Metabolische Hyperferritinämie
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' 'Synonyme: Dysmetabolische Hyperferritinämie, metabolisch bedingte Hyperferritinämie
Abkürzung: MHF
Englisch: metabolic hyperferritinaemia, metabolic hyperferritinemia
Definition
Die metabolische Hyperferritinämie (MHF) bezeichnet eine Erhöhung des Serum-Ferritins im Zusammenhang mit einer metabolischen Dysfunktion. Sie tritt insbesondere bei Adipositas, Insulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2, metabolischem Syndrom und einer metabolischen Dysfunktion-assoziierten steatotischen Lebererkrankung (MASLD) auf.
Die Eisenspeicher können bei metabolischer Hyperferritinämie normal oder mäßig erhöht sein. Im Gegensatz zur klassischen Hämochromatose ist die Transferrinsättigung häufig nicht deutlich erhöht.[1]
Hintergrund
Ferritin ist das wichtigste intrazelluläre Eisenspeicherprotein und dient im Serum als Marker für den Eisenstoffwechsel. Gleichzeitig ist Ferritin ein Akute-Phase-Protein, sodass erhöhte Werte nicht automatisch eine Eisenüberladung anzeigen.
Bei metabolischer Dysfunktion können erhöhte Ferritinwerte sowohl durch Veränderungen des Eisenstoffwechsels als auch durch metabolische und inflammatorische Prozesse entstehen. Serum-Ferritin korreliert dabei unter anderem mit dem Ausmaß der hepatischen Fettakkumulation und der Insulinresistenz.[1]
Pathophysiologie
Die Pathophysiologie ist multifaktoriell. Eine wichtige Rolle spielen:
- Insulinresistenz
- hepatische Steatose
- niedriggradige chronische Entzündung
- Veränderungen der Regulation von Hepcidin
- veränderte Speicherung und Verteilung von Eisen in der Leber
Im Gegensatz zur hereditären Hämochromatose ist die Hepcidinproduktion bei metabolischer Hyperferritinämie häufig zumindest teilweise erhalten. Die Eisenakkumulation ist meist geringer ausgeprägt und kann vorwiegend nicht-parenchymale Leberzellen wie Kupffer-Zellen betreffen.[1]
Assoziierte Erkrankungen
Metabolische Hyperferritinämie findet sich gehäuft bei:
Diagnostik
Die Diagnose ergibt sich aus der Kombination einer persistierenden Hyperferritinämie mit Zeichen einer metabolischen Dysfunktion und dem Ausschluss anderer relevanter Ursachen.
Basisdiagnostik
Zur initialen Einordnung sind insbesondere folgende Parameter hilfreich:
| Parameter | Bedeutung |
|---|---|
| Serum-Ferritin | Nachweis und Verlauf der Hyperferritinämie |
| Transferrinsättigung (TSAT) | Hinweis auf relevante Eisenüberladung; bei metabolischer Hyperferritinämie häufig normal oder nur mäßig verändert |
| CRP | Einordnung einer gleichzeitig bestehenden systemischen Entzündung |
| Transferrin | Ergänzende Beurteilung des Eisenstoffwechsels |
| ALT, AST, Gamma-GT | Beurteilung einer möglichen Leberbeteiligung |
| Nüchternglukose bzw. HbA1c | Nachweis einer Störung des Glukosestoffwechsels |
| Triglyceride und HDL-Cholesterin | Beurteilung einer metabolischen Dyslipidämie |
Eine persistierend deutlich erhöhte Transferrinsättigung spricht eher für eine primäre oder andere Form der Eisenüberladung und sollte entsprechend weiter abgeklärt werden.[1]
Bildgebung
Bei Verdacht auf relevante hepatische Eisenakkumulation kann eine quantitative Magnetresonanztomographie (MRT) der Leber zur nichtinvasiven Bestimmung des Lebereisengehalts eingesetzt werden.
Eine Leberbiopsie ist für die Diagnose einer metabolischen Hyperferritinämie in der Regel nicht erforderlich. Sie kann jedoch bei anderer hepatologischer Indikation sinnvoll sein.[1]
Klassifikation
Der internationale Konsensus von 2023 schlägt ein stufenweises Modell der metabolischen Hyperferritinämie vor. Dabei reicht das Spektrum von einer Hyperferritinämie ohne relevante Eisenakkumulation bis zu einer ausgeprägteren dysmetabolischen Eisenüberladung.[1]
| Stadium | Charakteristik |
|---|---|
| Grad 1 | Metabolische Hyperferritinämie ohne nachgewiesene relevante Eisenakkumulation |
| Grad 2 | Metabolische Hyperferritinämie mit Hinweis auf eine mäßige dysmetabolische Eisenakkumulation |
| Grad 3 | Ausgeprägte dysmetabolische Eisenüberladung; entspricht dem Dysmetabolic Iron Overload Syndrome (DIOS) |
Das Dysmetabolic Iron Overload Syndrome stellt somit das ausgeprägteste Ende des Spektrums dar und setzt den Nachweis erhöhter hepatischer Eisenspeicher voraus.[1]
Differentialdiagnosen
Eine erhöhte Ferritinkonzentration ist unspezifisch. Wichtige Differentialdiagnosen sind:
| Differentialdiagnose | Typische Hinweise |
|---|---|
| Hämochromatose | erhöhte Transferrinsättigung, genetische Prädisposition, ausgeprägtere Eisenakkumulation |
| Akute oder chronische Entzündung | erhöhtes CRP bzw. andere Entzündungszeichen |
| Infektion | klinischer und laborchemischer Infektnachweis |
| Lebererkrankung | erhöhte Transaminasen, Gamma-GT oder strukturelle Leberveränderungen |
| Alkoholkonsum | entsprechende Anamnese, mögliche Leberwertveränderungen |
| Malignom | klinische Hinweise bzw. weitere auffällige Labor- oder Bildgebungsbefunde |
| Hämolyse | erhöhtes LDH, vermindertes Haptoglobin, Retikulozytose |
| Transfusionsbedingte Eisenüberladung | entsprechende Transfusionsanamnese |
Ferritin sollte daher niemals isoliert als Beweis einer Eisenüberladung interpretiert werden.[2]
Abgrenzung zur Hämochromatose
Die metabolische Hyperferritinämie unterscheidet sich in mehreren Punkten von der klassischen hereditären Hämochromatose:
| Merkmal | Metabolische Hyperferritinämie | Hereditäre Hämochromatose |
|---|---|---|
| Ferritin | erhöht | erhöht |
| Transferrinsättigung | häufig normal oder nur mäßig verändert | typischerweise deutlich erhöht |
| Metabolische Dysfunktion | häufig vorhanden | nicht obligat |
| Hepcidin | meist zumindest teilweise erhalten | bei klassischer HFE-Hämochromatose relativ vermindert |
| Eisenakkumulation | keine bis mäßige Eisenüberladung | potenziell ausgeprägte Eisenüberladung |
| Typische Begleiterkrankungen | Adipositas, Insulinresistenz, MASLD, Typ-2-Diabetes | genetisch bedingte Eisenstoffwechselstörung |
Therapie und Management
Die Behandlung richtet sich primär gegen die zugrunde liegende metabolische Dysfunktion.
Wichtige Maßnahmen sind:
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht bzw. Adipositas
- regelmäßige körperliche Aktivität
- Behandlung einer Insulinresistenz bzw. eines Diabetes mellitus Typ 2
- Therapie einer Dyslipidämie
- Behandlung einer arteriellen Hypertonie
- Reduktion eines erhöhten Alkoholkonsums
- Verlaufskontrolle von Ferritin, Transferrinsättigung und Leberwerten
Eine routinemäßige Aderlasstherapie allein aufgrund eines erhöhten Ferritinwertes ist bei metabolischer Hyperferritinämie nicht generell indiziert. Das therapeutische Vorgehen richtet sich nach Ausmaß der Eisenakkumulation, Begleiterkrankungen und individueller klinischer Situation.[1]
Prognose
Die klinische Bedeutung der metabolischen Hyperferritinämie hängt wesentlich von den begleitenden metabolischen und hepatologischen Erkrankungen ab. Eine zunehmende Eisenakkumulation kann bei einem Teil der Betroffenen zusätzliche Organschäden begünstigen.
Das Serum-Ferritin sollte daher insbesondere bei persistierender Erhöhung im Zusammenhang mit dem gesamten metabolischen und hepatologischen Risikoprofil beurteilt werden.