Puumala-Virus
Synonyme: Puumala orthohantavirus, Puumalavirus, Orthohantavirus puumalaense
Englisch: puumala virus
Definition
Das Puumala-Virus, kurz PUUV, ist ein RNA-Virus aus der Familie der Hantaviren und der Erreger der Nephropathia epidemica.
Systematik
- Klassifikation: Viren
- Realm: Riboviria
- Reich: Orthornavirae
- Phylum: Negarnaviricota
- Subphylum: Polyploviricotina
- Klasse: Bunyaviricetes
- Ordnung: Elliovirales
- Familie: Hantaviridae
- Gattung: Orthohantavirus
- Spezies: Orthohantavirus puumalaense
- Gattung: Orthohantavirus
- Familie: Hantaviridae
- Ordnung: Elliovirales
- Klasse: Bunyaviricetes
- Subphylum: Polyploviricotina
- Phylum: Negarnaviricota
- Reich: Orthornavirae
- Realm: Riboviria
Epidemiologie
Das Puumala-Virus ist in Mitteleuropa, den Balkanländern und im europäischen Teil Russlands endemisch. In Nord- und Westeuropa ist PUUV die vorherrschende Hantavirusspezies.[1] In Deutschland werden je nach Mäusepopulationsdynamik jährlich einige Hundert bis mehrere Tausend Erkrankungen registriert, mit ausgeprägter Häufung in Mastjahren der Rotbuche (Fagus sylvatica).
Genom
Das Virus besitzt ein dreiteiliges, einzelsträngiges RNA-Genom negativer Polarität (trisegmentiertes (-)-Strang-RNA-Genom) mit den Segmenten Large (L), Medium (M) und Small (S). Sie kodieren die RNA-abhängige RNA-Polymerase (RdRp), die für die Transkription und Replikation des Genoms verantwortlich ist, sowie die Spikeproteine (Gn und Gc) und das Nukleoprotein.[2]
Reservoir
Der natürliche Hauptwirt des Puumala-Virus ist die Rötelmaus (Myodes glareolus). Die Tiere scheiden das Virus über Urin, Kot und Speichel aus, ohne selbst zu erkranken. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt überwiegend durch Inhalation virushaltiger Aerosole aus getrocknetem Nagetierkot oder -urin, seltener durch direkten Tierkontakt oder Bissverletzungen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist für PUUV nicht beschrieben.[1]
Klinik
Verlauf
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 2–4 Wochen. Eine Infektion mit dem Puumala-Virus führt zur Nephropathia epidemica, der milden europäischen Verlaufsform des hämorrhagischen Fiebers mit renalem Syndrom (HFRS). Der klinische Verlauf lässt sich in mehrere Phasen unterteilen:
- Febrile Phase (Tage 1–4): Abrupter Fieberanstieg, Myalgien, Kopfschmerzen, Übelkeit und abdominelle Beschwerden
- Oligurie/Anurie-Phase (Tage 3–7): Akute Nierenfunktionsstörung mit Oligurie, Proteinurie, Hämaturie und Thrombozytopenie
- Polyurie-Phase (ab Tag 7–14): Einsetzende Erholung der Nierenfunktion
- Rekonvaleszenz (Wochen bis Monate): Vollständige Erholung in den meisten Fällen
Typische Laborbefunde umfassen erhöhte Kreatinin- und Harnstoffwerte, Thrombozytopenie, Leukozytose sowie erhöhte CRP- und LDH-Werte.[3]
Komplikationen
Obwohl die Nephropathia epidemica im Vergleich zu anderen HFRS-Erregern (z.B. Hantaan-Virus, Dobrava-Virus) als milde Verlaufsform gilt, können folgende Komplikationen auftreten:
- Dialysepflichtige Niereninsuffizienz (in schweren Fällen)
- Disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC)
- Thrombose
- Kardiovaskuläre Beteiligung (Myokarditis, Perikarditis)
- Selten: Enzephalitis, Hypophyseninsuffizienz[4]
Diagnostik
Der Erregernachweis kann erfolgen durch:
- Serologie: Nachweis spezifischer IgM- und IgG-Antikörper (Hantavirus-Serologie) – Methode der Wahl in der klinischen Routine
- Molekulargenetischer Nachweis: RT-PCR aus EDTA-Blut in der frühen Virämie-Phase (erste Krankheitswoche)
- Immunfluoreszenz- oder ELISA-basierte Antikörpertests
Therapie
Eine spezifische antivirale Therapie oder ein in Europa zugelassener Impfstoff steht derzeit (2026) nicht zur Verfügung.[5] Die Behandlung ist supportiv und umfasst:
- Überwachung der Nierenfunktion und des Flüssigkeitshaushalts
- Bei dialysepflichtigem Nierenversagen: Nierenersatztherapie
- Thrombozytopenie-Management
Prognose
Die Letalität bei Erkrankungen durch das Puumala-Virus liegt deutlich unter 0,1 %.[1] Die Nierenfunktion erholt sich in der Regel vollständig, wobei in Einzelfällen eine persistierende Hypertonie oder eingeschränkte Nierenfunktion beschrieben wurde.
Prävention
Da kein zugelassener Impfstoff verfügbar ist, stützt sich die Prävention auf Expositionsvermeidung: Tragen von Atemschutz (FFP2/FFP3) bei Tätigkeiten in potenziell kontaminierten Bereichen (Holzstapel, Scheunen, Forstwirtschaft), Schädlingsbekämpfung sowie Nagetier-dichtes Lagern von Lebensmitteln.[1]
Quelle
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 RKI – Hantavirus-Infektionen, abgerufen am 12.05.2026
- ↑ Koskela S et al. Coagulopathy in Acute Puumala Hantavirus Infection. Viruses. 2021;13(8):1553.
- ↑ Koehler FC et al. The kidney in hantavirus infection. Clin Kidney J. 2022;15(7):1231-1252.
- ↑ Koskela S et al. Coagulopathy in Acute Puumala Hantavirus Infection. Viruses. 2021;13(8):1553.
- ↑ Koehler FC et al. The kidney in hantavirus infection. Clin Kidney J. 2022;15(7):1231-1252.