus und ein systolisches Herzgeräusch (Grad 1-3/6) auf.[4] Als Ursache des Herzgeräusches gilt eine funktionelle Obstruktion des linken oder rechten Ausflusstrakts. Beim Herzultraschall können linksventrikuläre Hypertrophie, eine Verdickung des Ventrikelseptums, eine Dilatation des linken Atriums und Ventrikels sowie myokardiale Hyperkontraktilität festgestellt werden.

Zu den typischen Veränderungen im Blutbild gehören eine Erhöhung der Leberenzyme (ALT, AST, ALP), bei oftmals erniedrigter Fructosaminkonzentration. Bei rund 20 % der betroffenen Tiere ist eine milde Azotämie ausgebildet und 70 % zeigen Proteinurie. Der erhöhte Gehalt an harnpflichtigen Stoffen kommt daher, dass bei den meisten Tieren dieser Altersklasse gleichzeitig auch eine Nierenerkrankung vorliegt. Bei Katzen ohne gleichzeitige Beeinträchtigung der Nieren ist die Serumkreatininkonzentration hingegen deutlich niedriger und die Phosphatkonzentration höher - verglichen mit gleichaltrigen Katzen (aufgrund erhöhter glomerulärer Filtrationsrate im hyperthyreoten Zustand).

5 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch sind folgende Erkrankungen auszuschließen:

6 Diagnose

Sowohl die Anamnese als auch die klinische Untersuchung führen zu einer ersten Verdachtsdiagnose. Zur Bestätigung sind weiterführende labordiagnostische und bildgebende Untersuchungen notwendig.

6.1 Testverfahren

Folgende Testverfahren stehen zur Verfügung und können beim Verdacht durchgeführt werden:

Die einzelnen Testverfahren zeigen unterschiedliche Sensitivitäten und Spezifitäten, die bei den jeweiligen Messungen berücksichtigt werden müssen:[5]

  • Sensitivität: fT4 > TT3 > TT3
  • Spezifität: TT4, TT3 > fT4

Aufgrund der geringen Sensitivität ergibt die Messung der totalen T3-Konzentration (TT3) keinen wirklichen Nutzen. Die Detektion der totalen T4-Konzentration (TT4) erwies sich als ein kostengünstiger und guter Screening-Test, der bei unklaren oder milden Fällen mit einer Messung des freien T4 (fT4) unterstützt werden soll.

6.2 Diagnoseplan

Beim Verdacht einer Hyperthyreose sollte initial eine Messung der totalen T4-Konzentration (TT4) durchgeführt werden. Bei erhöhten Werten und dem Vorliegen typischer klinischer Symptome (Alter, Gewichtsverlust, Polyphage, PU/PD) ist die Diagnose zu bestätigen.

Liegt die TT4-Konzentration trotz passender Klinik im Normalbereich, sind mögliche Begleiterkrankungen (Morbus Cushing, Diabetes mellitus) abzuklären und zu behandeln. Anschließend ist eine erneute TT4-Messung durchzuführen. Bei erhöhten Werten kann die Diagnose Hyperthyreose gesichert werden. Liegt die TT4-Konzentration im oberen Drittel des Referenzbereichs, so kann durch die zusätzliche Messung des freien T4 (fT4) eine Erkrankung ausgeschlossen oder bestätigt werden. Bei einer hohen fT4-Konzentration muss von einer Hyperthyreose ausgegangen werden. Bei normalen bis niedrigen fT4-Konzentrationen (untere Zweidrittel des Referenzbereichs) ist eine Erkrankung unwahrscheinlich.

7 Therapie

Die Therapie einer Hyperthyreose gestaltet sich ebenso umfangreich wie die Diagnose und muss anhand der Klinik, des Kostenrahmens und der Compliance der Besitzer ausgewählt werden.

7.1 Therapiemöglichkeiten

Die Therapie richtet sich nach der Anzahl der aktiven Knoten. Bei einem einzelnen Knoten kann zwischen Operation (Thyreoidektomie), Ethanolinjektion, Hitzeablation, Medikamenten, Radiojodtherapie und Ernährung bzw. Kombinationen mehrerer Maßnahmen ausgewählt werden. Liegen zwei oder mehrere Knoten vor, so besteht die Möglichkeit einer medikamentösen oder Radiojod-gestützten Therapie.

7.2 Therapieplan

Bei der medikamentösen Therapie stehen verschiedene, bei der Katze zugelassene Wirkstoffe zur Verfügung, z.B. Methimazol (Thiamazol) oder Carbimazol. Bei der Gabe von Methimazol empfiehlt es sich, die Therapie mit einer Gabe von 2,5 mg zweimal täglich über drei Wochen hinweg zu starten. Anschließend sollte eine TT4-Kontrollmessung durchgeführt werden, um den Therapieerfolg zu überprüfen. Hierbei empfiehlt sich folgendes Schema:

Hormon Referenzwert neuer Plan
TT4 < Norm 2,5 mg SID
TT4 Norm Dosis halten (evtl. 5 mg SID)
TT4 ≥ Norm Dosis halten, Kontrolle in 3 Wochen
TT4 > Norm morgens 5 mg, abends 2,5 mg

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Literatur

  • Vera Schmidt, Marian C. Horzinek (Begründer), Hans Lutz, Barbara Kohn, Franck Forterre (Herausgeber). Krankheiten der Katze. 5., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2015.
  • Prof. Dr.med.vet., PhD, Dr. habil. Iwan A. Burgener, DACVIM, DECVIM-CA. Feline Hyperthyreose. Konversatorium Endokrinologie, WS 2018/2019.

9 Quellen

  1. Peterson M. Hyperthyroidism in cats: what's causing this epidemic of thyroid disease and can we prevent it? J Feline Med Surg. 2012 Nov;14(11):804-18. (abgerufen am 23.12.2019)
  2. Köhler I. et al. Prevalence of and risk factors for feline hyperthyroidism among a clinic population in Southern Germany. Tierarztl Prax Ausg K Kleintiere Heimtiere. 2016 Jun 16;44(3):149-57. (abgerufen am 23.12.2019)
  3. Hazel C Carney et al. 2016 AAFP Guidelines for the Management of Feline Hyperthyroidism Journal of Feline Medicine and Surgery (2016) 18, 400–416 (abgerufen am 23.12.2019)
  4. Mark E Peterson. MORE THAN JUST T4. Diagnostic testing forhyperthyroidism in cats Journal of Feline Medicine and Surgery (2013) 15, 765–777 (abgerufen am 23.12.2019)
  5. Peterson ME et al. Evaluation of Serum Thyroid-Stimulating Hormone Concentration as a Diagnostic Test for Hyperthyroidism in Cats. J Vet Intern Med. 2015 Sep-Oct;29(5):1327-34. (abgerufen am 23.12.2019)

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Dezember 2019 um 15:59 Uhr bearbeitet.

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