Krankheit
Synonyme: Erkrankung, Morbus, Nosos, Pathos
Englisch: disease
Definition
Eine Krankheit bzw. Erkrankung ist eine Störung der normalen physischen oder psychischen Funktionen, die einen Grad erreicht, der die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden eines Lebewesens subjektiv oder objektiv wahrnehmbar negativ beeinflusst.
Sozialversicherungsrechtlich wird unter Krankheit das Vorhandensein einer Störung verstanden, die eine Behandlung im Sinne von medizinischer Therapie und Krankenpflege erfordert und eine Arbeitsunfähigkeit zur Folge hat.
In der Medizintheorie unterscheidet man zwischen normativem Krankheitsbegriff und deskriptivem Krankheitsbegriff.
Terminologie
Bei Menschen, die an einer Krankheit leiden, spricht man von Erkrankten. Das entsprechende Adjektiv ist krank.
Abgrenzung
Krankheit und ihr Gegenpol, die Gesundheit sind keine scharf abgrenzbaren Zustände, sondern bilden die Grenzen eines Kontinuums ab, in dem sich Zwischenzustände wie Leistungsminderung, Unwohlsein oder Befindlichkeitsstörung ansiedeln.
Einteilung
...nach Systematiken
Die Einteilung der Krankheiten kann grob organbezogen nach den Hauptdiagnosegruppen (MDC - Major Diagnostic Categories) erfolgen. Genauer erfolgt sie entsprechend der ICD-10- oder ICD-11-Klassifikation, bzw. für den onkologischen Bereich entsprechend der Internationalen Klassifikation der Krankheiten für die Onkologie (ICD-O). In Lehrbüchern findet man weitere Systematiken, die sich am klinischen Bild oder an der Histopathologie ausrichten.
Krankheitssystematiken unterliegen einem ständigen Review, da durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse Zusammenhänge aufgedeckt werden, die eine abweichende Einordnung notwendig machen. So können Krankheiten unbekannter Ursache z.B. einem bestimmten Gendefekt zugeordnet werden.
...nach Umfang
Krankheiten können lokal begrenzt sein, sich auf einzelne oder mehrere Organe, auf Organsysteme oder auf den gesamten Organismus auswirken. Man unterscheidet:
...nach Ursachen
Eine weitere, grobe Einteilung kann nach der Ursache der Krankheit erfolgen, z.B. in
- Erbkrankheiten
- Infektionskrankheiten
- Unfälle bzw. Traumen
- Degenerative Erkrankung
- Myeloproliferative Erkrankung
- Autoimmunkrankheiten
- Tumorkrankheiten
- Intoxikationen
- etc.
...nach betroffenem Organ
Ein wichtiges Merkmal zur Unterscheidung von Krankheiten ist ihre Organlokalisation, die sich auch in der Unterteilung der verschiedenen medizinischen Fachgebiete widerspiegelt. Diese Einteilung ist jedoch in vielen Fällen nicht trennscharf, da Erkrankungen mehrere Organe betreffen können und Störungen eines Organs oft auch den Gesamtorganismus beeinträchtigen.
- Lungenerkrankung
- Herzerkrankung
- Nierenerkrankung
- Lebererkrankung
- Gefäßerkrankung
- Hauterkrankung
- Augenerkrankung
- Parodontalerkrankung
...nach betroffenem Gewebe oder Gewebeabschnitt
...nach Fokus
Steht eine Begleiterkrankung in kausalem Zusammenhang mit der Grunderkrankung, spricht man von einer Folgeerkrankung.
...nach zeitlichem Verlauf
Aus der klinischen Beobachtung einer Krankheit kann eine weitere Einteilung nach dem Krankheitsverlauf erfolgen, unter anderem in
- akute Erkrankungen - plötzlich beginnend
- chronische Erkrankungen - länger verlaufend
...nach Auftreten
- kongenitale Erkrankung - die Krankheit besteht seit der Geburt, ist also angeboren
- erworbene Erkrankung - die Krankheit tritt erst im Laufe des Lebens auf
...nach therapeutischen Optionen
- behandelbar (therapierbar)
- nicht behandelbar (therapieresistent)
...nach Prognose
Auch die Prognose bzw. die Heilungsaussichten einer Krankheit können zu ihrer Einteilung dienen.
- spontan heilend
- durch Behandlung heilbar
- unheilbar
Krankheiten, die einen starken Gewichtsverlust und eine zunehmende Schwäche des Organismus verursachen, nennt man konsumierende Erkrankungen.
Verbreitung von Krankheiten
Mit der Verbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung beschäftigt sich die Epidemiologie. Die Häufigkeit einer Erkrankung, bezogen auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe, nennt man Morbidität. Weitere wichtige Parameter sind die Inzidenz und Prävalenz von Erkrankungen sowie ihre Mortalität.
Krankheitsursachen
Die Krankheitsursachen sind mannigfaltig und umfassen Gendefekte, Toxine, Mikroorganismen, Über- und Fehlbelastungen, Ernährungsfaktoren und vieles andere mehr. Sie werden unter dem Begriff der Ätiologie zusammengefasst. Den genauen Prozess der Entstehung bzw. Manifestation einer Krankheit bezeichnet man davon abgegrenzt als Pathogenese.
Bei vielen Krankheiten kann man keine einzelne Ursache dingfest machen, sodass man Risikofaktoren herauszuarbeiten versucht (siehe z.B. Herzinfarkt). Mittels Symptomatologie und verschiedensten Diagnoseverfahren wird versucht, ein spezifisches oder unspezifisches Beschwerdebild einer Diagnose zuzuführen.
Krankheitsverlauf
Erkrankungen gehen oft subklinische Zustände voraus, die mit dem Begriff Prodromalstadium bezeichnet werden. Erst mit dem Krankheitsausbruch werden sie symptomatisch. Sie können aber auch lange Zeit latent und asymptomatisch verlaufen.
Anhängig vom Immunsystem und den Reparaturfähigkeiten des Körpers kann eine Krankheit vollständig oder teilweise ausheilen. In letzterem Fall spricht man von einer Defektheilung. Tritt keine Heilung ein, kommt es zu einer Chronifizierung. Chronische Krankheiten sind häufig durch wechselhafte Verläufe mit Episoden der Besserung (Remission) oder Verschlechterung (Exazerbation bzw. Rezidiv) gekennzeichnet. Gelingt es nicht, die Krankheit therapeutisch einzudämmen, kommt es zur Progression, die in letzter Konsequenz zum Tod führt.
Krankheitsfolgen
Leichte Krankheiten beeinflussen die Biographie nicht wesentlich. Schwere oder chronische Krankheiten wirken sich hingegen negativ aus. Neben biologischen Schäden und Funktionsverlusten führen sie zu psychischen Belastungen, sozialen Nachteilen und ökonomischen Konsequenzen – oft in einer negativen Rückkopplungsspirale.
Demgegenüber steht ein möglicher Krankheitsgewinn.
Psychische Aspekte
Die psychische Auseinandersetzung mit der eigenen Erkrankung fasst man unter dem Begriff Krankheitsverarbeitung zusammen. Von ihm abgegrenzt wird die stärker handlungsorientierte Krankheitsbewältigung.