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Nervenbiopsie

(Weitergeleitet von Suralisbiopsie)

Synonym: Suralisbiopsie
Englisch: sural biopsy

1 Definition

Eine Nervenbiopsie ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem ein Nervenstück aus einem Organismus entnommen und anschließend mittels verschiedener Verfahren untersucht wird. Meist handelt es sich um eine Biopsie des Nervus suralis, selten ei­nes an­deren Nervs.

2 Hintergrund

Nervenbiopsien sind ein wichtiges Instrument in der diagnostischen Aufarbeitung neuromuskulärer Krankheiten. Dabei sind v.a. periphere Neuropathien wegen ihren großen Zahl an möglichen Ursachen häufig differenzialdiagnostisch schwer einzuordnen. Die Nervenbiopsie stellt einen der letzten Schritte in der diagnostischen Aufarbeitung einer Neuropathie unbekannter Ursache dar. In nahezu allen Fällen gehen der nervenbioptischen Untersuchung somit ausgedehnte klinische, elektrophysiologische und laborchemische Untersuchungen voraus.

3 Indikation

4 Verfahren

Für die Nervenbiopsie wird meist der Nervus suralis verwendet, der ein Hautareal am lateralen Fußrand versorgt.

Für die Biopsie werden ca. 3 cm des Nervus suralis proximal des lateralen Malleolus, zwischen dem mittleren und unteren Drittel der Fibula, exzidiert. Hier sind anatomischen Variationen am geringsten. Bei der Entnahme sollten Verletzungen, Quetschungen und Zerrungen des Nervs möglichst vermieden werden. Es wird ein Abschnitt in Formalin, ein zweiter in Glutaraldehyd fixiert.

Erfolgt neben der Nervus suralis Biopsie eine gleichzeitige Muskelbiopsie ist ein Vergleich zwischen motorischem und sensorischem System möglich. Weiterhin wird dadurch ebenfalls die Wahrscheinlichkeit erhöht, eine systemische entzündliche Ursache der Erkrankung zu erfassen.

5 Analyse

Die Analyse der Nervenbiopsie sollte in spezialisierten Laboratorien erfolgen. Das Gewebe wird dort in Gefrier-, Paraffin- und Kunstharzschnitt-Technik aufgearbeitet. Die eigentliche Analyse erfolgt daraufhin nach histologischen, enzym- oder immunhistochemischen, elektronenmikroskopischen und molekularpathologischen Methoden. Diagnostisch schwierige Fälle von Nervenbiopsien können dem Referenzzentrum für neuromuskuläre Krankheiten der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie zur konsiliarischen Mitbeurteilung vorgelegt werden.

6 Befunde

6.1 Akut versus chronisch

Man kann zwischen akuten und chronischen Verlaufsformen unterscheiden. Bei der akuten Form finden sich häufig floride entzündliche Infiltrate und Gefäßwanddestruktionen, wohingegen bei der chronischen Form Abräumreaktionen und Rekanalisierungsvorgänge zu erkennen sind.

6.2 Vaskulitische Neuropathie

Bei den vaskulitischen Neuropathien ist häufig anhand histologischer Kriterien eine Zuordnung zu einem bestimmten Gefäßentzündungstyp möglich. Hierzu zählen z.B. die Panarteriitis nodosa, mikroskopische Polyangiitis oder die „Begleitvaskulitis“ bei systemischer rheumatischer Erkrankung. Typisch für vaskulitische Neuropathien sind außerdem fleckförmig akzentuierte Nervenfaserausfälle, sowie epineurale Makrophagen, die Hämosiderin enthalten.

6.3 CIDP

Bei der chronisch inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) finden sich in den Nervenfaszikeln CD8-immunreaktive zytotoxische T-Lymphozyten, sowie Zeichen einer chronischen De- und Remyelinisierung in Form von zwiebelschalenartig degenerierten Schwann-Zellen um die betroffenen Nervenfasern. Darüber hinaus kann man Makrophagencluster im immunhistochemischen CD68-Präparat finden.

6.4 Amyloidose

Amyloidablagerungen lassen sich routinemäßig durch eine Kongorot-Färbung detektieren, noch sensitiver ist die Thioflavin-S-Färbung. Bei der Amyloidose wird häufig ein bevorzugter Ausfall der kleinen markhaltigen Nervenfasern beobachtet. Weiterhin kann die Ätiologie der Amyloidablagerung mittels immunhistochemischer Reaktionen mit Antikörpern gegen Immunglobuline, Leichtketten und Transthyretin (Präalbumin) näher klassifiziert werden. Primäre Amyloidosen sind oft durch Ablagerungen von Immunglobulin und Leichtketten vor allem im Endoneurium charakterisiert; die hereditären Amyloidosen führen hingegen zu transthyretinimmunreaktiven Ablagerungen.

6.5 Neoplasie

Systemische Infiltrationen von Nerven durch neoplastische Zellen kommen beispielsweise im Rahmen einer Lymphomaussaat vor. Es findet sich jedoch auch eine fokale Infiltration peripherer Nerven im Verlauf der Ausbreitung vieler Karzinome und Sarkome. Auch die Tumoren der Nerven selbst, darunter das Neurinom, sowie der maligne periphere Nervenscheidentumor (MPNST) werden histologisch diagnostiziert. Es findet sich hier häufig eine fokale tumoröse Auftreibungen des Nerven (Nervenschwellung).

6.6 Hereditäre Neuropathie

Bei den hereditären Neuropathien finden sich typische morphologische Veränderungen, darunter z.B. tomakulöse Nervenfasern bei der erblichen Neuropathie mit Neigung zu Drucklähmungen, fokal gefaltetes Myelin bei Charcot-Marie-Tooth-Neuropathie (CMT Typ 4) und Anomalien der Mitochondrien bei CMT Typ 2 aufgrund einer Mitofusin-2-Mutation.

7 Literatur

  • Weis, Nikolin, Nolte: Muskel- und Nervenbiopsien, Aktuelle Aspekte [1] letzter Zugriff am 9.11.2020

Diese Seite wurde zuletzt am 20. November 2020 um 15:33 Uhr bearbeitet.

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