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Mastzelltumor (Hund)

Synonym: MZT
Englisch: mast cell tumor

1 Definition

Mastzelltumoren sind überwiegend maligne Tumoren, die von Gewebsmastzellen ausgehen und gehäuft beim Hund auftreten.

2 Epidemiologie

Mastzelltumoren gehören zu den häufigsten Hauttumoren bei Hunden. Je nach Autor werden zwischen 7 und 21 % aller Haut- und Unterhauttumoren den Mastzelltumoren zugeordnet. Sie treten gehäuft bei älteren Hunden auf, können aber auch bei Junghunden vorkommen. Bevorzugt betroffen sind u.a. Boxer sowie alle anderen brachyzephalen Rassen - aber auch Dackel, Berner Sennenhunde und Labrador Retriever.

3 Einteilung

Mastzelltumoren sind mesenchymale Tumoren, die von Gewebsmastzellen ausgehen und zu den kutanen hämatopoetischen Tumoren gehören. Sind in der Ausbreitung noch andere Organe als die Haut miteinbezogen, unterscheidet man die disseminierte Form von der systemischen oder viszeralen Form. Die Erkrankung wird dann auch als maligne Mastozytose oder Mastzellleukose bezeichnet.

4 Kategorisierung

Nach histologischen Kriterien teilt man Mastzelltumoren in drei Grade ein:

  • Grad 1: Gut differenzierte Form
  • Grad 2: Intermediäre Form
  • Grad 3: Schlecht differenzierte Form

Je nach Autor werden auch Übergangsformen beschrieben. Die einzelnen Einteilungsformen stimmen weitgehend mit dem biologischen Tumorverhalten (lokale Infiltrationstendenz und Metastasierungsneigung) überein.

Brachyzephale Rassen leiden vorwiegend an Tumoren ersten oder zweiten Grades. Mastzelltumoren die im Bereich des Perineums, im Inguinalbereich sowie im Bereich des Skrotums bzw. der Vulva ausgebildet sind, werden von vielen Autoren - unabhängig vom Tumorgrad - als besonders maligne eingestuft.

5 Klinik

Mastzelltumoren sind durch ein äußerst variables Erscheinungsbild gekennzeichnet. Aus diesem Grund werden sie oftmals mit zahlreichen anderen Tumorarten verwechselt. Sie treten in der Subkutis oder auch in der Epidermis als Knoten, Papeln oder Plaques auf. Ihre Konsistenz kann entweder weich (lipomartig) oder derb-knotig sein.

Mastzelltumoren sind bevorzugt an den Gliedmaßen und am Rumpf ausgebildet. Als Anzeichen einer gesteigerten Malignität sind rasches Wachstum, Ulzerationen, das Auftreten von Satellitenknoten, eine Vergrößerung regionärer Lymphknoten sowie eine scheinbare rasche Tumorvergrößerung (aufgrund Ödembildung und Entzündung) zu nennen. Eine spätere Metastasierung in verschiedene Organe, wie z.B. die Leber, Milz oder in das Knochenmark, sind möglich. Lungenmetastasen hingegen treten nicht auf.

Die charakteristischen Mastzell-Granula enthalten Histamin und Heparin sowie weitere Mediatorstoffe, chemotaktische Faktoren und biologisch aktive Substanzen. Diese werden auf verschiedene Reize hin (z.B. durch Tumormanipulation) freigesetzt, sodass es zu lokalen Erscheinungen wie Juckreiz, Rötung und Schwellung kommt. Zusätzlich können auch systemische (paraneoplastische) Symptome auftreten, z.B. allergische und anaphylaktische Reaktionen, Magenulzera mit Melaena und/oder Bluterbrechen. Im Blutbild sowie im Aspirat von Mastzelltumoren ist eine Eosinophilie bzw. ein erhöhter Anteil an eosinophilen Granulozyten erkennbar.

6 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch kommt praktisch jeder andere Hauttumor (auch Lipome) in Frage.

7 Diagnose

Mithilfe der Feinnadelaspiration kann in nahezu allen Fällen ein Mastzelltumor aufgrund der metachromatischen (violetten) Granula in den Rundzellen und der reichlich vorhandenen eosinophilen Zellen diagnostiziert werden. Um eine Gradeinteilung des Tumors und eine Überprüfung der kompletten Exzision (Tumorbettbiopsien) durchführen zu können, ist eine anschließende histologische Untersuchung des Tumorextirpats notwendig.

Tributäre Lymphknoten müssen vor allem bei Vergrößerung (zwecks Metastasennachweis) aspiriert werden. Bei Grad-III-Mastzelltumoren muss unbedingt nach Anzeichen einer systemischen Ausbreitung gesucht werden (Knochenmarksaspirat, Milz, Leber).

8 Therapie

Initial sollte eine Resektion des Tumors weit im gesunden Gewebe (2 bis 3 cm Sicherheitszone, in der Tiefe bis ins folgende Kompartiment) erfolgen. Bei der Resektion kleiner Grad-I-Tumoren (< 2 cm Durchmesser) kann der Sicherheitsabstand dem Durchmesser des Tumors entsprechen. Im Anschluss an die kurative Resektion sollte mittels Tumorbettbiopsien histologisch nach verbleibenden Tumorzellclustern gesucht und bei Bedarf nachoperiert oder bestrahlt werden.

Sollte eine vollständige Resektion des Mastzelltumors nicht möglich sein, stellt die adjuvante Strahlentherapie nach chirurgischer Zytoreduktion die Therapiemodalität der Wahl dar. Bei einer Metastasierung in die tributären Lymphknoten müssen diese in das Bestrahlungsfeld einbezogen werden. Tumoren, die eine pathologische Expression des Stammzellrezeptors c-Kit aufweisen, können durch Blockade dieses Rezeptors mit Masitinib oder Toceranib therapiert werden. In der Literatur sind weitere Therapieprogramme beschrieben, die mit unterschiedlichen Arzneistoffen unterschiedliche Mechanismen der Tumorausbreitung unterbinden sollen.

Ausgeprägte paraneoplastische Symptome müssen mit entsprechenden Medikamenten therapiert werden: Diphenhydramin (2 bis 4 mg/kgKG zweimal tägl. p.o.) sowie Ranitidin (2 mg/kgKG zweimal tägl.) oder Sucralfat (0,5 bis 1 g p.o.).

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

9 Prognose

Die Prognose wird von vielen Faktoren beeinflusst: Lokalisation, histologisches Grading, Expression von c-Kit, mitotischer Index, Tumorstadium, Alter und Rasse des Hundes, Vorkommen von paraneoplastischen Symptomen, Behandlungsdurchführung, usw.

Gut differenzierte Mastzelltumoren ohne Metastasierung in tributäre Lymphknoten - die im gesunden Gewebe entfernt werden konnten - weisen grundsätzlich eine gute Prognose auf. Wenig bis schlecht ausdifferenzierte Mastzelltumoren, Tumoren mit Metastasen oder einer Lokalisation an einem mukokutanen Übergang (Präputium, Augenlid) sowie im Krallenbett haben eine deutlich schlechtere Prognose. Die Überlebenszeit ist stark an die Therapie gekoppelt.

10 Literatur

  • Suter, Peter F., Kohn, Barbara, Schwarz, Günter. Begründet von Hans G. Niemand. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.
  • Baumgärnter, Wolfgang. Gruber, Achim D. Allgemeine Pathologie für die Tiermedizin. 2., aktualisierte Auflage. Enke-Verlag, 2015.

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