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Gallensteinileus

Englisch: gall-stone ileus

1 Definition

Der Gallensteinileus ist eine seltene Komplikation der Cholelithiasis, bei der ein Gallenstein in den Gastrointestinaltrakt gelangt und dort einen mechanischen Ileus hervorruft.

2 Epidemiologie

Der Gallensteinileus macht circa 3% aller mechanischen intestinalen Obstruktionen aus. Betroffen sind meist ältere und multimorbide Patienten. Die Erkrankung manifestiert sich bevorzugt beim weiblichen Geschlecht.

3 Pathogenese

Der Gallenstein gelangt physiologisch über den Ductus choledochus oder in circa 80% der Fälle über eine biliodigestive Fistel in den Gastrointestinaltrakt. Diese ist eine mögliche Komplikation einer chronischen Cholezystitis, bei der es durch einen fortschreitenden Entzündungsprozess zur Arrosion der Gallenblasenwand und nachfolgend zu einer Perforation in Nachbarorgane kommt. Die biliodigestive Fistel kann sich in alle angrenzenden Hohlorgane ausbilden, am häufigsten liegt allerdings eine cholezystoduodenale Fistel vor.

Nach Gallensteinübertritt kann dieser eine entzündliche Stenose im Duodenum und im Rahmen des Bouveret-Syndroms eine konsekutive Pylorusstenose hervorrufen. Alternativ wird das Konkrement über die Darmperistaltik weitertransportiert und löst dann an physiologischen Engstellen den Gallensteinileus aus. Prädilektionsstelle für die Darmobstruktion ist das terminale Ileum vor der Bauhin-Klappe.

4 Klinik

Abhängig von Ausprägungsgrad und Lokalisation der Erkrankung können die folgenden Symptome auftreten:

5 Diagnostik

In der Abdomenübersichtsaufnahme ist die sogenannte Riegler-Trias aus Aerobilie der Gallengänge, ektopem Gallenstein und Dünndarmileus beweisend. Mittels abdominalem CT können eventuell ergänzend die entzündlichen Veränderungen der Gallenblase sowie die biliodigestive Fistel dargestellt werden. Das Mehrschicht-CT hat zudem eine hohe Sensitivität hinsichtlich der Detektion von Darmobstruktionen. Auskultatorisch ist ein mechanischer Ileus durch eine Hyperperistaltik gekennzeichnet. Laborchemisch ist ein CRP-Anstieg, ein Vitamin-K-Mangel und ggf. eine Leukozytose hinweisend.

6 Therapie

Zur Vermeidung lebensbedrohlicher Komplikationen besteht bei einem Gallensteinileus die Indikation zur notfallmäßigen Operation. Es erfolgt eine Steinextraktion nach Enterotomie. Die Operationsletalität liegt bei circa 10%. Bei Ischämie oder Perforation von Darmabschnitten ist eine Segmentresektion notwendig. In einem zweiten Elektiveingriff kann eine Fistelsanierung und ggf. eine Cholezystektomie zur Rezidivverhinderung vorgenommen werden.

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