Vom 16. bis 23. Juli steht das Flexikon nur im Lesemodus zur Verfügung.
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Refluxkrankheit

von lateinisch: reflux - Rückfluss
Englisch: gastroesophageal reflux disease, GERD

1 Definition

Die Refluxkrankheit ist eine durch pathologischen Reflux von Mageninhalt ausgelöste entzündliche Erkrankung der Speiseröhre (Ösophagus).

2 ICD10-Codes

  • ICD-10-Code: K21.0: Gastroösophageale Refluxkrankheit mit Ösophagitis
  • ICD-10-Code: K21.9: Gastroösophageale Refluxkrankheit ohne Ösophagitis

3 Epidemiologie

Die Prävalenz der Refluxkrankheit nimmt mit dem Alter zu. Sie beträgt in Deutschland ungefähr 25%. In 10% der Fälle entwickelt sich eine Refluxösophagitis.[1]

4 Pathophysiologie

Es bestehen eine Reihe von Schutzmechanismen gegen den ösophagealen Reflux:

  • Zwischen Magen und Speiseröhre befindet sich der untere Ösophagussphinkter (UÖS). Es handelt sich hierbei nicht um einen ringförmigen Sphinkter, wie beispielsweise im Duodenum, sondern um spiralig angeordnete Muskelzüge um das untere Ende des Ösophagus herum. Der untere Ösophagussphinkter besitzt einen Ruhetonus mit einem Druck von 18-24 mmHg. Das zeitgerechte Öffnen des Sphinktermechanismus ist Bestandteil des Schluckakts.
  • Der distale Anteil des Ösophagus (Pars abdominalis) liegt in der Bauchhöhle. Es herrschen dort die selben Druckverhältnisse wie in der restlichen Bauchhöhle, sodass kein Überdruck vom Magen in Richtung Ösophagus entstehen kann.
  • Die Speiseröhre mündet spitzwinklig in den Magen. Dies verhindert rein mechanisch einen Reflux.

Jedoch bieten diese Schutzmechanismen keinen vollständigen Schutz.

Der Ruhetonus des unteren Ösophagussphinkters kann durch Einwirkung verschiedener Substanzen und Gewohnheiten, die den Reflux fördern, gesenkt werden. Dazu gehören:

Das Tragen von beengenden Hosen mit zu fest angelegtem Gürtel (Erhöhung des intraabdominellen Druckes), sowie reichliches Essen vor dem Schlafengehen wirken sich ebenfalls refluxfördernd aus.

5 Klinik

Die Refluxkrankheit äußert sich in einer Reihe von klinischen Symptomen, die anamnestisch wegweisend zu weiteren diagnostischen Maßnahmen sein sollten:

Die Refluxkrankheit kann auch eine Reihe von extraösophagealen Symptomen verursachen, die man unter dem Begriff laryngo-pharyngealer Reflux (LPR) zusammenfasst, z.B. Husten oder Heiserkeit.

Im fortgeschrittenen Stadium kann sich eine Anämie infolge von Blutungen aus dem Ösophagus einstellen.

6 Komplikationen

Eine unbehandelte Refluxkrankheit kann zu ernsthaften bis lebensbedrohlichen Komplikationen führen:

Auch extraösophageale Komplikationen wie Laryngitis, chronischer Husten und Zahnerosionen sind beschrieben.

Durch Stenosierung kann das Lumen des Ösophagus vollständig verschlossen werden, so dass sich durch fehlende Nahrungsaufnahme eine Kachexie ausbildet.

7 Diagnose

Standard in der Diagnostik ist die 24-Stunden-pH-Messung im Ösophagus.

Zusätzlich ist die Speiseröhre endoskopisch zu untersuchen, um das vorliegende Stadium der Krankheit festzustellen.

8 Stadien

Die Refluxkrankheit wird nach Savary und Miller in mehrere Stadien eingeteilt. Als Grundlage für die Einteilung dient der endoskopische Befund der Speiseröhre.

  • Stadium 0: Refluxbeschwerden, jedoch endoskopisch keine Läsionen
  • Stadium I: fleckförmige Läsionen
  • Stadium II: streifige, longitudinal konfluierende Läsionen
  • Stadium III: zirkulär konfluierende Läsionen
  • Stadium IV: Komplikationen wie z. B. Barrett-Ösophagus oder Stenosen

9 Therapie

In den Stadien I und II ist eine konservative Therapie indiziert. Die Basis bildet die Vermeidung refluxfördernder Nahrungs- (z.B. scharfer und/oder saurer Speisen) und Genussmitel (Alkohol, Nikotin) sowie die Veränderung der Lebensgewohnheiten (Gewichtsreduktion, leichte Oberkörperhochlagerung während der Bettruhe). Medikamentös erfolgt die Gabe von Protonenpumpeninhibitoren (z.B. Pantoprazol). Sie kann ggf. durch H2-Rezeptor-Antagonisten (z.B. Ranitidin) oder Antazida (z.B. Natriumbikarbonat) ergänzt werden.

Bei fehlendem Ansprechen auf konservative Therapie und ab Stadium III ist eine chirurgische Therapie indiziert. Sie umfasst die Anlage einer Fundusmanschette (Fundoplicatio) um das distale Ende des Ösophagus und stellt eine mechanische Refluxbarriere her.

Bei Versagen einer Therapie mit Protonenpumpenhemmern sollte auch an das Vorliegen einer eosinophilen Ösophagitis gedacht werden.

In Stadium IV ist eine Bougierung durchzuführen. Eine Fundoplicatio oder Hemigastrektomie können folgen. Eine Resektion des stenosierten Teilabschnittes des Ösophagus ist nur in seltensten Fällen indiziert. Die Letalität bei der Resektion des Ösophagus ist zu hoch, um diesen Eingriff als Standard rechtfertigen zu können.

10 Quellen

  1. Arastéh, Keikawus et al.: Duale Reihe: Innere Medizin. 2013. Thieme Verlag. DOI: 10.1055/b-0034-62824

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