Rhythmologie
Definition
Die Rhythmologie ist ein Teilgebiet der Kardiologie, das sich mit der Diagnostik und Therapie von Herzrhythmusstörungen beschäftigt. Dazu zählt die Analyse elektrischer Störungen der kardialen Erregungsbildung und Erregungsleitung unter Anwendung invasiver und nichtinvasiver Verfahren.
Hintergrund
Herzrhythmusstörungen beruhen auf Störungen der Impulsbildung, der Impulsleitung oder auf kombinierten Mechanismen. Beispiele sind Reentry, gesteigerte oder abnorme Automatizität sowie getriggerte Aktivität. Das klinische Spektrum reicht von benignen Extrasystolen bis zu vital bedrohlichen Tachy- oder Bradyarrhythmien. Mit Einführung intrakardialer Ableitungen und programmierter Herzschrittmacherstimulation in den 1960er- und 1970er-Jahren etablierte sich die invasive Elektrophysiologie als eigenständiger Schwerpunkt.
Diagnostik
Die nichtinvasive Diagnostik umfasst Ruhe-EKG, Langzeit-EKG, Event-Recorder und implantierbare Loop-Rekorder. Bildgebende Verfahren dienen der Erfassung struktureller Herzerkrankungen. Mithilfe der elektrophysiologischen Untersuchung (EPU) ist eine differenzierte Bestimmung kardialer Leitungszeiten und die Analyse arrhythmogener Substrate möglich. Elektroanatomische Mapping-Systeme erlauben darüber hinaus dreidimensionale Darstellungen elektrischer Aktivierung und Spannungsverteilung.
Therapie
Therapeutische Strategien umfassen Pharmakotherapie, Katheterablation und implantierbare Systeme. Die Katheterablation dient der Eliminierung arrhythmogener Gewebeformationen. Herzschrittmacher werden bei symptomatischen Bradyarrhythmien eingesetzt. Implantierbare Kardioverter-Defibrillatoren reduzieren das Risiko maligner ventrikulärer Arrhythmien. Die kardiale Resynchronisationstherapie verbessert die ventrikuläre Koordination bei systolischer Dysfunktion.
Häufige Krankheitsbilder
- Vorhofflimmern
- Vorhofflattern
- AV-Knoten-Reentry-Tachykardie (AVNRT)
- AV-Reentry-Tachykardie (AVRT)
- Fokale atriale Tachykardie
- Ventrikuläre Extrasystolen
- Ventrikuläre Tachykardien
- Sick-Sinus-Syndrom
- Atrioventrikuläre Blockierungen
- Bundle-Branch-Reentry-Tachykardie
- Long-QT-Syndrom
- Brugada-Syndrom
- Catecholaminerg polymorphe ventrikuläre Tachykardie (CPVT)
Weiterbildung
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) bietet die Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie an. Sie richtet sich an Fachärzte für Innere Medizin und Kardiologie und dient der strukturierten Vertiefung rhythmologischer Inhalte.
Die Qualifikation umfasst theoretische und praktische Kenntnisse in der invasiven Elektrophysiologie, der Katheterablation sowie der Device-Therapie. Voraussetzung sind dokumentierte Fallzahlen, festgelegte Prozedurenerfahrungen und der Nachweis strukturierter Fortbildungsmaßnahmen. Die DGK-Zertifizierung stellt eine fachgesellschaftliche Qualifikation dar und ist keine kammerrechtliche Zusatzbezeichnung.
Literatur
- G.Breithardt et al., Curriculum Spezielle Rhythmologie, DGK 2012
- DGK: Zusatzqualifikation Spezielle Rhythmologie