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Zahnextraktion

von lateinisch: ex- - aus, heraus und trahere - ziehen
Synonyme: Exodontie, "Ziehen" eines Zahnes
Englisch: tooth extraction

1 Definition

Unter einer Zahnextraktion versteht man das operative Entfernen eines kompletten Zahnes mitsamt seiner Wurzel aus seinem Zahnfach.

2 Indikationen

Die Extraktion eines Zahnes stellt aus therapeutischer Sicht eine Ultima ratio dar. Zu den häufigsten Indikationen zählen:

  • Tief kariös zerstörte und nicht mehr sanierbare Zähne bei schlechter Mundhygiene
  • Zähne mit traumatischen Längs- und Mehrfachbrüchen
  • Stark gelockerte Zähne
  • Zähne, welche im Rahmen von Kieferbrüchen Schaden genommen haben oder im Bruchspalt liegen

Auch Tumoren oder Entzündungen können das Ziehen eines Zahnes notwendig machen. Weitere Indikationen sind kieferchirurgische Probleme, z.B. fehlstehende Weisheitszähne, welche zu einer Störung des Zahnapparates führen.

3 Anästhesie

Die Zahnextraktion wird in der Regel in Lokalanästhesie durchgeführt. Bei umfangreichen Sanierungen oder Mehrfachextraktionen kann der Eingriff auch in Vollnarkose durchgeführt werden.

4 Instrumente

Die Zahnextraktion wird mit speziell auf die anatomischen Verhältnisse der Mundhöhle und der Zähne angepassten Zangen durchgeführt. Die Backen der Zangen sind so geformt, dass sie den jeweiligen Zahntyp optimal fassen. Durch zunehmende Abwinkelung des Zangenkopfs bzw. der Backen wird gewährleistet, dass man mit dem Instrument einen optimalen Zugang zum Extraktionsgebiet hat. Man unterscheidet:

Zusätzlich kommen Extraktionshebel (z.B. der Bein'sche Hebel) zum Einsatz. Darüber hinaus gibt es so genannte Hebezangen, die jedoch in der Zahnmedizin noch keine breite Anwendung finden.

5 Technik

Der Zahn wird nicht "gezogen", sondern schrittweise aus seinem Zahnfach luxiert oder rotiert. Das geschieht durch dosierte Kipp- oder Drehbewegungen der Zangen-Zahn-Einheit. Begrenzt wird die Auslenkung durch das Zahnfach (Alveole) und die Weite des Parodontalspaltes. Durch die zunehmende Auslenkung der Kipp- und Drehbewegungen werden die Fasern des Zahnhalteapparats schrittweise getrennt. Der umgebende Knochen wird dabei mit den Fingern der freien Hand umschlossen und stabilisiert.

Nach erfolgreicher Extraktion wird die Vollständigkeit der Zahnwurzeln überprüft. Ggf. verbliebene Wurzelreste werden entfernt. Das Koagulum in der Alveole dient als Wundverband. Es sollte daher von der Assistenz nicht abgesaugt werden. Die Alveolenwände werden abschließend mit kräftigem Fingerdruck komprimiert. Bei großen Extraktionswunden kann man die Wundränder zusätzlich durch Einzelknopfnähte adaptieren.

6 Komplikationen

Zahnextraktionen können zu einer Vielzahl von Komplikationen führen.

  • Blutung: Bei jeder Extraktion kommt es zu Blutungen aus dem Zahnfach, die in der Regel rasch sistieren. Bei Patienten mit Gerinnungsstörungen oder unter gerinnungshemmender Medikation besteht eine erhöhte Blutungsgefahr. Hier erfolgt ggf. eine Einstellung des INR-Werts durch behandelnden Arzt. Das Risiko einer unterbrochenen Antikoagulantientherapie ist höher zu bewerten als das Risiko einer nur schwer stillbaren Blutung. ln den meisten Fällen lassen sich auch unter Antikoagulation Blutungen durch lokale Maßnahmen stillen.
  • Wundheilungsstörungen: Der vorzeitige Zerfall des Koagulums in der leeren Alveole kann zu einer "trockenen Alveole" (Alveolitis sicca) führen.
  • Infektion: Durch die starke bakterielle Besiedelung des Mundraums lässt sich eine bakterielle Kontamination der Extraktionswunde nicht vermeiden. Dennoch treten bei normaler Immunkompetenz des Patienten nur selten Infektionen auf. Bei immunsupprimierten Patienten und Patienten mit Endokarditisrisiko ist eine adäquate Antibiotikaprophylaxe notwendig.
  • Unvollständige Extraktion: Bei einer unvollständigen Extraktion verbleiben Wurzelreste in der Alveole. Sie können zur Ursache chronischer Entzündungen werden und müssen daher beseitigt werden.
  • Verletzung der Kieferknochen: Verletzungen der Kieferknochens sind selten und treten in der Regel nur bei falscher Extraktionstechnik oder unverhältnismäßigem Krafteinsatz auf - vor allem, wenn der Knochen aufgrund altersdegenerativer Veränderungen instabil ist. Bevorzugte Stellen einer Kieferfraktur sind die Alveolen im Bereich des Tuber maxillae ("Tuberabriss") und der Bereich des Kieferwinkels. Diese Verletzungen müssen kieferchirurgisch versorgt werden.
  • Mund-Antrum-Verbindung (MAV): Im Bereich des Oberkiefers kann es beim Ziehen der Seitenzähne selten zu einer Verletzung der knöchernen Platte zwischen der Zahnwurzel und dem Sinus maxillaris kommen. Man spricht dann von einer Mund-Antrum-Verbindung. Sie kann durch den Nasenblasversuch oder ein vorsichtiges Abtasten der Alveole mit einer Knopfsonde festgestellt werden. In diesem Fall wird die Extraktionswunde mit einem gestielten Lappen aus Mundschleimhaut verschlosssen, um eine Infektion der Kieferhöhle zu vermeiden.
  • Luxation der Zahnwurzel: Bei der Extraktion von Seitenzähnen im Oberkiefer kann es passieren, dass Teile der Zahnwurzel in die Kieferhöhle luxiert werden. Diese Wurzelreste müssen dann kieferchirurgisch entfernt werden.

7 Kontraindikationen

8 Nachsorge

Nach jeder Zahnextraktion ist eine Nachkontrolle erforderlich. Sie dient der Kontrolle des Wundbettes und somit der Vermeidung von Komplikationen. Entzündungen oder Blutungen können hier rechtzeitig erkannt und behoben werden.

Zudem sollte der Patient angehalten werden, bei Beschwerden und Blutungen sofort einen Zahnarzt zu konsultieren.

Fachgebiete: Zahnmedizin

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