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Porzine proliferative Enteropathie (Schwein)

Synonyme: PPE, Porzine proliferative Enteritis
Englisch: porcine proliferative enteropathy, porcine proliferative enteritis

1 Definition

Porzine proliferative Enteropathie, kurz PPE, ist ein Überbegriff verschiedener Infektionskrankheiten beim Schwein.

2 Erreger

Die porzine proliferative Enteropathie wird durch Lawsonia intracellularis ausgelöst. Lawsonia intracellularis ist ein gebogenes, monotrich begeißeltes, motiles und gramnegatives Stäbchenbakterium, das 0,25 bis 0,50 x 1,25 bis 1,75 µm groß ist und sich unter mikroaerophilen Bedingungen strikt intrazellulär vermehrt.

Zu den Virulenzfaktoren zählen Lawsonia-intracellularis-Surface-Antigen (LsaA) sowie Lipopolysaccharide. Die Bakterien kolonisieren und infizieren den Dünndarm - bevorzugt das Ileum.

3 Epidemiologie

Die porzine proliferative Enteropathie betrifft vor allem Schweine in den Altersgruppen von 6 bis 20 Wochen (Absatzferkel und Jungschweine).

Die Einschleppung des Erregers in einen gesunden Bestand erfolgt über Trägertiere (latent infizierte Tiere) und deren Kot. Lawsonia intracellularis befällt auch Ratten, Mäuse, Wildschweine, Pferde und Hunde und kann auch durch diese in einen Betrieb eingebracht werden. Mechanische Vektoren wie z.B. Stiefel oder Treibbretter spielen bei der Verbreitung der Bakterien ebenfalls eine wichtige Rolle.

4 Pathogenese

Die Schweine nehmen die Bakterien oral auf. Im Gastrointestinaltrakt dringen diese dann in die Epithelzellen der Darmschleimhaut des Ileums, aber auch des Jejunums, des Caecums und des Colons, ein. Innerhalb der Zellen findet im Zytoplasma eine rasche Vermehrung der Erreger statt.

Je nach Altersgruppe, Pathomechanismus und Verlaufsform können vier verschiedene Krankheitsbilder entstehen:

5 Klinik

Das klinische Bild hängt von der Verlaufsform ab und muss bei der jeweiligen Erkrankung genauer nachgelesen werden. Im folgenden Abschnitt sind die wichtigsten Symptome der einzelnen Krankheitsbilder aufgelistet.

Die proliferative hämorrhagische Enteropathie ist durch ein perakutes Verenden der Tiere gekennzeichnet. Aufgrund eines Kreislaufversagens (hypovolämischer Schock) oder plötzlich einsetzender, blutig-teerartiger Diarrhö liegen die Tiere fest, zeigen Schwäche, Anorexie und Inappetenz. Sie wirken apathisch, sind anämisch und versterben ohne Behandlung innerhalb weniger Stunden. Die Mortalitätsrate beträgt etwa 50 %.

Bei einer porzinen intestinalen Adenomatose kommt es zu unspezifischer Diarrhö mit wechselnder Kotkonsistenz sowie Kotfarbe (pastös bis wässrig, zementfarbig, ohne Blut- und Schleimbeimengungen). Die Tiere sind inappetent, kümmern, wachsen innerhalb einer Gruppe auseinander und haben selten Fieber. Die Morbidität kann hoch sein, wobei die Mortalität gering ist. Erkrankte Tiere erholen sich innerhalb von 4 bis 10 Wochen nach dem Auftreten der ersten Symptome - die Mastdauer kann jedoch häufig verlängert sein.

Die nekrotisierende Enteritis kann sich aus einer subklinischen oder akuten Verlaufsform entwickeln. Bei stärkeren Läsionen der Darmwand zeigen die Schweine oft ausgeprägtere Störungen des Allgemeinbefindens. Die Tiere kümmern und entwickeln teilweise eine Diarrhö.

Bei der regionalen Ileitis ist der Erkrankungsprozess auf das Ileum beschränkt. Die Tiere zeigen massives Kümmern und leiden gelegentlich an Diarrhö.

6 Diagnose

Die Verdachtsdiagnose wird anhand des klinischen Bildes und des Alters der betroffenen Tiere gestellt. Durch weiterführende pathologische Untersuchungen kann die genaue Erkrankung diagnostiziert werden. Frisch verendete oder euthanasierte Schweine sollten hierzu pathohistologisch untersucht werden. Durch Tupfer- oder Organproben kann ein kultureller Nachweis (schwierig) oder eine PCR durchgeführt und der Erreger identifiziert werden.

7 Differenzialdiagnosen

8 Therapie

Die antibiotische Therapie muss über mindestens 21 Tage über Futter oder Wasser erfolgen. Akut erkrankte Tiere werden parenteral behandelt.

Wichtig bei der Wahl des Antibiotikums ist, dass der Arzneistoff sich auch intrazellulär anreichern kann. Als gut wirksame Wirkstoffe haben sich Lincomycin, Tylosin, Tiamulin, Valnemulin und Tetrazykline erwiesen. Lawsonia intracellularis kann nur schwer angezüchtet werden, weshalb Antibiogramme nur in den seltensten Fällen durchgeführt werden können. Da bislang kaum Resistenzprobleme beobachtet wurden, gestaltet sich die Therapie relativ einfach.

9 Prophylaxe

  • Rein-Raus-Verfahren
  • fachgerechte Stallreinigung und anschließende Desinfektion
  • Zukauf von Schweinen aus möglichst wenigen Herkunftsbetrieben
  • Schädlings- und Schadnagerbekämpfung
  • Aufbau einer Bestandsimmunität durch Impfmaßnahmen (Schluckimpfung)

10 Literatur

  • Skriptum, Universitätsklinik für Schweine. Veterinärmedizinische Universität Wien. Lawsonia intracellularis. Version 1.
  • Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.
  • VO-Unterlagen, Institut für Mikrobiologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Krankheiten der Harn- und Verdauungsorgane sowie Stoffwechselkrankheiten I. Bakterielle Erkrankungen - Verdauungstrakt der Schweine.

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