Chemsex
von englisch: "chem" - Droge (Slang)
Definition
Chemsex bezeichnet Geschlechtsverkehr unter dem Einfluss psychoaktiver Substanzen. Er wird vor allem in MSM-Communities praktiziert und ist mit psychischen und körperlichen Gesundheitsrisiken verbunden.
Epidemiologie
Metaanalysen gehen in westlichen Industrienationen von einer hohen Prävalenz von 10 bis 30% in MSM-Communities aus.[1][2]
Wirkstoffe
Beim Chemsex finden verschiedene Substanzgruppen aus den Gruppen der psychoaktiven Substanzen und der neuen psychoaktiven Substanzen Anwendung:[3]
| Wirkstoffklasse | Häufige Wirkstoffe | Wirkung | Risiko |
|---|---|---|---|
| Stimulanzien | Methamphetamin (Crystal Meth), Kokain | Euphorie, Hyperaktivität, Hypersexualität | Psychosen, Herz-Kreislauf-Schäden, Neurotoxizität, Abhängigkeit |
| Empathogene | Mephedron, MDMA/Ecstasy, Methylon | Empathie, emotionale Nähe, Enthemmung | Serotoninsyndrom, Hyperthermie |
| Psychedelika | 2C-B | Wahrnehmungsstörungen, Halluzinationen | Angstzustände, Paranoia, Überdosierungsrisiko |
| Dissoziativa | Ketamin | Dissoziation („K-Hole“), Analgesie | Urozystitis, Bewusstseinsstörungen |
| Narkotikum | GHB/GBL | Sedierung, Euphorie, Libidosteigerung | Überdosierung, Koma, starke Abhängigkeit |
| Opioide | Heroin, Fentanyl | Sedierung, Entspannung | Atemstillstand, Toleranzentwicklung |
| Antikonvulsiva | Pregabalin | Euphorie, Sedierung | Atemdepression |
| Cannabinoide | Cannabis, synthetische Cannabinoide | Entspannung, sensorische Verstärkung | Psychosen (bei Vulnerabilität), Kognitive Beeinträchtigung |
Gesundheitsrisiken
Wechselwirkungen
Der Drogenkonsum im Rahmen von Chemsex findet häufig als Mischkonsum statt, wobei schwer kalkulierbare Wechselwirkungen auftreten können. Ein Beispiel ist der starke Blutdruckabfall, der bei einer Kombination von PDE5-Inhibitoren und Poppers auftreten kann.
Psychische Erkrankungen
Bei Personen, die Chemsex praktizieren, wird eine hohe Prävalenz von Depression (ca. 60% bei wöchentlicher Praktizierung) berichtet, außerdem werden Angststörungen und Suizidalität beschrieben, wobei Richtung und Stärke der Korrelation unklar ist.[3]
Sexuelle Funktionsstörungen
Chemsex wird mit Erektionsstörungen und reduzierter sexueller Zufriedenheit in Verbindung gebracht.
Suchtentwicklung
Chemsex gilt als Risikofaktor für die Entwicklung von Suchterkrankungen. Hierbei spielen soziale Faktoren eine Rolle, aber auch das abhängigkeitsinduzierende Zusammenspiel von Drogenkonsum und Sexualität.
Infektiologie
Durch sexuelle Enthemmung kommt es vermehrt zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr und wechselnden Geschlechtspartnern, was zu einem erhöhten Risiko für die Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten und einer höheren Inzidenz von HIV in Chemsex-Communities führt.[1]
Weblinks
- Beratungsangebot: ChemSex - Sex unter Drogen (Universitätsklinikum Tübingen)
- Beratungsangebot: Chemsex-Sprechstunde (LVR-Universitätsklinik Essen)
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 (2024)"Sexualized Drug Use and Chemsex among Men Who Have Sex with Men in Europe: A Systematic Review and Meta-Analysis". International Journal of Environmental Research and Public Health21(7): 848. PMID 38542036.
- ↑ (2025)"Prevalence of Sexualized Substance Use and Chemsex in the General Population: A Systematic Review and Meta-Analysis". Journal of Clinical Medicine14(8): 2345. PMID PMC12026793.
- ↑ 3,0 3,1 (2025)"Mental Health and Drug Use Patterns Among Men Who Have Sex With Men Participating in Chemsex in the UK". Substance Use & Misuse. PMID PMC11988696.