Konsensuspapier
Englisch: consensus paper
Definition
Bei einem Konsensuspapier handelt es sich um eine von mehreren Fachgesellschaften bzw. Fachexperten erstellte schriftliche Stellungnahme, die das Ergebnis eines internen Diskussionsprozesses darstellt. Es beinhaltet meist abgestimmte Empfehlungen zur Diagnostik und/oder Therapie einer oder mehrerer Erkrankungen und gibt die zum Erscheinungszeitpunkt gültige wissenschaftliche Mehrheitsmeinung wieder.
Hintergrund
Die evidenzbasierte Medizin verfolgt das Ziel, diagnostische und therapeutische Entscheidungen konsequent an der bestverfügbaren wissenschaftlichen Evidenz auszurichten. Ist diese Evidenz jedoch begrenzt, widersprüchlich oder fehlen für bestimmte Fragestellungen klare Empfehlungen in bestehenden Leitlinien, bieten Konsensuspapiere eine Orientierung für die klinische Praxis.
Kritik
Gelegentlich wird ein Konsensuspapier als Kompromiss zwischen unterschiedlichen Standpunkten und nicht als tiefgreifende Analyse der vorhandenen Forschungsergebnisse kritisiert. Wichtig ist daher die neutrale Auswahl des Gremiums der Fachexperten, die Überprüfung der vorhandenen Evidenz durch eine vollständige und systematische Literaturrecherche und Festlegung des Konsensprozesses.
Zu den Konsensprozessen gehören unter anderem Umfragen, Abstimmungen, Delphi-Verfahren und der Nominale Gruppenprozess. Ähnlich den Leitlinien sollten standardisierte Formulierungen als Bewertungsskala für die Empfehlungen verwendet werden.