Bridenileus
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Loslegenvon französisch: brider - zügeln, zusammenbinden
Synonyme: Adhäsionsileus, adhäsiver Dünndarmileus, Bridenobstruktion
Englisch: adhesive small bowel obstruction, ASBO
Definition
Der Bridenileus ist ein mechanischer Ileus, der durch bindegewebige Adhäsionen oder Briden in der Peritonealhöhle entsteht. Die betroffenen Darmabschnitte werden durch Zug, Abknickung, Kompression oder Strangulation so beeinträchtigt, dass die Darmpassage partiell oder vollständig behindert ist.
- ICD10-Code: K56.5 - Intestinale Adhäsionen (Briden) mit Ileus
Hintergrund
Der Bridenileus ist eine wichtige Spätkomplikation nach abdominalchirurgischen Eingriffen. Besonders häufig ist der Dünndarm betroffen. Das klinische Spektrum reicht von einer passageren partiellen Obstruktion bis zur strangulierenden Obstruktion mit Ischämie, Nekrose und Perforation.[1]
Ätiologie
Briden entstehen überwiegend nach einer lokalen Schädigung des Peritoneums. Häufige Auslöser sind:
- Laparotomie oder Laparoskopie
- intraabdominelle Entzündung, z.B. Peritonitis, Appendizitis oder Divertikulitis
- intraabdominelle Blutung
- Gewebeischämie oder thermische Gewebeschädigung
- Fremdmaterial, z.B. Nahtmaterial oder Talkum
- Endometriose
- intraabdominelle Bestrahlung
Individuelle Faktoren können die Adhäsionsbildung beeinflussen. Eine rein genetische Ursache ist jedoch nicht belegt und erklärt den Bridenileus nicht ausreichend.
Einteilung
Der Bridenileus kann nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden:
...nach Ausmaß
- partieller Bridenileus
- kompletter Bridenileus
...nach Gefährdung der Darmwand
- einfacher Bridenileus ohne Durchblutungsstörung
- strangulierender Bridenileus mit Ischämierisiko
...nach Verlauf
- akuter Bridenileus
- rezidivierender Bridenileus
Symptome
Die Symptome entsprechen denen eines mechanischen Ileus. Typisch sind:
- kolikartige Abdominalschmerzen
- Übelkeit und Erbrechen
- Meteorismus
- Stuhl- und Windverhalt
- geblähtes, druckschmerzhaftes Abdomen
- gesteigerte, später abgeschwächte oder fehlende Darmgeräusche
- Zeichen der Exsikkose und Elektrolytstörung
Fieber, kontinuierliche Schmerzen, Abwehrspannung, Tachykardie, Leukozytose, Laktatazidose oder hämodynamische Instabilität sprechen für eine komplizierte Obstruktion mit möglicher Ischämie, Nekrose oder Perforation.
Diagnostik
Klinische Untersuchung
Die klinische Untersuchung umfasst die Beurteilung von Allgemeinzustand, Kreislauf, Flüssigkeitshaushalt und Abdomenbefund. Wichtig sind Hinweise auf Peritonismus, Hernien, Operationsnarben und Zeichen einer Sepsis.
Labor
Laboruntersuchungen dienen vor allem der Einschätzung von Schweregrad und Komplikationen. Relevante Parameter sind:
Normale Laborwerte schließen eine Strangulation oder Ischämie nicht sicher aus.
Bildgebung
Die wichtigste bildgebende Methode bei Verdacht auf Bridenileus ist die Computertomographie des Abdomens mit Kontrastmittel, sofern keine Kontraindikation besteht. Sie kann Obstruktionshöhe, Übergangszone, Schweregrad und Hinweise auf Ischämie oder Perforation darstellen.[1]
Konventionelle Abdomenaufnahmen können dilatierte Darmschlingen und Spiegelbildungen zeigen, sind aber weniger aussagekräftig als die CT. Die Sonographie kann ergänzend eingesetzt werden, insbesondere zur schnellen Beurteilung dilatierter Darmschlingen, freier Flüssigkeit und Peristaltik.
Differentialdiagnosen
Wichtige Differentialdiagnosen sind:
- paralytischer Ileus
- Hernie mit Inkarzeration
- Volvulus
- Invagination
- Darmtumor
- entzündliche oder narbige Stenose, z.B. bei Morbus Crohn
- Gallensteinileus
- Ogilvie-Syndrom
- Mesenterialischämie
Therapie
Die Therapie richtet sich nach klinischem Zustand, Obstruktionsgrad und Zeichen einer Komplikation.
Konservative Therapie
Bei stabilem Patienten ohne Hinweis auf Strangulation, Ischämie, Peritonitis oder Perforation kann zunächst ein konservativer Therapieversuch erfolgen. Dazu zählen:
- stationäre Überwachung
- Nahrungskarenz
- intravenöse Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution
- Analgesie
- antiemetische Therapie
- Magensonde bei relevantem Erbrechen oder ausgeprägter Magendilatation
- engmaschige klinische und laborchemische Reevaluation
Wasserlösliches Kontrastmittel kann diagnostisch und prognostisch eingesetzt werden. Erreicht das Kontrastmittel den Dickdarm innerhalb von 24 Stunden, spricht dies für eine hohe Wahrscheinlichkeit der spontanen Lösung der Obstruktion.[1]
Operative Therapie
Eine operative Therapie ist indiziert bei:
- klinischem Verdacht auf Strangulation oder Darmischämie
- Peritonitis
- Perforationsverdacht
- hämodynamischer Instabilität
- kompletter Obstruktion mit fehlender Besserung
- Versagen der konservativen Therapie
- rezidivierendem Bridenileus mit relevanter Morbidität
Operativ erfolgt eine Adhäsiolyse. Je nach Befund kann sie laparoskopisch oder offen durchgeführt werden. Nicht vitaler Darm muss reseziert werden. Bei jeder Operation ist zu berücksichtigen, dass durch erneute Peritonealtraumatisierung weitere Adhäsionen entstehen können.
Komplikationen
Mögliche Komplikationen des Bridenileus sind:
Prognose
Die Prognose hängt vom Allgemeinzustand des Patienten, vom Ausmaß der Obstruktion und vom Vorliegen einer Strangulation oder Ischämie ab. Unkomplizierte partielle Bridenileusformen können sich unter konservativer Therapie zurückbilden. Nach konservativer wie auch nach operativer Therapie sind Rezidive möglich.
Prävention
Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist eine gewebeschonende Operationstechnik mit sorgfältiger Hämostase, Vermeidung von Fremdmaterial, Reduktion von Gewebeischämie und konsequenter Infektkontrolle. In ausgewählten Fällen können Adhäsionsbarrieren eingesetzt werden. Ihr Nutzen hängt von Operationsart, Risikoprofil und korrekter Anwendung ab.[2]
Quiz
Bildquelle
- Bildquelle für Flexikon-Quiz: © Pixabay / Pexels
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 1,2 Ten Broek RPG et al. Bologna guidelines for diagnosis and management of adhesive small bowel obstruction (ASBO): 2017 update of the evidence-based guidelines from the World Society of Emergency Surgery ASBO working group. World J Emerg Surg. 2018;13:24.
- ↑ Brüggmann D et al. Intraabdominale Adhäsionen: Definition, Entstehung, Bedeutung in der operativen Medizin und Möglichkeiten der Reduktion. Dtsch Arztebl Int. 2010;107(44):769-775.