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Weibliche Genitalverstümmelung

(Weitergeleitet von Female Genital Mutiliation)

Synonym: weibliche Beschneidung
Englisch: female genital mutiliation, FGM

1 Definition

Unter der weiblichen Genitalverstümmelung, kurz FGM, versteht man einen tätlichen, nicht-medizinischen Eingriff des äußeren weiblichen Genitales, der zu einer Verletzung, Entfernung oder irreversiblen Veränderung der Vulva führt. Diese Veränderungen sind oft mit einem partiellen oder vollständigen Funktionsverlust des Organs assoziiert.

2 Hintergrund

In einigen Kulturen bzw. Ländern gehört die FGM als fester Bestandteil zur Tradition. Dabei entscheidet diese schmerzhafte Prozedur über das Ansehen der betroffenen Frau und ihrer Familie und deren weiteren Lebensweg. Das Ritual kann in unterschiedlichen Lebensabschnitten vom Säuglings-, Kindes- bis in das Erwachsenenalter durchgeführt werden. Auf diesem Grund wissen einige Frauen nicht, dass sie betroffen sind.

Innerhalb der EU wird die Beschneidung des weiblichen Genitals als schwere Körperverletzung geahndet.

3 Verbreitung

Nach Schätzungen des UNICEF (Kinderhilfswerk der UN) sind weltweit mehr als 200 Millionen Mädchen und Frauen betroffen. Die Genitalverstümmelung ist vor allem im nördlichen Afrika verbreitet. Beispielsweise zählen Ägypten, Somalia, Erithrea, Sudan, Gambia und Sierra Leone zu den Ländern mit einer hohen Prävalenz. Auch aus einigen asiatischen Ländern (z.B. Indonesien, Kurdistan im Irak) und einzelnen Ethnien in Südamerika ist eine Praktizierung der FGM bekannt. In Europa steigt die Zahl betroffener Frauen und Mädchen, was mit einer vermehrten Zuwanderung aus den jeweiligen Ländern zusammenhängt.

In westlichen Ländern wurde weibliche Genitalverstümmelung in Form der Klitoriedektomie bis zum Beginn des 20. Jahrhundert zur Therapie der Selbstbefriedigung und der weiblichen Hysterie praktiziert.

4 WHO-Klassifikation

Man unterscheidet folgende, durch die WHO definierte Typen der weiblichen Beschneidung:

  • Typ I (sunnitische Beschneidung): Entfernung der Klitorisvorhaut mit oder ohne Entfernung der Klitoris
  • Typ II: Entfernung der inneren Schamlippen mit oder ohne Entfernung der Klitoris
    • Typ IIa: Entfernung der Labia minora
    • Typ IIb: partielle oder totale Entfernung der Klitoris mit Entfernung der Labia minora
    • Typ IIc: partielle oder totale Entfernung der Klitoris mit Entfernung der Labia minora und majora
  • Typ III (pharaonische Beschneidung): Teilweise oder vollständige Entfernung der Schamlippen, Klitoris und Klitorisvorhaut, mit Vernähen der großen Schamlippen (Infibulation) und damit Verengung bzw. Verschließung der vaginalen Öffnung
    • Typ IIIa: Entfernung der Labia minora mit oder ohne Entfernung der Klitoris
    • Typ IIIb: Entfernung der Labia minora und majora, mit oder ohne Entfernung der Klitoris
  • Typ IV: andere Formen medizinisch nicht notwendiger Eingriffe der äußeren oder inneren Genitale, z.B. Piercing, Einschnitt oder Einriss der Klitoris, Verätzung, Durchstechung, Verödung

5 Komplikationen

Psychische und somatische Folgen der Genitalverstümmelung sind häufig:

5.1 Akute Komplikationen

5.2 Chronische Komplikationen

6 Schwangerschaft und Geburt

Die Infibulation (Typ III) ist keine absolute Indikation für einen Kaiserschnitt. Eine Defibulation kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt werden, um eine vaginale Geburt zu ermöglichen:

Im ersten Trimenon sollte aufgrund eines erhöhten Abortrisikos keine Defibulation durchgeführt werden.

7 Ärztliche Gesprächsführung

7.1 Wortwahl

Der Begriff "Verstümmelung" beschreibt im fachlichen und offiziellen Kontext die irreversible Verletzung des Genitales treffender als der Begriff "Beschneidung". Jedoch sollte eine bewusste und einfühlsame Wortwahl im Umgang mit Betroffenen gewählt werden, um eine Stigmatisierung oder emotionale Verletzung der Patientinnen zu vermeiden. In dem Zusammenhang sind Begriffe wie "Beschneidung", "Exzision" oder "Zirkumzision" zu bevorzugen. Zudem bietet es sich an, sich im Arzt-Patientinnen-Gespräch an die Wortwahl der Patientin anzupassen.

7.2 Interkulturelle Anamnese

Die Untersuchung und das Gespräch sollten möglichst von einer weiblichen Person durchgeführt werden. Es ist auf einen respektvollen, bewertungsfreien Umgang zu achten. Ein Anamnesegespräch ohne Zeitdruck erleichtert den Aufbau einer Vertrauensbasis. Betroffene, die über den Fluchtweg nach Europa gekommen sind, haben möglicherweise weitere Formen der Sexualgewalt erlitten. Eine Unterstützung durch sozialpsychologische Fachberatungsstellen erweist sich dann unter Umständen als hilfreich.

8 Weblinks

Diese Seite wurde zuletzt am 9. Juli 2021 um 13:48 Uhr bearbeitet.

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