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Urinsediment

(Weitergeleitet von Harnsediment)

Synonym: Harnsediment
Englisch: urinary sediment

1 Definition

Das Urinsediment besteht aus den festen, ungelösten Bestandteilen des Harns. Diese Bestandteile kommen teilweise unter physiologischen Bedingungen vor, sind teilweise jedoch auch Hinweis auf einen pathologischen Prozess.

2 Gewinnung

Die Gewinnung und Untersuchung des Urinsediments erfolgt weitgehend standardisiert. 10 ml frischer Urin werden für etwa 5-8 Minuten bei 400 g zentrifugiert. Danach werden vom Überstand 9,5 ml verworfen und der Bodensatz in den verbliebenen 0,5 ml mit einer Pipette aufgenommen. Davon wird ein Tropfen auf einen Objektträger aufgebracht und abgedeckt. Die Betrachtung erfolgt ungefärbt in einem Phasenkontrastmikroskop bei ca. 400facher Vergrößerung. Die Auszählung von Zellen im Sediment wird in einer Zählkammer vorgenommen.

Das Urinsediment kann nach Eintrocknung auf dem Objektträger auch angefärbt werden, um z.B. Zellen oder Bakterien besser zu erkennen. Als Färbemethoden werden unter anderem die Giemsa-Färbung und die Gram-Färbung verwendet.

Beim Addis-Count erfolgt die Uringewinnung unter forcierter Diurese über eine genau festgelegte Zeitspanne. Anschließend folgt eine Zellkammerzählung. Der Addis-Count berechnet sich folgendermaßen:

  • Zellzahl/µl x Urinvolumen [ml] x 1000 / Sammelzeit [min]

3 Referenzbereiche

4 Sedimentbestandteile

4.1 Erythrozyten

Erythrozyten sind in geringer Anzahl meist harmlos, können aber auch auf eine Glomerulonephritis, einen Tumor der Niere oder der Harnwege, auf Harnwegsteine oder eine Verletzung hinweisen.

  • Mengenabschätzung:
    • bis 2 Erys/GF: normal
    • 3-10 Erys/GF: ganz vereinzelt
    • 11-20 Erys/GF: vereinzelt
    • 21-50 Erys/GF: zahlreich
    • > 50 Erys/GF: massenhaft
  • Morphologieänderung:

Die Morphologie der Erythrozyten in der Phasenkontrastmikroskopie gibt Hinweise auf den Ursprung der Störung:

  • glomerulär:
    • Ringformen mit Aus- und Einstülpungen
    • unterschiedliche Entrundungen
  • nichtglomerulär:
    • abhängig von Osmolarität und Aufenthaltsdauer
    • Doppelkontur
    • Stechapfelform
    • Schatten der Erythrozyten

4.2 Leukozyten

Leukozyten können auf Entzündungen der Niere oder der Harnwege hinweisen. Eine Leukozyturie ohne Bakteriurie kann vorliegen bei:

4.3 Epithelien

  • Plattenepithelzellen können vermehrt bei Harnwegsinfektionen auftreten, sind jedoch auch meistens bei gesunden Frauen im Urin zu finden.
  • Urothelzellen deuten zusammen mit einer Leukozyturie oft auf einen entzündlichen Vorgang im Bereich des Nierenbeckens oder der Harnwege hin. Sie sind kleiner als Plattenepithelien und oft "geschwänzt".
  • Nierenepithelzellen treten bei toxischen Schädigungen oder Viruserkrankungen der Niere im Harnsediment auf. Sie haben etwa Leukozytengröße mit großem runden Kern. Runde und polygonale Zellen stammen überwiegend aus der Niere.

4.4 Zylinder

Zylinder sind zusammengelagerte Elemente in Form der Nierentubuli und können aus verschiedenen Stoffen bestehen:

4.5 Kristalle

Salze wie Calciumoxalat, Amorphe Phosphate, Tripelphosphate oder Urate sind diagnostisch in der Regel nicht von Bedeutung. Treten sie vermehrt auf, spricht man von einer Kristallurie. Im sauren Urin liegen gehäuft amorphe Urate, Harnsäurekristalle und Calciumoxalate vor. Dahingegen finden sich im alkalischen Urin insbesondere Phosphate und Calciumcarbonate.

4.6 Weitere Bestandteile

5 Quellen

Laborlexikon.de; abgerufen am 28.05.2021

Diese Seite wurde zuletzt am 30. Mai 2021 um 08:10 Uhr bearbeitet.

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