C-Faser
Synonyme: Schmerzfaser, Klasse-IV-Faser
Englisch: group C nerve fiber
Definition
C-Fasern sind langsam leitende, unmyelinisierte Nervenfasern nach der Klassifikation nach Erlanger und Gasser. Sie umfassen postganglionäre viszeroefferente Fasern. Weiterhin dienen sie der afferenten Erregungsleitung - vor allem im Rahmen der Thermozeption und Nozizeption - und werden dabei auch als Klasse-IV-Faser bezeichnet.
Morphologie
C-Fasern haben einen Faserdurchmesser von etwa 0,2 bis 1,5 µm. Im Gegensatz zu vielen anderen Nervenfasern sind sie nicht myelinisiert, d.h. sie weisen keine Markscheide auf. Aus diesem Grund beträgt die Nervenleitgeschwindigkeit weniger als 2 m/s. C-Fasern sind in der Regel in Gruppen angeordnet. Die von einer Schwann-Zelle zusammengefassten Fasern bezeichnet man als Remak-Bündel. Die Dicke der Bündel nimmt von zentral nach peripher ab.
Physiologie
C-Fasern können sowohl der afferenten als auch efferenten Reizweiterleitung dienen. Klassischerweise werden sie mit der Nozizeption (Schmerzwahrnehmung) in Verbindung gebracht. Sie leiten den so genannten "späten" Schmerz, der eine dumpfe Qualität hat und lange andauert. Die freien Enden der Fasern nennt man Nozizeptoren.
Neben ihrer afferenten Funktion sind C-Fasern auch an vegetativen Steuervorgängen beteiligt. Insbesondere tragen Afferenzen aus der Skelettmuskulatur (Teil des "exercise pressor reflex“) bei Belastungsbeginn zu einem Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck bei. Darüber hinaus können C-Fasern über die Freisetzung von Neuropeptiden (z. B. Substanz P, CGRP) eine neurogene Entzündungsreaktion vermitteln.[1][2]
Einteilung
C-Fasern lassen sich funktionell differenzieren in:
- Polymodale C-Fasern: reagieren auf mechanische, thermische und chemische Reize; stellen den Großteil der nozizeptiven C-Fasern dar
- Mechanosensitive C-Fasern (CM): reagieren auf mechanische Reize
- Mechanoinsensitive C-Fasern (CMi): reagieren unter physiologischen Bedingungen nicht auf mechanische Reize, werden jedoch bei Entzündung sensibilisiert ("stille Nozizeptoren")
- Thermosensitive C-Fasern: reagieren auf Hitze (z.B. über TRPV1) oder Kälte
- Prurizeptive C-Fasern: vermitteln Juckreiz (Pruritus), z.B. unter dem Einfluss von Histamin
- Autonome C-Fasern: postganglionäre viszeroefferente Fasern des autonomen Nervensystems
Reizweiterleitung
Die aufsteigenden Schmerzbahnen besitzen wie andere somatosensorische Bahnen drei Neurone. Hinzu können modulierende Interneurone kommen, die jedoch nicht einzeln mitgezählt werden.
Der Zellkörper des 1. Neurons der Schmerzbahn befindet sich im Spinalganglion. Von hier ziehen Fasern zum 2. Neuron, das sich im Hinterhorn des Rückenmarks (Cornu posterius medullae spinalis) befindet. Das Axon des 2. Neurons kreuzt auf Segmentebene auf die Gegenseite und zieht in der Vorderseitenstrangbahn weiter zum Thalamus, wo es das 3. Neuron in den Thalamuskernen erreicht. Von den medialen und lateralen Thalamuskernen ziehen die Fasern weiter zum somatosensorischen Kortex (laterale Kerne) oder zum limbischen System (mediale Kerne).
Neurotransmitter
Die Verschaltung auf das nächste Neuron erfolgt entweder direkt oder über hemmende Interneurone. Die Nozizeption wird durch den Neurotransmitter Glutamat vermittelt. Cotransmitter sind Substanz P und CGRP. Die Transmitter aktivieren AMPA- und NMDA-Rezeptoren in der postsynaptischen Membran der an der Schmerzweiterleitung beteiligten Nervenzellen.
Hemmende Transmitter der Interneurone sind GABA und Endorphine. Sie aktivieren Opioidrezeptoren an der prä- und postsynaptischen Membran und führen so zur Schmerzhemmung.
Klinik
C-Fasern spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung chronischer Schmerzsyndrome. Ihre Schädigung kann zu neuropathischen Schmerzen führen, wie sie z.B. bei der diabetischen Polyneuropathie oder der Small-fiber-Neuropathie auftreten.
Durch periphere und zentrale Sensibilisierungsprozesse sind C-Fasern wesentlich an der Entwicklung von Hyperalgesie und Allodynie beteiligt. Darüber hinaus vermitteln spezialisierte C-Fasern den Pruritus, z.B. im Rahmen entzündlicher oder allergischer Hauterkrankungen.
Veränderungen der C-Faser-Funktion sollen auch bei funktionellen Schmerzsyndromen (z.B. Fibromyalgie) relevant sein.[3]
Quellen
- ↑ Chiu IM, von Hehn CA, Woolf CJ. Neurogenic inflammation and the peripheral nervous system in host defense and immunopathology. Nat Neurosci. 2012 Jul 26;15(8):1063-7. doi: 10.1038/nn.3144. PMID: 22837035; PMCID: PMC3520068.
- ↑ Edvinsson JCA, Warfvinge K, Krause DN, Blixt FW, Sheykhzade M, Edvinsson L, Haanes KA. C-fibers may modulate adjacent Aδ-fibers through axon-axon CGRP signaling at nodes of Ranvier in the trigeminal system. J Headache Pain. 2019 Nov 12;20(1):105. doi: 10.1186/s10194-019-1055-3. PMID: 31718551; PMCID: PMC6852900.
- ↑ Marshall, A., Elshafei, M., Preston, F.G. et al. Small Fibre Pathology in Fibromyalgia: A review. Pain Ther 14, 461–478 (2025). https://doi.org/10.1007/s40122-024-00696-1