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Vulva (Veterinärmedizin)

Synonyme: Pudendum femininum, Scham

1 Definition

Als Vulva oder auch Pudendum femininum bezeichnet man den äußeren Verschluss der weiblichen Begattungsorgane bei den Haussäugetieren.

2 Anatomie

Das weibliche Begattungsorgan wird außen von der Vulva umgeben. Im Anschluss folgt das Vestibulum vaginae (Scheidenvorhof), das den Zugang zur Vagina bildet.

2.1 Schamlippen

Die Vulva umschließt mit den beiden Schamlippen (Labia pudendi) die Schamspalte (Rima pudendi). Die Schamlippen beider Seiten vereinigen sich im oberen bzw. unteren Schamlippenwinkel (Commissura labiorum dorsalis bzw. ventralis).

Der dorsale Schamwinkel ist abgerundet, der ventrale hingegen spitz ausgebildet. Diese Verhältnisse findet man bei allen Haussäugetieren, mit Ausnahme der Stute. Hier verhalten sich die Winkel genau umgekehrt (dorsal spitz, ventral abgerundet).

Die Schamlippen der Haussäugetiere entsprechen in ihrer Ausprägung den kleinen Schamlippen des Menschen. Die beim Menschen zusätzlich noch ausgebildeten großen Schamlippen entwickeln sich embryonal aus den Genitalwülsten, die beim männlichen Geschlecht zum Hodensack ausdifferenzieren. Solche Genitalwülste können in manchen Fällen nur noch bei der weiblichen Katze oder der Hündin bestehen bleiben, sind aber meistens nicht ersichtlich.

Die Schamlippen sind stets fein behaart und je nach Tierart und Individuum vollständig, teilweise oder gar nicht pigmentiert. In der Subkutis findet man neben einer kräftigen Muskulatur reichlich Fettgewebe. Die Haut ist mit zahlreichen Talg- und Schweißdrüsen versehen und geht an der Innenfläche allmählich in eine kutane Schleimhaut über. Diese setzt sich im weiteren Verlauf in die Schleimhaut des Vestibulum vaginae fort.

2.2 Perineum

Zwischen Scham und After befindet sich ein schmaler Gewebebezirk (Kommissur), der aus Haut, Bindehaut und Muskulatur aufgebaut ist. Dieser Bereich, der in seiner Form einer Brücke ähnelt, wird als Damm (Perineum) bezeichnet. Der Damm spielt vor allem bei einer Schwergeburt eine wichtige Rolle, da das Perineum verletzt werden kann (Dammriss).

2.3 Clitoris

Der ventrale Schamwinkel der Haussäugetiere hängt in der Regel mehr oder weniger über den Sitzbeinausschnitt herab. Dieser Bereich beherbergt das weibliche Wollustorgan, den Kitzler (Clitoris). Aufgrund des Aufbaus und der Lage der Clitoris wird deutlich, dass sie das Homologon des männlichen Gliedes darstellt. Einzig die Harnröhre und deren Schwellkörper zeigen hier geschlechtsspezifisches Verhalten.

Grundsätzlich besteht die Clitoris (unter Berücksichtigung der tierartlich charakteristischen Gestaltung des Gesamtorgans) aus den beiden Crura clitoridis. Diese sind beiderseits am Arcus ischiadicus befestigt und streben einander zu. In weiterer Folge vereinigen sie sich zum Corpus clitoridis und sind terminal zu einer Spitzenkappe abgerundet. Dieser Endabschnitt kann bei manchen Tieren auch zu einer richtigen Glans clitoridis (Eichel) ausgeprägt sein.

Das freie Ende der Clitoris wird vom Praeputium clitoridis schutzhaft umgeben. Dessen parietales Blatt kleidet die Fossa clitoridis aus, während das viszerale Blatt den freien Teil der Clitoris überzieht.

Die Klitoris zeigt tierartlich verschiedene Ausprägungsformen sowie Größen auf und sollte daher bei jeder Tierart gesondert betrachtet werden.

2.4 Gefäßversorgung

Die Vulva wird über Zweige der Arteria vaginalis, einen Ast der Arteria pudenda interna versorgt. Neben zahlreichen kleineren Gefäßen für das weibliche Begattungsorgan entlässt diese bei der Ziege und Rind zusätzlich noch eine Arteria perinealis dorsalis, die zum Perineum zieht. Die venöse Drainage erfolgt über gleichnamige Venen.

Zu erwähnen ist, dass die Ausprägung der Arterien (des gesamten Geschlechtsorgans) großen Schwankungen unterliegt - je nachdem, in welcher Zyklusphase das Tier sich gerade befindet. Bei einer bestehenden Gravidität kann bei einer rektalen Untersuchung beim Rind ein Gefäßschwirren ertastet werden. Dieses Schwirren entsteht aufgrund des vermehrten Blutdurchflusses, weshalb es auch zur Trächtigkeitsdiagnose herangezogen wird.

3 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band II: Eingeweide. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.
  • Breit, Sabine, Künzel, Wolfgang. Grundlagen der Reproduktion und Endokrinologie (weiblicher Geschlechtsapparat), WS 2016/17.
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band III: Kreislaufsystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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