Hypoparathyreoidismus (Hund)
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LoslegenSynonyme: Hypoparathyreose, Nebenschilddrüsenunterfunktion, caniner Hypoparathyreoidismus
Englisch: hypoparathyroidism
Definition
Der Hypoparathyreoidismus des Hundes bezeichnet eine verminderte Parathormon-Sekretion, die zu lebensbedrohlichen Hypokalzämien führen kann.
Vorkommen
Ein Hypoparathyreoidismus ist eine äußerst seltene Erkrankung. Es können Hunde jeden Alters (im Mittel ca. 5 Jahre) und beider Geschlechter erkranken, wobei eine Häufung bei Weibchen beobachtet werden kann.
Am häufigsten sind Rassen wie der Toy-Pudel, Zwergschnauzer, Labrador Retriever, Deutscher Schäferhund und verschiedene Terrierrassen betroffen.
Ätiologie
Die genaue Ätiologie ist noch (2026) nicht vollständig geklärt. Mögliche Ursachen sind:
- idiopathisch aufgrund einer Entzündung der Nebenschilddrüsen (Parathyreoiditis)
- neoplastisch mit Zerstörung der Nebenschilddrüsen
- traumatisch mit Verlust von funktionellen Drüsengewebe
- iatrogen nach einer Resektion der Nebenschilddrüsen (Parathyreoidektomie)
Pathogenese
Durch fehlendes oder zerstörtes Nebenschilddrüsengewebe entwickelt sich ein absoluter PTH-Mangel.
Beim idiopathischen Hypoparathyreoidismus kommt es vermutlich aufgrund einer autoimmunen lymphozytären Parathyreoiditis zu einer Atrophie des Nebenschilddrüsengewebes. Dadurch entsteht ein Mangel an PTH, der die Freisetzung von Calcium aus den Knochen sowie seine enterale Resorption und renale Rückresorption herabsetzt.
Da dieser Effekt deutlich stärker ist als die verminderte Phosphatresorption (aus Knochen und Darm), entwickelt sich auch eine klinisch manifeste Hyperphosphatämie.
Klinik
Die Schwere der Erkrankung hängt maßgeblich vom Calciumspiegel, von der Geschwindigkeit des Calcium-Abfalls und vom Säure-Basen-Haushalt ab. Symptome stellen sich häufig bei Calcium-Konzentrationen von unter 1,5 mmol/l bzw. 6,0 mg/dl ein.
Durch den erniedrigten Calciumspiegel kommt es zu einer erhöhten Membranpermeabilität und gesteigerter neuromuskulärer Erregbarkeit. Die klinischen Anzeichen treten dabei entweder ständig oder episodisch auf. Folgende Symptome sind möglich:
- Muskelzittern
- Unruhe, Schreckhaftigkeit
- Aggression
- Verwirrtheit
- Schwäche
- Reiben des Kopfes
- steifer Gang, Ataxie
- Tetanie, tonische Gliedmaßenstarre
- Krämpfe
- Hyperthermie.
Deutlich seltener werden lentikuläre Katarakt, Anorexie, Erbrechen, Durchfall, abdominaler Schmerz sowie Polyurie und Polydipsie beobachtet.
Diagnostik
Die Diagnose wird anhand der typischen Klinik und des erniedrigten PTH-Werts bei gleichzeitig vorliegender Hypokalzämie gestellt. Labormedizinisch finden sich ferner:
- normale Albumin- und Proteinkonzentration
- normale Harnstoff- und Kreatininkonzentration
Differenzialdiagnosen
Mögliche Differenzialdiagnosen sind:
- Hypomagnesiämie
- akute Pankreatitis
- Eklampsie (puerperale Tetanie)
- akute oder chronische Niereninsuffizienz
- schwere Systemerkrankungen
- intestinale Malabsorption
- alimentärer sekundärer Hyperparathyreoidismus
- medulläres Schilddrüsenkarzinom
- ausgedehntes Weichteiltrauma
Therapie
Im Notfall ist 0,5 bis 1,5 ml/kgKG 10%iges Calciumgluconat über 15 bis 30 Minuten intravenös zu verabreichen. Die genaue Dosierung erfolgt nach Wirkung und unter ständiger EKG-Kontrolle. Nach Besserung der Symptome kann auf eine orale Therapie umgestellt werden.
Betroffene Hunde müssen ihr Leben lang eine Vitamin-D-Substitution erhalten. Aufgrund des schnellen Wirkungseintritts und der kurzen biologischen Halbwertszeit ist Calcitriol das Mittel der Wahl. In den ersten 3 bis 4 Tagen beträgt die Dosis 10 bis 15 ng/kgKG BID und wird anschließend auf 2,5 bis 7,5 ng/kgKG BID reduziert. Die Dosierungsangaben sind als Richtwerte anzusehen und müssen nach Effekt und unter Kontrolle des Calciumspiegels angepasst werden. Parallel dazu ist oftmals eine Calcium-Substitution notwendig, wobei der Calciumbedarf im späteren Verlauf häufig über das im Futter verfügbare Calcium gedeckt werden kann.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Komplikationen
Durch die Therapie kann es zu einer iatrogen Hyperkalzämie kommen. Aufgrund dessen ist besonders zu Beginn der Therapie regelmäßig (1 bis 2 mal wöchentlich) der Calciumspiegel zu überprüfen. Nachdem eine stabile Calciumkonzentration erreicht wurde, können die Intervalle der Blutkontrollen verlängert werden.
Quellen
- Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3