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Bakterielle Vaginose

(Weitergeleitet von Vaginose)

Synonyme: Anaerobiervaginose, Gardnerella-Vaginitis; unspezifische Kolpitis, Aminkolpitis, BV
Englisch: bacterial vaginosis

1 Definition

Als bakterielle Vaginose, kurz BV, früher Aminkolpitis genannt, beschreibt eine atypische Besiedlung der Vaginalflora mit Vermehrung anaerober Bakterien bei gleichzeitiger Reduktion der Laktobazillen. Vorstufe der BV ist die vaginale Dysbiose. Die Erkrankung wird durch Geschlechtsverkehr begünstigt und von manchen Autoren zur Gruppe der Sexually Transmitted Diseases (STD) gezählt.

  • ICD-10-Code: N76.0 (akut) und N76.1 (subakut und chronisch)

2 Epidemiologie

Mit einem Anteil von etwa 5-8% im unselektierten Patientengut ist die bakterielle Vaginose eine der häufigsten Vaginalerkrankungen. Während der Schwangerschaft können 10-20% der Frauen betroffen sein.

3 Pathophysiologie

Die vaginale Normalflora wird v.a. von Döderlein-Stäbchen (Symbionten) dominiert, die für ein saures Milieu (pH < 4,5) sorgen. Auch andere Bakterien kommen physiologischerweise in geringer Zahl vor, z.B. B-Streptokokken, Escherichia coli, Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae oder Eubacterium-Spezies.

Durch übertriebene Vaginal-Hygiene (Vaginaldusche), Antibiotika, Fremdkörper, häufigen Geschlechtsverkehr etc. kann das natürliche Milieu gestört werden. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von Döderlein-Stäbchen und der übrigen Flora, die dann einen hartnäckigen Biofilm an der Vaginalwand bilden kann. Auch Schwangerschaft, Geburt und operative Eingriffe (Episiotomie, Laparotomie, usw.) können das Anaerobierwachstum begünstigen.

Ein wichtiger Leitkeim ist dabei Gardnerella vaginalis, ein grampositives, unbewegliches, kurzes Stäbchenbakterium. Durch synergistische Förderung des Stoffwechsels gramnegativer, obligater Anaerobier, kommt es zum pathologischen Fluor vaginalis.

4 Symptomatik

Häufig bleibt eine bakterielle Vaginose asymptomatisch. Ca. 50% der Patientinnen sind beschwerdefrei. Es kommt jedoch durch die pH-Änderung und die Vermehrung der Anaerobier zu vermehrtem Fluor mit nach Fisch riechendem Amingeruch. Ferner kann ein unangenehmes Nässegefühl entstehen.

Der grau-weißliche, dünnflüssige Fluor und der damit verbundene Geruch stehen in der Regel als einzige Symptome im Vordergrund. Im Gegensatz zu anderen Kolpitiden, klagen die Patientinnen selten über Juckreiz oder Rötungen. Die Leistenlymphknoten sind nur sehr selten geschwollen.

Die bakterielle Vaginose ist die häufigste Ursache für eine Vaginitis. Von ihr spricht man jedoch erst, wenn die anaeroben Bakterien in sehr hoher Zahl vorliegen.

5 Diagnostik

Zur Diagnostik einer bakteriellen Vaginose wird vom Gynäkologen eine vaginale Infektionsdiagnostik durchgeführt.

Zur besseren Beurteilung des Geruchs des Fluors kann der Amintest durchgeführt werden. Durch Aufträufeln von 1-2 Tropfen 10%iger Kalilauge intensiviert sich der Fischgeruch des Vaginalsekretes.

Anhand der Amsel-Kriterien wird ermittelt, ob eine bakterielle Vaginose vorliegt. Diese sind erfüllt, wenn drei der folgenden vier Punkte zutreffen:

5.1 pH-Messung

Der pH-Wert kann ganz unkompliziert mit Hilfe einer Pinzette und einem pH-Indikatorstreifen aus dem mittleren Scheidendrittel bestimmt werden.

5.2 Zytologische Untersuchung

Im Phasenkontrastmikroskop lässt sich der zytologische Nachweis führen. Sowohl im Nativpräparat, als auch in der Methylenblaufärbung finden sich vaginale Epithelzellen, die bei der bakteriellen Vaginose meist mit Bakterien besetzt sind ("Bakterienrasen"). Sie werden Clue cells genannt. Die Menge der Anaerobier wird beurteilt. Weiterhin wird mikroskopisch nach anderen Keimen wie Trichomonaden, Candida oder Mykoplasmen gesucht. Häufig liegt eine Mischinfektion vor.

5.3 Mikrobiologische Untersuchung

Der kulturelle Nachweis ist in besonderen Fällen mit hartnäckigen Rezidiven indiziert. Gardnerella vaginalis ist dabei ein möglicher Marker der Erkrankung, der aber nicht zuverlässig ist, da das Bakterium auch in der gesunden Scheide nachgewiesen werden kann.

6 Therapie

Da eine Aszension der Keime von der Vagina in den oberen Genitaltrakt möglich ist und zu einer schweren Infektion des oberen Genitaltraktes führen kann, ist in der Regel immer eine Therapie der bakteriellen Vaginose indiziert.

Goldstandard der medikamentösen Therapie der bakteriellen Vaginose ist die Gabe des Antibiotikums Metronidazol, da es sehr gut gegen Anaerobier wirkt. Amoxicillin oder Clindamycin können alternativ verordnet werden.

Bei oraler Applikation können bis zu 90% der Infektionen erfolgreich behandelt werden. Die topische Therapie mit Metronidazol-Vaginaltabletten ist ebenfalls möglich.

Als nicht-antibiotische Verfahren, können Behandlungen mit Milchsäurepräparaten, Vaginalzäpfchen mit Lactobazillen oder Vitamin C versucht werden. Weiterhin kann das Antiseptikum Dequaliniumchlorid als Vaginaltablette als mögliche Therapieoption verordnet werden.

In der Schwangerschaft erfolgt die Therapie vor 15 Schwangerschaftswochen mit Clindamycin; oral 2 x 300 mg/Tag über 7 Tage bzw. topisch mit Clindamycin-Creme. Nach 15 Schwangerschaftswochen kann Metronidazol appliziert werden. Dequaliniumchlorid kann lokal auch während der Schwangerschaft und Stillzeit angewendet werden, sollte die klinische Notwendigkeit bestehen.

7 Literatur

  • Mendling W: Diagnostik und Therapie beim Symptom Fluor. Frauenarzt 2018; 59: 120-8
  • Gätje R, Eberle C et al.: Kurzlehrbuch Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage, 2015. Thieme Verlag

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