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Wüsten-Hornviper

Synonym: Hornviper
Zoologische Bezeichnung: Cerastes cerastes
Englisch: Desert Horned Viper

1 Definition

Die Wüsten-Hornviper ist eine Giftschlange aus der Familie der Vipern (Viperidae) und ist vor allem in Nordafrika und auf der arabischen Halbinsel verbreitet.

2 Merkmale

Die Wüsten-Hornviper weist einen leicht gedrungenen Körperbau auf und erreicht eine Länge von 50 bis 80 Zentimetern. Die Körperoberseite wird von 37 bis 35 Reihen gekielter Schuppen bedeckt, die Bauchseite bedecken 130 bis 170 Bauchschilde. Am Kopf stellt man 12 bis 15 Oberlippenschilde fest. Markant sind die beiden Hörner, je eins über jedem Auge, welche jedoch bei einigen Exemplaren gänzlich fehlen. Das Auge weist eine bei Lichteinfall senkrecht geschlitzte Pupille auf. Der Kopf ist bei Aufsicht dreieckig geformt und setzt sich deutlich vom Hals ab.

2.1 Giftapparat

Typisch für alle Vertreter der Viperidae ist der Giftapparat: Vipern haben von allen Giftschlangen den evolutionär am weitest entwickelten Giftapparat. Die Giftdrüsen, die sich seitlich des Schädels befinden und von umgebildeten Speicheldrüsen dargestellt werden, stehen in Verbindung mit den Gift- bzw. Fangzähnen. Diese befinden sich im vorderen Oberkiefer, sind bei geschlossenem Maul eingeklappt und werden beim Zubeißen aufgestellt. Die Giftzähne sind röhrenartig aufgebaut und ermöglichen eine Injektion des Giftsekretes, ähnlich der Kanüle einer Spritze.

3 Lebensweise

Die Wüsten-Hornviper besiedelt bevorzugt sandige Trockengebiete mit spärlicher Vegetation. Als typischer Seitenwinder bewegt sie sich seitwärts über den heißen Wüstenboden fort, wobei jeweils maximal drei Punkte der Körperunterseite gleichzeitig den Boden berühren. Über den Hochsommer ist die Schlange vor allem Nachts aktiv, im Herbst und Frühjahr durchaus auch am Tage. Bei Bedrohung gräbt sie sich rasch im Wüstensand ein. Auch zum Nahrungserwerb macht sie von dieser Methode Gebrauch: Vollkommen eingegraben liegt sie im Wüstensand, ausgenommen die Hörner und Augen. Beim Anblick eines Beutetieres schnellt die Schlange hervor und tötet es durch einen Giftbiss. Legt die Beute nach dem Biss noch eine kleine Strecke zurück, wird es über den Geruchssinn zielsicher verfolgt. Auf der Speisekarte der Wüsten-Hornviper stehen vor allem Eidechsen, kleine Vögel und Kleinsäuger.

Die Paarungszeit erstreckt sich über die Monate April bis Mitte Juni, im Juli/ August wird dann an einer feuchten Stelle im Boden ein Gelege mit weißen, weichschaligen Eiern angelegt. Die Jungschlangen schlüpfen nach sechs bis acht Wochen und messen dann etwa 16 bis 18 Zentimeter.

4 Epidemiologie

In freier Wildbahn kommt es gelegentlich zu Bissunfällen mit der Wüsten-Hornviper. Sie hat in Deutschland eine gewisse Bedeutung als Terrarientier. Bissunfälle in diesem Zusammenhang sind ebenfalls bekannt geworden. Die Letalität nach einem Bissunfall liegt bei unter einem Prozent.

5 Toxikologie

Das Toxingemisch der Wüsten-Hornviper enthält in erster Linie prokoagulative Toxine wie die Serinprotease Thrombin-like enzyme Cerastotin, die durch Aufbrauch der Gerinnungsfaktoren die Gerinnbarkeit des Blutes herabsetzen können (Umsetzung von Fibrinogen zu Fibrin; Verbrauchskoagulopathie). In der Folge kann es zu verstärkten Blutungen aus Verletzungen und zu inneren Blutungen kommen. Enthaltene Verbindungen aus der Gruppe der Phospholipase A2 bewirken durch Katalyse der Hydrolyse von Phospholipiden eine Schädigung von Zellwänden und führen somit zum Untergang von Zellen (lokale Wirkung).

5.1 Symptome

Die auffälligsten Symptome nach einem Biss sind lokale Schmerzen, Schwellungen, Blutungen, Hämatome und gelegentlich Nekrosen an der Bissstelle. Systemische Wirkungen sind Emesis und Hypotonie, im Extremfall kommt es zu einem Schock. Im Blutbefund zeigen sich pathologisch veränderte Gerinnungswerte (Fibrinogenabfall, Thrombopenie).

5.2 Komplikationen

5.3 Therapie des Giftbisses

  • Das Bissopfer muss Ruhe bewahren und die Bissstelle ist ruhig zu halten. Nach sofortiger Alarmierung des Notarztes sollte der Patient liegend in das nächstgelegene Krankenhaus transportiert werden. Zwecks Nierenschutz ist eine Infusion mit 0,9%iger Kochsalzlösung angezeigt. Weitere Maßnahmen dienen der symptomatischen Behandlung.
  • Schockprophylaxe. Ein ggf. auftretender Schock wird intensivmedizinisch behandelt.
  • Keine Kompressionsmethode, da hierdurch die zytotoxische Lokalwirkung ungleich verstärkt wird.
  • Überwachung der Gerinnungsparameter
  • Wundtoilette bei Nekrose, sofern die Gerinnungswerte es zulassen. Amputationen sind in der Regel nicht nötig.
  • Antivenine: Der Einsatz von Antiveninen sollte nur in Rücksprache mit einer Giftnotruf-Zentrale und nach gründlicher Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Bei schwerem Verlauf, besonders bei starkem Fibrinogenabfall, kann nach Rücksprache ggf. auf folgende Antivenine zurückgegriffen werden:
    • Antirept Pasteur, polyvalent, gegen Cerates cerastes
    • Favirept (Pasteur Lyon), hypoallergisches Fab-Fragment-Antiserum gegen Cerastes Cerastes

6 Forschung

Thrombin-like enzyme Cerastotin kann rekombinant hergestellt werden und ist als potentieller Arzneistoff Gegenstand aktueller Forschungsarbeiten.

7 Literatur

  • Trutnau: Schlangen im Terrarium Bd. 2: Giftschlangen. Verlag Ulmer, Stuttgart 1998.

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