Hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom
Definition
Das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom, kurz HFRS, ist eine klinische Verlaufsform der Hantavirus-Infektion mit potenziell hoher Letalität. Sie ist vor allem durch eine Nephropathie gekennzeichnet.
Epidemiologie
Das HFRS tritt vor allem in Ostasien, Osteuropa und auf dem Balkan auf. Die weltweit höchste Inzidenz findet sich in China, wo der Großteil der jährlich registrierten Fälle gemeldet wird. Weitere Endemiegebiete liegen in Russland, Südkorea und Südosteuropa.
In Ostasien treten jährlich rund 150.000 HFRS-Fälle auf, deren Mortalität zwischen < 1 und 15% liegt.[1]
Ätiologie
Die Erkrankung wird überwiegend durch eine Infektion mit dem Hantaan-Virus oder dem Dobrava-Belgrad-Virus verursacht. Reservoirwirte sind verschiedene Nagetiere, insbesondere Brandmausarten (Apodemus spp.). Die geografische Verbreitung des HFRS korreliert eng mit dem Vorkommen der jeweiligen Reservoirwirte.
Klinik
Das HFRS nimmt einen schwereren Verlauf als die Nephropathia epidemica und wird klassisch in fünf Phasen eingeteilt:[2]
- Febrile Phase (3–7 Tage): Abruptes Einsetzen von hohem Fieber bis 40 °C, schwerem Krankheitsgefühl, Kopf-, Rücken- und Bauchschmerzen sowie konjunktivaler Blutung (Leitsymptom). Petechien im Gaumen- und Axillarbereich möglich.
- Hypotensive Phase (Stunden bis 3 Tage): Blutdruckabfall bis hin zum Schock durch erhöhte Gefäßpermeabilität; Thrombozytopenie und hämorrhagische Diathese.
- Oligurie-Phase (3–7 Tage): Akutes Nierenversagen mit ausgeprägter Oligurie, ausgeprägter Proteinurie, Anstieg der Retentionswerte; Blutungsrisiko erhöht.
- Diurese-Phase (mehrere Tage bis Wochen): Einsetzende Polyurie mit Gefahr der Elektrolytentgleisung und Dehydratation.
- Rekonvaleszenzphase (Wochen bis Monate): Allmähliche Normalisierung der Nierenfunktion.
Komplikationen
Wichtige Komplikationen sind Lungenödem, zerebrale Einblutungen und Organversagen. Die Letalität variiert abhängig vom Erregertyp erheblich. Während Infektionen mit dem Dobrava-Belgrad-Virus oder dem Hantaan-Virus mit Letalitätsraten von bis zu 15 % einhergehen können, verlaufen andere Formen (Seoul-Virus) meist milder.[2]
Diagnostik
Bei klinischem Verdacht auf ein HFRS – insbesondere bei passender Expositionsanamnese und entsprechender Symptomkonstellation – sollte eine gezielte labormedizinische Abklärung erfolgen, da das klinische Bild oft unvollständig ausgeprägt ist.
Labormedizin
Allgemeine Laborparameter
Bei den allgemeinen Laborparametern ist insbesondere auf einen Anstieg der Retentionsparameter sowie Veränderungen der Thrombozytenzahl (typischerweise Thrombozytopenie) zu achten. Eine Leukozytose mit Linksverschiebung und der Nachweis atypischer Lymphozyten ist ebenfalls möglich. Im Urin zeigt sich möglicherweise eine tubuläre Proteinurie und Hämaturie.
Indirekter Erregernachweis
Methode der Wahl ist der serologische Nachweis spezifischer IgM- und IgG-Antikörper gegen Nukleokapsid-Proteine mittels ELISA, Immunoblot oder Immunfluoreszenz-Assay. In Deutschland muss sowohl mit PUUV- als auch mit DOBV-Antigenen getestet werden.
IgM- und IgG-Antikörper sind bei der Mehrzahl der Patienten bereits zum Zeitpunkt der ersten klinischen Symptome nachweisbar. IgG-Antikörper persistieren vermutlich lebenslang. IgM-Antikörper können noch bis zu 2 Jahre nach der Erkrankung detektierbar sein. Der Nachweis einer aktiven Infektion gelingt durch simultanen IgG- und IgM-Anstieg oder einen signifikanten Titeranstieg in der Verlaufsserologie.[3]
Direkter Erregernachweis
In der frühen Erkrankungsphase kann der Nachweis viraler RNA mittels PCR (RT-PCR) aus Serum, EDTA-Blut oder Urin gelingen. Da die virämische Phase sehr kurz ist, schließt ein negatives PCR-Ergebnis eine Infektion nicht aus. Die definitive Typisierung des Virusstammes erfolgt durch RNA-Sequenzierung des S- oder L-Segments des viralen Genoms.[3]
Quellen
- ↑ Park, K., Kim, J., Kim, SG. et al. Molecular evolution and reassortment dynamics of Orthohantavirus hantanenserevealed through longitudinal genomic surveillance in the Republic of Korea. Sci Rep 15, 24672 (2025).
- ↑ 2,0 2,1 Jonsson CB, Figueiredo LT, Vapalahti O. A global perspective on hantavirus ecology, epidemiology, and disease. Clin Microbiol Rev. 2010;23(2):412-441.
- ↑ 3,0 3,1 Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber Hantavirus-Erkrankung, abgerufen am 05.05.2026