Psoasblock: Unterschied zwischen den Versionen

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''Synonym: Psoaskompartmentblock, Psoaskammerblock, Psoaskompartment-Blockade''<br />
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'''''Englisch:''''' ''psoas compartment block, posterior lumbar plexus block''
'''''Englisch:''''' ''<name lang="en">psoas compartment block</name>, posterior lumbar plexus block''


== Definition ==  
== Definition ==  
Der '''Psoasblock''' ist ein peripheres [[Regionalanästhesie]]verfahren, bei dem die Hauptäste des [[Plexus lumbalis]] im Bereich des [[Musculus psoas major]] durch [[Injektion]] eines [[Lokalanästhetikum]] [[temporär]] [[Anästhesie|anästhesiert]] werden.  
Der '''Psoasblock''' ist ein [[peripher]]es [[Regionalanästhesie]]verfahren, bei dem die Hauptäste des [[Plexus lumbalis]] im Bereich des [[Musculus psoas major]] durch [[Injektion]] eines [[Lokalanästhetikum]]s [[temporär]] ausgeschaltet werden. Einsatz findet der Psoasblock bei [[diagnostisch]]en und [[operativ]]en Eingriffen an der [[Untere Extremität|unteren Extremität]] sowie zur [[Analgesie]] in Form eines [[Schmerzkatheter]]s.
Einsatz findet der Psoasblock bei [[diagnostisch]]en und [[operativ]]en Eingriffen an der [[Untere Extremität|unteren Extremität]] sowie zur [[Analgesie]] in Form eines [[Schmerzkatheter]]s.


== Indikation ==  
== Indikationen ==  
Für eine vollständige Betäubung des Beins ist eine Kombination mit einer [[proximale Ischiadikusblockade|proximalen Ischiadikusblockade]] notwendig. Der Psoasblock wird u. a. verwendet für:
Für eine vollständige Anästhesie des [[Bein]]s ist eine Kombination mit einer [[proximale Ischiadikusblockade|proximalen Ischiadikusblockade]] notwendig. Der Psoasblock wird u.a. verwendet für:
* Operationen am Bein (auch [[Endoprothese]]n)
* [[Operation]]en am Bein (auch [[Endoprothese]]n)
* [[postoperativ]]e Schmerztherapie im [[Kniegelenk]] oder [[Hüftgelenk]]
* [[postoperativ]]e Schmerztherapie im [[Kniegelenk]] oder [[Hüftgelenk]]
* Schmerztherapie bei [[Wundversorgung]] und [[Hauttransplantation]] an der Oberschenkel-Vorderseite.
* Schmerztherapie bei [[Wundversorgung]] und [[Hauttransplantation]] an der [[Oberschenkel]]-Vorderseite.
* Mobilisation (z. B. Frühmobilisation)
* [[Mobilisation]] (z.B. Frühmobilisation)


== Hintergrund ==  
== Hintergrund ==  
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* [[Nervus obturatorius]]
* [[Nervus obturatorius]]
* [[Nervus cutaneus femoris lateralis]]
* [[Nervus cutaneus femoris lateralis]]
Im Gegensatz zur [[Femoralisblockade]] werden hierbei neben dem Femoralisnerv sicher auch die anderen beiden Nerven anästhesiert.
Im Gegensatz zur [[Femoralisblockade]] werden hierbei neben dem Femoralisnerv auch die anderen beiden Nerven anästhesiert.


Im Vergleich zur [[Spinalanästhesie]] und [[Periduralanästhesie]] kommt es zwar zu höheren Plasmaspiegeln der Lokalanästhetika, jedoch bietet diese Form der [[Nervenblockade (untere Extremität)|Nervenblockade der unteren Extremität]] vor allem für Risikopatienten auch Vorteile, wie z. B. eine niedrigere [[Hämodynamik|hämodynamische]] Relevanz und verbesserte Mobilität.
Im Vergleich zur [[Spinalanästhesie]] und [[Periduralanästhesie]] kommt es zwar zu höheren Plasmaspiegeln der Lokalanästhetika, jedoch bietet diese Form der [[Nervenblockade (Untere Extremität)|Nervenblockade der unteren Extremität]] vor allem für Risikopatienten auch Vorteile, wie z.B. eine niedrigere [[Hämodynamik|hämodynamische]] Relevanz und eine verbesserte [[Mobilität]].


Die Bezeichnung „Psoaskompartmentblock“ wird heute nicht mehr verwendet, da die primäre Vorstellung einer den Plexus umgebenden [[Faszie]]nhülle nicht bewiesen wurde.
Die Bezeichnung „Psoaskompartmentblock“ wird heute nicht mehr verwendet, da die primäre Vorstellung einer den Plexus umgebenden [[Faszie]]nhülle nicht belegt ist.


== Vorgehen ==  
== Vorgehen ==  
Für die Durchführung des Psoasblocks wird an die Kanüle ein Nervenstimulator angeschlossen, der kontinuierlich elektrische [[Impuls]]e abgibt. Beim Erreichen des Plexus wird dadurch eine Muskelantwort im [[Musculus quadriceps femoris]] ausgelöst. Über dieses Verfahren kann die Lage kontrolliert werden. Der Einsatz von [[Sonographie]] kann additiv erfolgen, darf jedoch nie ohne einen Nervenstimulator verwendet werden.
===Übersicht===
Für die Durchführung des Psoasblocks wird an die [[Kanüle]] ein Nervenstimulator angeschlossen, der kontinuierlich elektrische [[Impuls]]e abgibt. Beim Erreichen des Plexus wird dadurch eine Muskelantwort im [[Musculus quadriceps femoris]] ausgelöst. Über dieses Verfahren kann die Lage kontrolliert werden. Der Einsatz einer [[Sonographie]] kann additiv erfolgen, darf jedoch nie ohne einen Nervenstimulator verwendet werden.


* Lagerung des Patienten: in Seitenlage mit der zu anästhesierenden Seite nach oben, Beine angezogen, Rücken [[Kyphose|kyphosiert]]
===Einzelschritte===
* [[Lagerung]] des Patienten: in Seitenlage mit der zu anästhesierenden Seite nach oben, Beine angezogen, Rücken [[Kyphose|kyphosiert]]
** Lagerungsalternative: sitzende Position
** Lagerungsalternative: sitzende Position
* Die Punktionsstelle wird mit [[Desinfektionsmittel]] abgewaschen und [[steril]] abgedeckt
* Die Punktionsstelle wird mit [[Desinfektionsmittel]] abgewaschen und [[steril]] abgedeckt
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** leichtes Zurückziehen der Kanüle, Veränderung der Stichrichtung nach [[kranial]] und erneuter Vorschub
** leichtes Zurückziehen der Kanüle, Veränderung der Stichrichtung nach [[kranial]] und erneuter Vorschub
** Punktionstiefe: 2 bis 2,5 cm tiefer als Querfortsatz des 5. LWK bis zum Widerstandsverlust beim Durchdringen der [[Fascia transversalis]] bzw. des [[Musculus quadratus lumborum]]
** Punktionstiefe: 2 bis 2,5 cm tiefer als Querfortsatz des 5. LWK bis zum Widerstandsverlust beim Durchdringen der [[Fascia transversalis]] bzw. des [[Musculus quadratus lumborum]]
* Motorischen Reizantwort: [[Kontraktion]]en des Quadrizeps
* Motorische Reizantwort: [[Kontraktion]]en des Musculus quadriceps femoris
* Injektion von 40 [[Milliliter|ml]] eines mittellang oder lang wirkenden Lokalanästhetikums  
* Injektion von 40 [[Milliliter|ml]] eines mittellang oder lang wirkenden Lokalanästhetikums in die Nähe des Nervs
** nach negativer Aspirationsprobe initiale „Testdosis“ zur Vermeidung einer [[intravasal]]en Injektion
** nach negativer Aspirationsprobe initiale "Testdosis" zur Vermeidung einer [[intravasal]]en Injektion
** erneute Aspiration alle 10 ml
** erneute Aspiration alle 10 ml


Neben der [[Single-Shot-Technik]] ist auch eine Schmerzkatheteranlage möglich. Zum Ausschluss einer [[intrathekal]]en Lage wird hierbei nach Lage des Katheters erneut eine Testdosis über den Katheter vorgenommen. Eine intrathekale Fehllage kann radiologisch ausgeschlossen werden.
Neben der [[Single-Shot-Technik]] ist auch eine Schmerzkatheteranlage möglich. Zum Ausschluss einer [[intrathekal]]en Lage wird hierbei nach Lage des Katheters erneut eine Testdosis über den Katheter vorgenommen. Eine intrathekale Fehllage kann [[radiologisch]] ausgeschlossen werden.


== Komplikationen ==  
== Komplikationen ==  
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* [[Toxisch]]e Reaktionen
* [[Toxisch]]e Reaktionen
** [[Überdosierung]]
** [[Überdosierung]]
** Versehentliche [[intravasal]]e Injektion  
** Versehentliche intravasale Injektion  
** Systemische [[Lokalanästhetika-Intoxikation]]
** Systemische [[Lokalanästhetika-Intoxikation]]
*** [[Zerebral]]e Effekte ([[perioral]]es Kribbeln, [[Sprachstörung]]en, Ohrensausen, [[Bewusstlosigkeit]], [[Krampfanfall]], [[Koma]])
*** [[Zerebral]]e Effekte ([[perioral]]es Kribbeln, [[Sprachstörung]]en, Ohrensausen, [[Bewusstlosigkeit]], [[Krampfanfall]], [[Koma]])
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* [[Allergische Reaktion]] auf Lokalanästhetikum
* [[Allergische Reaktion]] auf Lokalanästhetikum
* [[Gefäßpunktion]] mit [[Blutung]] und [[Hämatom]]
* [[Gefäßpunktion]] mit [[Blutung]] und [[Hämatom]]
* Nervenläsion durch [[Kanüle]] oder [[intraneural]]e Injektion
* Nervenläsion durch Kanüle oder [[intraneural]]e Injektion
** (Temporäre) [[Parästhesie]]n
** (Temporäre) [[Parästhesie]]n
** [[Neurologisch]]e Schäden
** [[Neurologisch]]e Schäden
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== Allgemeine Kontraindikationen ==  
== Allgemeine Kontraindikationen ==  
* [[Allergie]] gegen Lokalanästhetikum
* [[Allergie]] gegen Lokalanästhetikum
* [[Infektion]] oder [[Tumor]]e im Punktionsgebiet
* Infektion oder [[Tumor]]e im Punktionsgebiet
* Ablehnung durch den Patienten
* Ablehnung durch den Patienten
=== Spezielle Kontraindikationen ===  
=== Spezielle Kontraindikationen ===  
* manifeste [[Gerinnungsstörung]]en  
* manifeste [[Gerinnungsstörung]]en  
* [[Peritonitis]]
* [[Peritonitis]]
Eine relative Kontraindikation besteht bei gravierenden [[Wirbelsäule]]nveränderungen.
Eine relative Kontraindikation sind schwere [[Wirbelsäule]]nveränderungen.


== Quellen ==  
== Quellen ==  

Aktuelle Version vom 21. März 2024, 10:13 Uhr

Synonym: Psoaskompartmentblock, Psoaskammerblock, Psoaskompartment-Blockade
Englisch: psoas compartment block, posterior lumbar plexus block

Definition

Der Psoasblock ist ein peripheres Regionalanästhesieverfahren, bei dem die Hauptäste des Plexus lumbalis im Bereich des Musculus psoas major durch Injektion eines Lokalanästhetikums temporär ausgeschaltet werden. Einsatz findet der Psoasblock bei diagnostischen und operativen Eingriffen an der unteren Extremität sowie zur Analgesie in Form eines Schmerzkatheters.

Indikationen

Für eine vollständige Anästhesie des Beins ist eine Kombination mit einer proximalen Ischiadikusblockade notwendig. Der Psoasblock wird u.a. verwendet für:

Hintergrund

Beim Psoasblock werden folgende Nerven des Plexus lumbalis betäubt:

Im Gegensatz zur Femoralisblockade werden hierbei neben dem Femoralisnerv auch die anderen beiden Nerven anästhesiert.

Im Vergleich zur Spinalanästhesie und Periduralanästhesie kommt es zwar zu höheren Plasmaspiegeln der Lokalanästhetika, jedoch bietet diese Form der Nervenblockade der unteren Extremität vor allem für Risikopatienten auch Vorteile, wie z.B. eine niedrigere hämodynamische Relevanz und eine verbesserte Mobilität.

Die Bezeichnung „Psoaskompartmentblock“ wird heute nicht mehr verwendet, da die primäre Vorstellung einer den Plexus umgebenden Faszienhülle nicht belegt ist.

Vorgehen

Übersicht

Für die Durchführung des Psoasblocks wird an die Kanüle ein Nervenstimulator angeschlossen, der kontinuierlich elektrische Impulse abgibt. Beim Erreichen des Plexus wird dadurch eine Muskelantwort im Musculus quadriceps femoris ausgelöst. Über dieses Verfahren kann die Lage kontrolliert werden. Der Einsatz einer Sonographie kann additiv erfolgen, darf jedoch nie ohne einen Nervenstimulator verwendet werden.

Einzelschritte

  • Lagerung des Patienten: in Seitenlage mit der zu anästhesierenden Seite nach oben, Beine angezogen, Rücken kyphosiert
    • Lagerungsalternative: sitzende Position
  • Die Punktionsstelle wird mit Desinfektionsmittel abgewaschen und steril abgedeckt
  • Punktionsstelle: in Höhe des Querfortsatzes des 5. LWK, 3 cm kaudal des 4. LWK und 5 cm lateral der Interspinallinie in Richtung der zu blockierenden Seite
  • Punktionswinkel: im rechten Winkel senkrecht
  • Punktionsdurchführung:
    • Vorschub der Kanüle bis zum Knochenkontakt mit dem Querfortsatz des 5. LWK
    • Punktionstiefe: 5 bis 8 cm
    • leichtes Zurückziehen der Kanüle, Veränderung der Stichrichtung nach kranial und erneuter Vorschub
    • Punktionstiefe: 2 bis 2,5 cm tiefer als Querfortsatz des 5. LWK bis zum Widerstandsverlust beim Durchdringen der Fascia transversalis bzw. des Musculus quadratus lumborum
  • Motorische Reizantwort: Kontraktionen des Musculus quadriceps femoris
  • Injektion von 40 ml eines mittellang oder lang wirkenden Lokalanästhetikums in die Nähe des Nervs
    • nach negativer Aspirationsprobe initiale "Testdosis" zur Vermeidung einer intravasalen Injektion
    • erneute Aspiration alle 10 ml

Neben der Single-Shot-Technik ist auch eine Schmerzkatheteranlage möglich. Zum Ausschluss einer intrathekalen Lage wird hierbei nach Lage des Katheters erneut eine Testdosis über den Katheter vorgenommen. Eine intrathekale Fehllage kann radiologisch ausgeschlossen werden.

Komplikationen

Allgemeine Komplikationen

Spezielle Komplikationen

Kontraindikationen

Allgemeine Kontraindikationen

  • Allergie gegen Lokalanästhetikum
  • Infektion oder Tumore im Punktionsgebiet
  • Ablehnung durch den Patienten

Spezielle Kontraindikationen

Eine relative Kontraindikation sind schwere Wirbelsäulenveränderungen.

Quellen