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Tumorlyse-Syndrom

(Weitergeleitet von Tumor-Lyse-Syndrom)

Synonym: Tumor-Lyse-Syndrom
Englisch: tumor lysis syndrome

1 Definition

Das Tumorlyse-Syndrom, kurz TLS, ist eine häufig lebensbedrohende Stoffwechselentgleisung, die bei plötzlicher Zerstörung einer größeren Anzahl von Tumorzellen auftreten kann, wenn eine große Menge an Metaboliten in den Blutkreislauf gelangt. Prädestiniert für die Entstehung eines Tumorlyse-Syndroms sind schnell wachsende Tumore.

2 Hintergrund

In den meisten Fällen tritt das Tumorlyse-Syndrom als direkte Folge einer Chemotherapie auf. Bei einer Strahlentherapie ist es deutlich seltener zu erwarten, da die malignen Zellen hier langsamer untergehen.

3 Pathogenese

Wie auch normale Körperzellen enthalten Tumorzellen eine Vielzahl von Elektrolyten, Metaboliten und anderen stoffwechselaktiven Verbindungen bzw. Teilchen. Im Rahmen einer Chemotherapie kommt es zu einer plötzlichen Zerstörung vieler Tumorzellen, die durch das Zytostatikum hervorgerufen wird. Als direkte Folge werden massenhaft Inhaltsstoffe der Zellkörper ins Blut freigesetzt und zirkulieren im Kreislauf. Durch die Überflutung des Organismus mit diesen Verbindungen kann es zu einer lebensbedrohlichen Entgleisung des Stoffwechsels kommen. Das durch eine Tumorlyse am stärksten belastete Organ ist die Niere, da diese für die Ausscheidung der meisten Metabolite zuständig ist. Nicht selten ist ein vollkommener Verlust der Nierenfunktion und lebenslange Dialysepflichtigkeit die Folge eines Tumorlyse-Syndroms.

3.1 Auslösende Tumoren

Einige maligne Raumforderungen sind besonders empfindlich gegenüber Zytostatika. Außerdem zeichnen sich diese Krebsarten durch eine sehr schnelle Mitoserate, also schnelles Wachstum aus. Genau bei diesen Typen besteht eine erhöhte Gefahr eines Tumorlyse-Syndroms. Dies trifft insbesondere auf folgende Krebserkrankungen zu:

3.2 Verantwortliche Stoffe

Sehr schädlich für die Niere ist v.a. übermäßig anfallende Harnsäure. Sie entsteht durch die Verstoffwechselung der aus den Tumorzellen stammenden Nukleinsäuren. Des Weiteren steigt durch den Zellzerfall der Kaliumspiegel im Blut. Normalerweise liegt Kalium im Intrazellulärraum zwar in hoher Konzentration vor, im Blutplasma ist es aber nur sehr niedrig konzentriert. Im Gegenzug löst eine starke Tumorlyse einen abrupten Abfall des Kalziumspiegels im Plasma aus. Ferner sieht man einen Anstieg der Lactatdehydrogenase (LDH) und des anorganischen Phosphats.

Im Rahmend des Tumorlyse-Syndrom kommt zu einer starken Schädigung der Nierenfunktion, da die Niere maßgeblich an der Regulation der genannten Stoffe beteiligt ist. Die großen Mengen an anfallender Harnsäure können nicht mehr vollständig über die Niere ausgeschieden werden. Folge ist eine Auskristallisierung der Harnsäure mit anschließender Anreicherung im Nierenparenchym. Folgen können ein Nierenversagen und lebenslange Dialysepflichtigkeit sein.

4 Therapie

  • Gabe von Rasburicase gegen den überhöhten Harnsäurespiegel
  • Ausgleich der aus dem Gleichgewicht geratenen Elektrolyte und Metabolite

5 Prophylaxe

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