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Candidiasis (Hund)

Synonyme: Kandidose, Candidose, Kandidamykose, Soor
Englisch: candidiasis

1 Definition

Als Candidiasis bezeichnet man eine Infektionskrankheit beim Hund, die durch Pilze der Gattung Candida hervorgerufen wird.

2 Erreger

Candida spp. sind Sprosspilze mit einer saprophytären Hefe- und einer parasitären Hyphenform. Die Erreger vermehren sich durch Knospung.

3 Pathogenese

Arten der Gattung Candida (inklusive Candida albicans) sind häufig physiologische Besiedler (Kommensalen) der Schleimhäute des Respirations-, Verdauungs- und Genitaltrakts. Ihre Vermehrung und Ausbreitung wird hauptsächlich durch die konkurrierende physiologische Mikroflora bestimmt und limitiert. Prädisponierende Faktoren wie z.B. Immunschwäche oder medikamentös bedingte Immunsuppression, Antibiotikatherapie, iatrogene Faktoren, Verletzungen oder Traumata können zu einer ungehemmten Vermehrung der Erreger führen.

Das sogenannte "phenotypic switching" führt zu einer verstärkten Ausbildung der Hyphenform und gleichzeitig zur Bildung von Adhäsinen, welche die Adhärenz an Epithelzellen und die Kolonisation an Oberflächen vermitteln. Zusätzlich kommt es zur Sekretion lytischer Enzyme, die den Hyphen ein Eindringen in das Gewebe ermöglichen. Es kommt zur Schleimhautschädigung und zur Bildung von Ulzera. In seltenen Fällen disseminiert der Erreger. Dann durchbohren die Hyphen die Wand von Blutgefäßen, sodass Blastosporen hämatogen im Körper streuen. Indem sich die Erreger durch Adhäsin-vermittelte Adhärenz am Endothel festsetzen, kommt es zum thromboembolischen Verschluss von Kapillaren. Zusätzlich werden Hyphen gebildet und lytische Enzyme sezerniert, die das jeweilige Manifestationsorgan schädigen. Betroffen sind hierbei v.a. Muskulatur, Knochen, Haut und harnableitende Organe (gehäuft bei Diabetes mellitus).

4 Klinik

Die klinischen Symptome hängen von der Lokalisation der Infektion ab. Infektionen der Haut können durch Alopezie, Ulzerationen, Krusten und Schuppen ersichtlich werden. Ein Befall der Schleimhäute äußert sich durch weiß-graue Beläge, die von einem rötlichen, hyperämischen Saum umgeben sind. In diesen Bereichen können auch Erosionen oder Ulzerationen auftreten. Am häufigsten sind die Schleimhäute der Maulhöhle, des Rachens, des Ösophagus, der Vagina und/oder des Präputiums und des Penis (Balanoposthitis) betroffen. Eine verstärkte Sekretabsonderung (z.B. Vaginalausfluss oder Nasenausfluss) kann ebenfalls ein Zeichen einer Candidiasis sein.

Infektionen des äußeren Gehörgangs führen zu einer erythematösen, feuchten Otitis externa. Im Pfotenbereich kommt es zu Interdigitalabszessen und Nagelbettentzündungen. Ist der Gastrointestinaltrakt befallen, leiden betroffene Tiere an chronischem Durchfall. Infektionen der harnbildenden oder -ableitenden Organe äußern sich durch Dysurie, Hämaturie oder vermehrtes Harnabsetzen.

In seltenen Fällen können sich die Erreger systemisch ausbreiten und zur Bildung von Mikroabszessen führen. Das klinische Bild einer systemischen Candidiasis ist recht unterschiedlich und reicht von unspezifischen Störungen des Allgemeinbefindens bis hin zu Ausfallserscheinungen betroffener Organe.

5 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen Infektionen durch andere opportunistische Hefen (z.B. Trichosporon spp.) ausgeschlossen werden.

6 Diagnose

Bei lokalen Infektionen kann die Verdachtsdiagnose anhand des klinischen Bildes gestellt werden. Da Candida spp. zur physiologischen Hautflora gehört, ist ein kultureller Nachweis zur Diagnosestellung nicht ausreichend. Die disseminierte Form sollte daher durch den histologischen Nachweis des Erregers in Sekreten und Exkreten und/oder Gewebebiopsaten gesichert werden.

Bei Verdacht auf eine systemische Candidiasis ist die Untersuchung des Urins und eine Blutkultur zu empfehlen.

7 Therapie

Haut- und Schleimhautläsionen müssen gereinigt und lokal mit Antimykotika (z.B. Nystatin, Clotrimazol, Natamycin oder Enilconazol) therapiert werden. Bei der disseminierten Form kann ein Behandlungsversuch mit Ketoconazol (7,5 mg/kgKG p.o. BID) oder Itraconazol (5 mg/kgKG p.o. BID) gestartet werden.

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Prognose

Die lokale Candidiasis weist eine gute Heilungsaussicht auf. Die disseminierte Form hingegen ist prognostisch ungünstig.

9 Zoonotische Bedeutung

Bei Verdacht einer Candidiasis beim Hund sollten immer besondere Hygienemaßnahmen (z.B. Tragen von Handschuhen) getroffen werden. Der Hund spielt aber als Überträger von Candida-Infektionen keine Rolle.

10 Literatur

  • Bauer J. Pilz- und Algeninfektionen. 2012. In: Suter PF, Kohn B, Schwarz G. (Hrsg.). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG, 380.
  • Jain N, Hasan F, Fries BC. 2008. Phenotypic Switching in Fungi. Curr Fungal Infect Rep 2(3):180-188. doi: 10.1007/s12281-008-0026-y.

Diese Seite wurde zuletzt am 10. September 2020 um 17:54 Uhr bearbeitet.

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