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Erysipel

Synonyme: Wundrose, Rotlauf
Englisch: erysipelas

1 Definition

Das Erysipel ist eine meist durch Streptococcus pyogenes hervorgerufene Infektion der Haut. Kommt es zu einem Übergriff auf die Subkutis, Faszien und Muskeln, so spricht man von Phlegmonen.

2 Pathogenese

Streptococcus pyogenes dringt über kleine Hautdefekte wie Rhagaden, Fußpilzläsionen, Ulzera oder Einstichstellen (bei intravenösem Drogenabusus) in tiefere Hautschichten ein. Dort breiten sich die Erreger entlang der Lymphwege durch Zerstörung des umliegenden Gewebes als Phlegmone aus. Die Gewebszerstörung erfolgt durch auflösende bakteriell produzierte Enzyme wie z.B. DNAse.

Neuere Arbeiten weisen daraufhin, dass beim bullösen Erysipel sowie bei den nekrotisierenden Formen auch Staphylokokken eine pathogenetische Rolle spielen können (z.B. MRSA). Auch gramnegative Erreger (z.B. Escherichia coli, Pseudomonas aeruginosa) können in seltenen Fällen, insbesondere bei immunsupprimierten Patienten, eine pathogenetische Bedeutung haben.

Risikofaktoren für ein Erysipel sind chronische Wunden, Immunsuppression, chronisches Lymphödem, chronisch venöse Insuffizienz (CVI), ausgeprägte Adipositas und die periphere arterielle Verschlußkrankheit (pAVK).

3 Verlauf

Unbehandelt entwickeln sich komplizierte Verläufe, bei denen durch einen Übergriff der Infektion und Gewebszerstörung auf die Faszie und Muskeln eine nekrotisierende Fasziitis bzw. Myositis entstehen.

Der massive Gewebszerfall und die Einschwemmung von bakteriellen Toxinen in den Blutkreislauf bewirken ein Toxic-Shock-Like Syndrome (TSLS), das ein Multiorganversagen nach sich ziehen kann.

Spätfolgen des Erysipels können eine Glomerulonephritis und teilweise stark ausgeprägte Lymphödeme sein.

Unter adäquater Therapie bildet sich das Erysipel unter anfänglich zu beobachtender zentraler Abblassung zurück.

4 Diagnose

Anfänglich ist das Erysipel eine umschriebene, sich schnell oberflächlich ausbreitende Rötung mit scharfem, manchmal zackigem Rand. Sie wird häufig von einer Schwellung der Haut begleitet. Brennende Schmerzen und hochgradige Berührungsempfindlichkeit sind typisch. Bei großflächigem Befall treten Fieber, Schwäche, CRP-Erhöhung, Leukozytose und beschleunigte ESR hinzu.

Ein Abstrich der Haut führt nur in seltenen Fällen zum Nachweis des Erregers.

5 Differentialdiagnosen

6 Therapie

Mittel der Wahl ist die hochdosierte Gabe von Penicillin V oder Cephalosporinen - abhängig von der Schwere der Erkrankung oral oder i.v.. Bei Penicillinallergie kann auf ein Makrolid oder Clindamycin ausgewichen werden. Strikte Bettruhe wird empfohlen, erhöht jedoch das Thrombose-Risiko. Die Ruhigstellung erfordert ggf. eine medikamentöse Thromboseprophylaxe. Zusätzlich kann lokale Kühlung des betroffenen Areals die Symptomatik verbessern.

Bei Übergriff auf Faszien und/oder Muskulatur sind eine Fasziotomie und das Debridement des nekrotischen Gewebes unter zusätzlicher Gabe von Clindamycin erforderlich.

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