Mesalazin
Trainier deine Lernmuskeln!
Mit Flash Cards, Quiz und mehr
LoslegenHandelsnamen: Asacol®, Claversal®, u.a.
Synonyme: 5-Aminosalicylsäure, 5-ASA
Englisch: mesalazine, mesalamine, 5-aminosalicylic acid
Definition
Mesalazin ist ein pleiotroper Immunmodulator aus der Gruppe der Aminosalicylate. Es wird bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.
Chemie
Die Summenformel von Mesalazin ist C7H7NO3. Die molare Masse beträgt 153,14 g/mol.
Wirkmechanismus
Mesalazin wirkt vor allem durch die Hemmung des nukleären Transkriptionsfaktors NF-κB, wodurch die Produktion proinflammatorischer Zytokine reduziert wird.[1][2] Darüber hinaus hemmt es die Cyclooxygenase (COX) und die 5-Lipoxygenase (5-LOX), was zu einer verminderten Synthese von Prostaglandinen und Leukotrienen führt. Die Entzündung wird dadurch gestoppt oder gemildert, sodass das Darmepithel die Möglichkeit hat, sich zu regenerieren.
Pharmakokinetik
Mesalazin wird nach oraler Gabe im Dünndarm und Dickdarm freigesetzt, abhängig von der Galenik der jeweiligen Zubereitung. Die Resorption erfolgt überwiegend im oberen Gastrointestinaltrakt; der nicht resorbierte Anteil wirkt lokal im Darmlumen. Die Metabolisierung erfolgt durch Acetylierung in der Darmwand und in der Leber zu N-Acetyl-5-ASA. Die Elimination erfolgt renal und fäkal.
Indikation
Mesalazin wird zur Therapie der Colitis ulcerosa verwendet – sowohl zur Behandlung akuter Schübe als auch zur Remissionserhaltung.[3]
Bei Morbus Crohn hat Mesalazin nur eine eingeschränkte Evidenz und wird in aktuellen Leitlinien nicht als Standardtherapie empfohlen. Sulfasalazin (Verbindung aus Mesalazin und Sulfapyridin) kann bei Morbus Crohn mit Gelenkbeteiligung eingesetzt werden.
Darreichungsform
Da Mesalazin nicht säurefest ist, wird es entweder peroral in säurefesten Kapseln oder peranal als Zäpfchen oder Rektalschaum gegeben. Eine weitere Möglichkeit ist die Gabe als Prodrug, z.B. in Form von Olsalazin (Homodimer aus zwei 5-ASA-Molekülen) oder Balsalazid (gekoppelt an einen inerten Träger), bei denen die Freisetzung im Kolon durch bakterielle Spaltung erfolgt.
Dosierung
Für die Induktion einer aktiven Colitis ulcerosa werden je nach Präparat und Darreichungsform orale Tagesdosen von bis zu 4,8 g eingesetzt.[3] Rektal kommen Suppositorien (bis 1–1,5 g/Tag), Rektalschäume (bis 2 g/Tag) oder Klysmen/Einläufe (bis 4 g/Tag) zur Anwendung.
Bei distal lokalisierter Colitis ulcerosa ist die Kombination aus oraler und rektaler Mesalazintherapie wirksamer als eine alleinige orale Behandlung.
Zur Remissionserhaltung werden folgende Dosierungen verwendet:
- orale Monotherapie: ≥ 2 g/Tag
- rektale Monotherapie: ≥ 1 g/Tag
- oral-rektale Kombinationstherapie: oral 1,6–3 g/Tag plus intermittierende rektale Gabe von 1 bis 4 g Mesalazin zweimal wöchentlich
Ein eindeutiger dosisabhängiger Effekt konnte für die Erhaltungstherapie bislang nicht nachgewiesen werden.
Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.
Nebenwirkungen
- Gastrointestinaltrakt: Nausea, Erbrechen, Diarrhö
- Haut: Pruritus, Exantheme, Alopezie
- Hämatopoese: Leukopenie, Agranulozytose
- Fertilität: Oligospermie, Azoospermie
- Sonstige: Pankreatitis, Pneumonitis, Interstitielle Nephritis
Wechselwirkungen
- Kombination mit Azathioprin oder 6-Mercaptopurin: Mesalazin hemmt die Thiopurinmethyltransferase (TPMT) und kann dadurch die Toxizität dieser Substanzen erhöhen
- Kombination mit Antikoagulanzien vom Cumarintyp: mögliche Abschwächung der antikoagulatorischen Wirkung
Kontraindikationen
- schwere Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
- bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Salicylaten
- Kinder < 2 Jahre
Quellen
- ↑ Bantel et al., Mesalazine inhibits activation of transcription factor NF-kappaB in inflamed mucosa of patients with ulcerative colitis., Am J Gastroenterol, 2000
- ↑ Sonu et al., Clinical pharmacology of 5-ASA compounds in inflammatory bowel disease., Gastroenterol Clin North Am, 2010
- ↑ 3,0 3,1 AWMF - S3-Leitlinie Colitis ulcerosa, Register-Nr. 021-009, 2025