Fascia-iliaca-Block
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Synonyme: Fascia-iliaca-Kompartmentblock, FICB, Fascia-iliaca-Blockade
Englisch: fascia iliaca compartment block, fascia iliaca block
Definition
Der Fascia-iliaca-Block, kurz FICB (vom englischen fascia iliaca compartment block), ist ein Regionalanästhesieverfahren zur Analgesie von Hüfte und Oberschenkel. Dabei wird ein Lokalanästhetikum unter die Fascia iliaca injiziert. Von dort breitet es sich zum Nervus femoralis, zum Nervus cutaneus femoris lateralis und weniger zuverlässig zum Nervus obturatorius aus.
Hintergrund
Der Fascia-iliaca-Block wurde 1989 von Dalens et al. bei Kindern als Alternative zum 3-in-1-Block beschrieben. Ursprünglich wurde er ohne Ultraschall mit einer Widerstandsverlust-Technik durchgeführt, heute erfolgt die Punktion meist ultraschallgesteuert. 2011 wurde zusätzlich ein suprainguinaler Zugang beschrieben, bei dem das Lokalanästhetikum oberhalb des Ligamentum inguinale direkt in die Fossa iliaca injiziert wird. Der Fascia-iliaca-Block ist ein volumenabhängiger Block.
Indikationen
Der Fascia-iliaca-Block wird insbesondere in folgenden Situationen zur Analgesie eingesetzt:
- Analgesie bei hüftgelenknahen Femurfrakturen (z.B. Schenkelhalsfraktur), u.a. präoperativ, in der Notaufnahme und zur schmerzarmen Lagerung für eine Spinalanästhesie
- postoperative Analgesie nach Eingriffen an der Hüfte, z.B. nach Implantation einer Hüfttotalendoprothese (Hüft-TEP) oder nach Hüftarthroskopie
Bei pertrochantären Oberschenkelfrakturen sollten nach der S3-Leitlinie EvidenT-HiP periphere Nervenblöcke, zu denen der Fascia-iliaca-Block zählt, nach Übernahme in den klinischen Bereich durch geschultes Personal eingesetzt werden, wenn die medikamentöse Analgesie keine ausreichende Schmerzlinderung erzielt und keine Kontraindikationen bestehen.[1]
Vorgehen
Während und nach dem Fascia-iliaca-Block ist eine Überwachung auf Zeichen einer Lokalanästhetika-Intoxikation und auf verstärkte Sedierung nach vorausgegangener Opioidgabe erforderlich. Notfallausrüstung und eine Lipidemulsion zur Behandlung einer systemischen Lokalanästhetika-Toxizität müssen unmittelbar verfügbar sein.[2]
Der Patient befindet sich in Rückenlage. Man unterscheidet einen infrainguinalen und einen suprainguinalen Zugang. Für beide Zugänge werden größere Volumina benötigt (häufig 30 bis 40 ml verdünntes Lokalanästhetikum, z.B. Ropivacain).[2][3]
Infrainguinaler Zugang
Der infrainguinale Zugang erfolgt in folgenden Schritten:
- die Einstichstelle liegt etwa 1 cm unterhalb der Grenze zwischen lateralem und mittlerem Drittel einer gedachten Linie zwischen Spina iliaca anterior superior und Tuberculum pubicum
- ohne Ultraschall werden zwei Widerstandsverluste beim Durchstechen von Fascia lata und Fascia iliaca getastet
- ultraschallgesteuert wird das Lokalanästhetikum unter Sicht unter die Fascia iliaca injiziert
Suprainguinaler Zugang
Der suprainguinale Zugang erfolgt in folgenden Schritten:
- die Punktionsstelle wird mit Desinfektionsmittel abgewaschen und steril abgedeckt
- im Bereich der Einstichstelle erfolgt eine Lokalanästhesie
- der Linearschallkopf wird medial der Spina iliaca anterior superior längs (sagittal) aufgesetzt
- im Ultraschallbild werden der Musculus iliacus mit der darüberliegenden Fascia iliaca sowie der Musculus sartorius und der Musculus obliquus internus abdominis dargestellt (sog. Fliege, engl. bow tie sign)
- als Orientierung dient die Arteria circumflexa ilium profunda zwischen Musculus obliquus internus abdominis und Fascia iliaca
- die Kanüle wird in In-Plane-Technik von kaudal nach kranial unter die Fascia iliaca vorgeschoben
- nach negativer Aspiration wird das Lokalanästhetikum fraktioniert injiziert, dabei hebt sich die Fascia iliaca vom Musculus iliacus ab
Vorteile und Nachteile
Vorteile des Fascia-iliaca-Blocks sind die einfache Technik, die gute Eignung für die Akutanalgesie bei hüftnahen Frakturen und der opioid-sparende Effekt; der Block gilt als rasch durchführbar und klinisch sicher.[4][5] Praktische Grenzen sind der hohe Volumenbedarf sowie die variablere und unvollständige Abdeckung insbesondere des Nervus obturatorius, weshalb die Analgesie nicht immer vollständig ist.[6][4] Als Nachteil kann zudem eine motorische Mitbeteiligung mit Schwäche des Musculus quadriceps femoris auftreten, was die Sturzgefahr erhöht.[6]
Komplikationen
Mögliche Komplikationen sind:
- Schwäche des Musculus quadriceps femoris (Sturzgefahr)
- Blockversagen
- Gefäßpunktion, Hämatom
- Lokalanästhetika-Intoxikation (selten)
- Infektion
- Nervenverletzung (selten)
Kontraindikationen
Kontraindikationen für den Fascia-iliaca-Block sind:
- Ablehnung durch den Patienten
- Infektion im Bereich der Punktionsstelle
- Allergie gegen Lokalanästhetika
- relative Kontraindikation: Gerinnungsstörungen
siehe auch: PENG-Block, Femoralisblock
Literatur
- Dalens B, Vanneuville G, Tanguy A. Comparison of the fascia iliaca compartment block with the 3-in-1 block in children. Anesth Analg, 1989
- Hebbard P, Ivanusic J, Sha S. Ultrasound-guided supra-inguinal fascia iliaca block: a cadaveric evaluation of a novel approach. Anaesthesia, 2011
- Steenberg J, Møller AM. Systematic review of the effects of fascia iliaca compartment block on hip fracture patients before operation. Br J Anaesth, 2018
Quellen
- ↑ DGOU: S3-Leitlinie Evidenzbasierte interdisziplinäre Therapie hüftgelenknaher, pertrochantärer Oberschenkelfrakturen (EvidenT-HiP), AWMF-Registernummer 187-009, Version 5.1, Stand 01.02.2026, abgerufen am 17.10.2026
- ↑ 2,0 2,1 Royal College of Emergency Medicine: Fascia Iliaca Block in the Emergency Department, Best Practice Guideline, Oktober 2025, abgerufen am 17.10.2026
- ↑ Amato und Thames, How I Do It: Suprainguinal Fascia Iliaca Block, ASRA News, 2020
- ↑ 4,0 4,1 Fascia Iliaca Compartment Block for Hip Fractures, PMC, 2021, abgerufen am 17.10.2026
- ↑ Fascia iliaca block, Agency for Clinical Innovation, abgerufen am 17.10.2026
- ↑ 6,0 6,1 Fascia iliaca compartment block: A narrative review, PMC, 2026, abgerufen am 17.10.2026