Trastuzumab-Emtansin
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LoslegenSynonyme: T-DM1 u.a.
Handelsname: Kadcyla®
Englisch: trastuzumab emtansine, ado-trastuzumab emtansine (USA)
Definition
Trastuzumab-Emtansin ist ein Antikörper-Wirkstoff-Konjugat (ADC), das sich aus dem monoklonalen Antikörper Trastuzumab und dem Mitosehemmstoff Mertansin (DM1), einem Maytansin-Derivat zusammensetzt. Beide Komponenten sind über den systemisch stabilen Thioether-Linker MCC miteinander verbunden. Der Wirkstoff kommt in der Behandlung des Mammakarzinoms zum Einsatz.
Wirkmechanismus
Das Arzneimittel verfügt über einen dualen Wirkmechanismus, indem es die Wirkmechanismen seiner beiden Bestandteile Trastuzumab und DM1 vereint. Die Bindung des monoklonalen Anti-HER2-IgG1-Antikörpers Trastuzumab an die HER2/neu-Rezeptoren führt zur Hemmung der intrazellulären Signal-Weiterleitung (Signalkaskade). Die MCC-Brücke soll die systemische Freisetzung des Zytostatikums DM1 verhindern, so dass es über die Brücke selektiv Tumorzellen erreicht, dort an Tubulin bindet und die zielgerichtete Apoptose der HER2/neu-positiven Zelle auslöst. Dadurch ist der Körper keinen hohen Dosen des Zytostatikums ausgesetzt, so dass systemische Nebenwirkungen reduziert werden können.
Pharmakokinetik
Die Metabolisierung von DM1 erfolgt hepatisch über die Cytochrom-P450-Enzyme CYP3A4 und CYP3A5 (letzteres nur in geringem Maße). Trastuzumab wird proteolytisch abgebaut. Die Plasmahalbwertszeit beträgt durchschnittlich vier Tage.
Indikationen
Trastuzumab-Emtansin wird als Monotherapie bei erwachsenen Patienten mit HER2-positivem Mammakarzinom in folgenden Situationen eingesetzt:
- zur adjuvanten Behandlung des frühen Mammakarzinoms, wenn nach einer neoadjuvanten, taxanbasierten und gegen HER2 gerichteten Therapie ein invasiver Resttumor in der Brust und/oder den Lymphknoten verbleibt.[1]
- bei inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Mammakarzinom nach Vorbehandlung mit Trastuzumab und einem Taxan, einzeln oder in Kombination.[2]
Darreichungsformen
Das Arzneimittel wird intravenös appliziert. Es steht als Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung zur Verfügung.
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt 3,6 mg/kg Körpergewicht als intravenöse Infusion alle drei Wochen (21-Tage-Zyklus). Die erste Infusion erfolgt über 90 Minuten. Bei guter Verträglichkeit können nachfolgende Infusionen über 30 Minuten verabreicht werden. Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Indikation. Einzelheiten sind der Fachinformation zu entnehmen.
Bei Nebenwirkungen können Therapiepausen, Dosisreduktionen oder ein Therapieabbruch erforderlich sein. Die Dosis wird stufenweise auf 3,0 mg/kg und anschließend auf 2,4 mg/kg reduziert. Ist eine weitere Reduktion erforderlich, wird die Behandlung beendet. Nach einer Dosisreduktion darf die Dosis nicht wieder erhöht werden.[3]
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Störungen des Blutbildes: Thrombozytopenie, Anämie, Neutropenie
- Störungen des Gastrointestinaltrakts: Diarrhoe, Übelkeit, Erbrechen
- Fatigue
- Hypokaliämie
- Blutungen, Nasenbluten
- Muskuloskelettale Schmerzen
- Neuropathie
- linksventrikuläre Dysfunktion
- Pneumonitis
- Hepatotoxizität
- Anstieg der Transaminasen Aspartat-Aminotransferase (AST) und Alanin-Aminotransferase (ALT)
Wechselwirkungen
Wechselwirkungen treten bei Anwendung starker CYP3A4-Hemmer wie Atazanavir, Clarithromycin, Indinavir, Ketoconazol oder Ritonavir auf. Sie können die Exposition gegenüber DM1 und dessen Toxizität erhöhen. Eine gleichzeitige Anwendung sollte daher vermieden werden.
Kontraindikationen
- Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
Trastuzumab-Emtansin ist potentiell embryo- und fetotoxisch. Frauen im gebärfähigen Alter benötigen eine wirksame Kontrazeption bis mindestens sieben Monate nach der letzten Dosis.
Zulassung
Trastuzumab-Emtansin wurde 2013 inn der EU zugelassen. Grundlage waren die Ergebnisse der Phase-III-Studie EMILIA mit 991 Teilnehmern.
Im Dezember 2019 wurde die Zulassung auf die adjuvante Behandlung des HER2-positiven frühen Mammakarzinoms erweitert. Diese Indikationserweiterung beruhte auf der Phase-III-Studie KATHERINE.
Quellen
- ↑ von Minckwitz G et al. Trastuzumab Emtansine for Residual Invasive HER2-Positive Breast Cancer. N Engl J Med. 2019;380(7):617–628.
- ↑ European Medicines Agency. Kadcyla: Therapeutic indication.
- ↑ Roche. Kadcyla: Summary of Product Characteristics, Abschnitt 4.2.
Literatur
- PubChem Mertansine (DM1), abgerufen am 13.10.2021