Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Dammriss

Synonym: Scheidendammriss
Englisch: perineal tear, perineal laceration

1 Definition

Der Dammriss ist eine mütterliche Weichteilverletzung im Bereich des Perineums zwischen Vulva und After mit Riss der Vaginalschleimhaut und anderer Gewebeschichten, die während der Geburt entsteht.

2 Schweregrade

Man unterteilt folgende Schweregrade:

  • Dammriss 1. Grades: Reine Verletzung der Haut des Dammes, meist an der hinteren Kommissur (Commissura labiorum posterior) lokalisiert.
  • Dammriss 2. Grades: Neben der oberflächlichen Hautverletzung ist auch die oberflächliche Dammmuskulatur betroffen. Der Musculus sphincter ani externus bleibt intakt.
  • Dammriss 3. Grades: Bei dieser tiefen Verletzung ist auch der Musculus sphincter ani externus betroffen und teilweise oder vollständig durchtrennt.
  • Dammriss 4. Grades: Hierbei handelt sich um einen Dammriss 3. Grades unter Mitbeteiligung der Rektumvorderwand.

Abgesehen von der Episiotomie, stellt der Dammriss die häufigste Geburtsverletzung dar.

3 Ätiologie

Die Ursachen, die zum Einreissen des Dammes führen, sind:

  • Mißverhältnis zwischen der Kopfgröße des Kindes und der Größe des Scheidenausgangs
  • unzureichender Dammschutz
  • unzureichende Vordehnung des Dammes durch den vorangehenden Teil des Kindes bei forcierter Kindsentwicklung z.B. bei Asphyxiegefahr
  • operative vaginale Entbindungen
  • unzureichend große Episiotomie

4 Symptomatik und Diagnostik

Der Dammriss ist eine Blickdiagnose. Schmerzen und Blutung sind die Hauptsymptome. Durch die rektale Untersuchung wird eine Darmverletzung ausgeschlossen.

5 Prävention

Da sich die Elastizität des Dammgewebes durch konservative Maßnahmen nur unzureichend beeinflussen lässt (z.B. durch Dammmassagen, Kompressen oder Geburtsgele), ist der Dammschnitt (Episiotomie) die wichtigste Präventivmaßnahme. Seine Anwendung erfolgt jedoch nicht routinemäßig, weil in vielen Fällen das spontane, "kontrollierte" Einreißen des Damms eine schonendere Alternative zum Dammschnitt ist. Die Episiotomie wird heute vor allem eingesetzt, wenn es die Gesundheit des Neugeborenen erfordert, z.B. zur Verkürzung der Austreibungsphase bei kindlichen Notlagen oder bei Frühgeburten.

6 Therapie

Erst- und zweitgradige Dammrisse können direkt chirurgisch unter Lokalanästhesie durch Nähte versorgt werden. Bei Rissen des Schweregrades 3 und 4 müssen zuerst der Musculus sphincter ani externus bzw. der Darm versorgt werden, erst dann kann der Damm selbst genäht werden.

Die chirurgische Versorgung eines Dammriss war im Jahr 2016 der am häufigsten durchgeführte operative Eingriff in Deutschland.

7 Prognose

In der Regel verheilen Dammrisse gut. Bei fachgerechter Versorgung, guter Hygiene und körperlicher Schonung im Wochenbett sind stärkere Blutungen oder Entzündungen sowie daraus folgende Sekundärheilungen selten.

Tags: ,

Fachgebiete: Gynäkologie

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

8 Wertungen (3.75 ø)

37.055 Aufrufe

Du hast eine Frage zum Flexikon?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: