Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Nervenleitgeschwindigkeit

Synonym: NLG
Englisch: nerve conduction velocity

1 Definition

Die Nervenleitgeschwindigkeit, kurz NLG, ist die Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse entlang einer Nervenfaser übertragen werden.

2 Physiologie

Die Nervenleitgeschwindigkeit der verschiedenen Typen von Nervenfasern ist unterschiedlich ausgeprägt. Dicke und myelinisierte Axone leiten den elektrischen Impuls schneller als dünne, unmyelinisierte Fasern. Die Leitgeschwindigkeiten typischer menschlicher Nervenfasern liegen in einem Bereich von ca. 1 bis 100 m/s.

Die Nervenleitgeschwindigkeit von peripheren Nervenfasern lässt sich klinisch mithilfe der Elektroneurografie bestimmen. Dabei wird der Nerv künstlich stimuliert und an zwei getrennten Messpunkten die elektrische Reaktion abgeleitet. Die Nervenleitgeschwindigkeit entspricht dann dem Quotienten aus der räumlichen Distanz der beiden Messorte und der zwischen ihnen auftretenden zeitlichen Verzögerung (Latenzzeit).

3 Einteilung

Die Einteilung erfolgt nach Lloyd und Hunt (in römischen Ziffern), sowie Erlanger und Gasser, wobei die Bezeichnungen nach Lloyd und Hunt häufig nur für afferente Leitungsbahnen verwendet werden. In der Literatur finden sich daher teilweise unterschiedliche Bezeichnungen für ein und denselben Typ Nerv.

Faserklasse myelinisiert (markhaltig) Leitungsgeschwindigkeit (m/s) Vorkommen
(I) ++ 60-120 α-Motoneurone, Muskelspindel- und Sehenspindelafferenzen
(II) ++ 30-70 Mechanoafferenzen der Haut
+ 30-50 Muskelspindelefferenzen
(III) + 10-30 Thermoafferenzen, nozizeptive Afferenzen ("erster", heller Schmerz)
B (+) 5-20 präganglionäre vegetative Fasern
C (IV) - 0,5-2 postganglionäre vegetative Fasern, nozizeptive Afferenzen ("zweiter", dumpfer Schmerz)

4 Trivia

Die Nervenleitgeschwindigkeiten der einzelnen Fasergruppen sind experimentell ermittelte Approximativwerte. Sie wurden ursprünglich bei Katzen ermittelt. Die entsprechenden Geschwindigkeiten beim Menschen können davon abweichen. Sie sollen etwa um 25% niedriger liegen.

5 Quelle

  • Physiologie; Pape, Kurtz, Silbernagl; Georg Thieme Verlag Stuttgart, 7. Auflage

Tags:

Fachgebiete: Physiologie

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Januar 2021 um 13:27 Uhr bearbeitet.

Da müsste man sich mal genau das experimentelle Setup anschauen. In vivo, in vitro? Ich würde das weicher formulieren.
#4 am 04.01.2021 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Im Silbernagel, 7. Auflage, Seite 105, Thieme Verlag, steht, dass die angegebenen Werte der NLG experimentell an Katzen bestimmt wurden. Beim Menschen sind die Geschwindigkeiten der einzelnen Fasern etwa um 25% geringer.
#3 am 04.01.2021 von Maxx Schuster (Student/in der Humanmedizin)
Da dürfte es keinen großen Unterschied geben, denn die Nerven sind grundsätzlich bei allen Säugetieren ähnlich konstruiert. Quelle?
#2 am 03.01.2021 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Vielleicht ist es noch ganz sinnvoll, wenn man dazuschreiben würde, dass die hier angegebene Nervenleitgeschwindigkeit eigentlich die von Katzen ist. Die von Menschen ist eigentlich langsamer ...
#1 am 03.01.2021 von Maxx Schuster (Student/in der Humanmedizin)

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Letzte Autoren des Artikels:

20 Wertungen (2.65 ø)

52.554 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: