Chromhidrose
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Loslegenvon altgriechisch: χρῶμα ("chroma") – Farbe; ἱδρώς ("hidros") – Schweiß
Synonyme: Chromhidrosis, farbiger Schweiß
Englisch: chromhidrosis
Definition
Die Chromhidrose ist eine seltene Erkrankung der Schweißdrüsen, bei der Schweiß in umschriebenen Hautarealen farbig erscheint. Betroffen sind bevorzugt die axilläre Region sowie das Gesicht.[1]
Einteilung
Ätiologie
Apokrine Chromhidrose
Die apokrine Chromhidrose beginnt in der Regel mit der Aktivierung der apokrinen Drüsen in der Pubertät. Ursache der Verfärbung ist eine erhöhte Konzentration von Lipofuszin bzw. ein gesteigerter Oxidationsgrad des Lipofuszins in den Drüsenzellen. Je nach Oxidationsstufe färbt sich das Drüsensekret gelb, grün, blau oder schwarz.[1]
Ekkrine Chromhidrose
Die ekkrine Chromhidrose entsteht durch die systemische Aufnahme wasserlöslicher Chromogene. Dazu zählen Farbstoffe sowie bestimmte Medikamente, z.B. Chininderivate (gelblicher Schweiß) oder Minocyclin (blau-schwarzer Schweiß).[2] Eine seltene Ursache ist die sekundäre Hyperbilirubinämie mit signifikant erhöhtem Bilirubin in Kombination mit Fieber und Gelbsucht.[3]
Pseudochromhidrose
Bei der Pseudochromhidrose ist der produzierte Schweiß selbst farblos und verfärbt sich erst durch Kontakt mit einem externen Chromogen auf der Hautoberfläche. Auslöser können Farbstoffe, Färbemittel, Pilze oder chromogene Bakterien sein, darunter insbesondere Corynebacterium spp., Pseudomonas spp. und Chromobacterium violaceum.[4]
Symptome
Klinisch zeigt sich eine sicht- und teilweise auch geruchsauffällige Verfärbung des Schweißes. Die apokrine Form manifestiert sich vorwiegend in den Achselhöhlen, der Mamillenregion sowie im Gesicht. Die Verfärbung kann durch Wärme, Stress, körperliche Aktivität oder Druck auf die betroffenen Areale ausgelöst oder verstärkt werden. Bei der Pseudochromhidrose sind die Fleckverfärbungen auf der Haut nach Reinigung vorübergehend reversibel.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Die Diagnose wird in erster Linie klinisch gestellt. Bei Verdacht auf Pseudochromhidrose kann die vorübergehende Beseitigung der Verfärbung durch Reinigung der Haut (z.B. mit Alkohol) diagnostisch wegweisend sein. Die Wood-Lampe-Untersuchung wird bei chromogener Beteiligung von Bakterien (z.B. Fluoreszenz bei Pseudomonas) unterstützend eingesetzt.[2]
Mikrobiologische Diagnostik
Bei Verdacht auf Pseudochromhidrose bakterieller Genese wird ein Abstrich zur mikrobiologischen Kultur entnommen, um den auslösenden Erreger zu identifizieren und eine gezielte antibiotische Therapie einzuleiten.[4]
Histologie
Eine Biopsie der betroffenen apokrinen Drüsen zeigt in der Histologie lipofuszingranulathaltiges Sekret und wird zur Sicherung der Diagnose bei der apokrinen Form herangezogen.
Differentialdiagnosen
- Hämhidrose: blutig-roter Schweiß durch Austritt von Erythrozyten in die Schweißdrüsen
- Urochromidrosis: gelblicher Schweiß bei Niereninsuffizienz durch erhöhte Urochromausscheidung
- Alkaptonurie: Dunkelverfärbung von Haut und Körpersekreten durch Homogentisinsäureakkumulation
- Argyrose: grau-bläuliche Hautverfärbung durch Silberablagerungen
Therapie
Apokrine Chromhidrose
Mittel der Wahl ist die topische Applikation von Capsaicin-haltiger Creme (0,025–0,075 %), das die Sekretion apokriner Drüsen durch Desensibilisierung der C-Fasern vermindert.[2]
Als weitere Option steht Botulinumtoxin Typ A (Off-label) zur intradermalen Injektion in die betroffenen Areale zur Verfügung, das durch Hemmung cholinerg innervierter apokriner Drüsen wirkt.[5] In refraktären Fällen kann eine chirurgische Exzision oder Kürettage der apokrinen Drüsen erwogen werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Ekkrine Chromhidrose
Soweit möglich sollte das auslösende Medikament oder der auslösende Farbstoff abgesetzt bzw. gemieden werden.
Pseudochromhidrose
Die Therapie richtet sich gegen das auslösende Agens. Bei chromogenen Bakterien erfolgt eine erregerspezifische antibiotische Behandlung. Bei Pilzen kommen Antimykotika zum Einsatz. Regelmäßige Hautreinigung reduziert die Verfärbungen symptomatisch.
Prognose
Die Prognose der Chromhidrose ist insgesamt gut. Die apokrine Form verläuft chronisch-rezidivierend und bleibt auf die Haut beschränkt. Unter adäquater Therapie ist bei den meisten Patienten eine deutliche Reduktion der Symptome erreichbar. Die psychosoziale Belastung durch die sichtbaren Verfärbungen kann jedoch erheblich sein und sollte im Therapiegespräch berücksichtigt werden. Die Pseudochromhidrose ist nach Elimination des auslösenden Agens in der Regel vollständig reversibel.[2]
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Wilkes und Nagalli, Chromhidrosis, StatPearls, 2023
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 Kashetsky et al., Characteristics and treatment outcomes in chromhidrosis: A systematic review, J Am Acad Dermatol, 2021
- ↑ So J, Kim RL; Eccrine chromhidrosis secondary to hyperbilirubinemia; Dermatology Online Journal; 2015
- ↑ 4,0 4,1 Madureira Ferraz et al., Blue Pseudochromhidrosis Secondary to Cellulitis Caused by Pseudomonas stutzeri, Cureus, 2026
- ↑ Rajanala et al., Using Neuromodulators for Salivary, Eccrine, and Apocrine Gland Disorders, Dermatol Surg, 2024
Literatur
- Ludwig und Boehncke, Referenz Dermatologie, 1. Auflage, Thieme, 2023