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Epididymoorchitis (Hund)

Englisch: epididymoorchitis

1 Definition

Als Epididymoorchitis bezeichnet man die gleichzeitige Entzündung des Hodens (Orchis) und des Nebenhodens (Epididymis) beim Hund.

2 Ätiologie

Eine Epididymoorchitis entsteht häufig aufgrund einer bakteriellen Funikulitus (Samenstrangentzündung) oder durch retrograde Erregerausbreitung, ausgehend von kontaminiertem Urin oder bakterienhaltigem Prostatasekret. Selten kommt es durch ein direktes Trauma zu einer Epididymoorchitis.

Da die Gangsysteme von Hoden und Nebenhoden miteinander in offener Verbindung stehen, sind im Falle einer Entzündung meist beide Organe gleichzeitig betroffen. Ist nur der Hoden allein betroffen oder gar nur der Nebenhoden entzündet, spricht von einer Orchitis bzw. Epididymitis. Meistens ist die Entzündung auf eine Seite (unilateral) beschränkt.

Das Erregerspektrum umfasst hauptsächlich unspezifische, an Prostata- und Harnwegsinfektionen beteiligte Keime wie z.B.:

Selten kommt es zu einer spezifischen Genitalinfektion mit Brucella canis.

3 Klinik

Akute Hoden- sowie Nebenhodenentzündungen sind stets sehr schmerzhaft. Das Skrotum ist meist stark ödematisiert, weshalb die verschiedenen anatomischen Strukturen palpatorisch nicht mehr abgrenzbar sind. Aus diesem Grund ist eine Unterscheidung zwischen Orchitis, Epididymitis und primärer Entzündung des Skrotums oft nicht möglich.

Betroffene Rüden zeigen ein mühsames und breitbeiniges Gangbild, belecken das Skrotum, verweigern das Futter (Inappetenz bis Anorexie), sind apathisch und haben Fieber. Das Blutbild ist durch eine deutliche Neutrophilie mit Linksverschiebung gekennzeichnet.

4 Differenzialdiagnosen

Bei akut schmerzhaften Hoden muss stets an eine Hodentorsion gedacht werden. Diese geht jedoch weder mit hohem Fieber oder Leukozytose einher. Während bei einer infektiösen akuten Orchitis neutrophile Granulozyten das Bild im zytologischen Präparat dominieren, sind bei einer Hodentorsion hauptsächlich Erythrozyten und Leukozyten ohne toxische Veränderungen nachweisbar.

Weitere Differenzialdiagnosen sind:

5 Diagnose

Da eine Spermagewinnung meist nicht möglich ist, versucht man die Keime im Hoden- oder Nebenhoden-Feinnadelaspirat oder in einer Prostatasekretprobe (durch Massage) zu isolieren. Mittels Ultraschalluntersuchung des Hodens und Nebenhodens kann manchmal eine Abzesshöhle als echoarme Zone abgegrenzt werden, die ebenfalls gezielt punktiert werden kann.

6 Therapie

Da erkrankte Rüden oft starke Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens zeigen und an hochgradigen Schmerzen leiden, ist unverzüglich eine Infusionstherapie einzuleiten. Die Tiere sind mit NSAIDs und initial mit einem Breitspektrumantibiotikum oder einer Doppelantibiose (Enrofloxacin und Ampicillin) zu versorgen, bis das Ergebnis des Antibiogramms vorliegt.

Sobald das Fieber zurückgegangen ist, wird der Rüde beidseitig kastriert.

7 Prognose

Eine beidseitige Orchitis führt in den meisten Fällen zur Infertilität, da das spermiogene Epithel durch die lokale Hyperthermie und durch immunologische Prozesse nach Aufhebung der Blut-Hoden-Schranke in der akuten Entzündungsphase irreversibel geschädigt wird.

Ebenso führt eine beidseitige Epididymitits zur Infertilität, da der Nebenhodengang vorerst durch Detritusmaterial, später durch Narbenbildung obstruiert wird und daher die Spermien gar nicht mehr in die Urethra gelangen können.

8 Literatur

  • Hans G. Niemand (Begründer), Peter F. Suter, Barbara Kohn, Günter Schwarz (Herausgeber). Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Enke-Verlag, 2012.

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