Talkum
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LoslegenSynonyme: Talk, Steatit, Speckstein, Magnesiumsilikathydrat
Englisch: talc
Definition
Talkum ist ein Schichtsilikat (Phyllosilikat) mit der chemischen Summenformel Mg3[Si4O10(OH)2].
Abgrenzung
Talkum ist nicht zu verwechseln mit Talg.
Chemie
Talkum gehört zu den 2:1-Schichtsilikaten (TOT-Struktur): Zwischen zwei tetraedrischen Silikatschichten liegt eine oktaedrische Magnesiumhydroxidschicht. Die einzelnen TOT-Schichten sind untereinander nur durch schwache Van-der-Waals-Kräfte verbunden, wodurch sie leicht gegeneinander verschiebbar sind.
Eigenschaften
Talkum ist mit einer Mohshärte von 1 das weichste bekannte Mineral und dient als Referenzpunkt der Mohs-Härteskala. Es fühlt sich fettig-seifig an, ist wasserabweisend (hydrophob), chemisch weitgehend inert, elektrisch schlecht leitend und thermisch stabil. Die Farbe reicht von weiß über grau bis grünlich, je nach Verunreinigung.
Vorkommen/ Herstellung
Talkum entsteht metamorph durch hydrothermale Umwandlung magnesiumreicher Gesteine wie Serpentinit oder dolomitischer Kalksteine. Größere Lagerstätten finden sich u.a. in China, Indien, Brasilien und den USA. Für medizinische und pharmazeutische Zwecke wird das gewonnene Rohmaterial gemahlen, gereinigt und auf definierte Korngröße sowie Asbestfreiheit geprüft.
Anwendungsgebiete
Außerhalb der Medizin wird Talkum breit eingesetzt, u.a.:
- als Füll- und Beschichtungsstoff in der Papierindustrie
- als Additiv in Kunststoffen, Farben und Keramik
- in kosmetischen Produkten
Medizinische Bedeutung
Talkum wird in der Medizin u.a. wie folgt eingesetzt:
- Pleurodese. Das hierfür verwendete Talkum wird speziell hergestellt, ist steril, garantiert asbestfrei und besitzt eine definierte Korngröße, um die Migration des Talkumpulvers in andere Gewebe zu vermeiden.
- Gleitmittel bei der Tablettenherstellung
- Pudergrundlage
Toxikologie
Bereits in den 1970er Jahren wurden in Talkumproben Asbestfasern nachgewiesen.[1] Talkum, das mit Asbest kontaminiert ist, wird von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) bereits seit 1987 als karzinogen für den Menschen (Gruppe 1) eingestuft. Diese Einstufung wurde bei der jüngsten Neubewertung nicht verändert.[2] Die perineale Anwendung von Körperpuder auf Talkbasis wurde 2006 (Sitzung) bzw. 2010 (Veröffentlichung als Volume 93) von der IARC als möglicherweise krebserregend (Gruppe 2B) eingestuft, während nicht asbesthaltiges Talkum allgemein zunächst nicht klassifiziert war (Gruppe 3).[3] Nach einer erneuten Bewertung durch eine IARC-Arbeitsgruppe im Jahr 2024 wurde nicht-asbesthaltiges Talkum in der 2025 veröffentlichten Monographie Volume 136 in die Gruppe 2A (wahrscheinlich krebserregend für den Menschen) hochgestuft. Ausschlaggebend waren vor allem epidemiologische Daten zum Zusammenhang mit dem Ovarialkarzinom, tierexperimentelle Befunde sowie zellbiologische Untersuchungen, die auf krebstypische Wirkmechanismen von Talkum hindeuten. Diese Einstufung löst die bisherigen, niedrigeren Bewertungen aus den Jahren 2006/2010 ab.[4] Frauen, die regelmäßig Talkumpuder im Dammbereich benutzt hatten, erkrankten häufiger an einem Ovarialkarzinom.[5] Eine erhöhte Ovarialkarzinom-Rate wurde auch in einer norwegischen Kohorte weiblicher Beschäftigter der Zellstoff- und Papierindustrie beobachtet; ob Talkum-Exposition hierfür ursächlich ist, konnte eine gezielte Folgeuntersuchung jedoch nicht bestätigen.[6][7]
Ein Geschworenengericht in Los Angeles sprach 2017 einer langjährigen Anwenderin von Talkumpuder im Genitalbereich, die an einem Ovarialkarzinom erkrankt war, einen Schadenersatz von 417 Millionen US-Dollar zu; das Urteil wurde jedoch noch im selben Jahr von der zuständigen Richterin wegen Verfahrensfehlern und unzureichender Beweislage aufgehoben und eine neue Verhandlung angeordnet.[8]
Bei Inhalation von Talkumpulver kann es zu Entzündungen in den Atemwegen kommen, die Fremdkörpergranulome auslösen. Besonders bei offenen Wunden kann es auch auf der Haut zu einer Granulombildung kommen, wenn zu grobkörniges Puder angewendet wird.[9]
Bei der bestimmungsgemäßen Verwendung als Gleitmittel in Tabletten erfolgt die Exposition oral und in vergleichsweise geringen Mengen. Nach oraler Aufnahme wurde bislang (2026) keine nennenswerte systemische Resorption von Talkum nachgewiesen. Ein erhöhtes Krebsrisiko durch die Einnahme talkumhaltiger Tabletten ist bislang nicht belegt. Aufgrund begrenzter Daten zur Langzeitexposition und zur möglichen Aufnahme von Talkumpartikeln ist eine abschließende Risikobewertung jedoch nicht möglich.[10]
Quellen
- ↑ Lewin SZ. Tabulation of X-Ray Diffraction Analyses of Commercial Products Containing Asbestos. Report to the U.S. Food and Drug Administration; 1972.
- ↑ Talc (IARC Supplement 7), abgerufen am 07.09.2026
- ↑ IARC. Carbon Black, Titanium Dioxide, and Talc. IARC Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risks to Humans, Volume 93. Lyon: IARC; 2010.
- ↑ IARC Working Group. Talc and Acrylonitrile. IARC Monographs on the Identification of Carcinogenic Hazards to Humans. Volume 136. IARC; 2025.
- ↑ Cramer et al., Ovarian cancer and talc: a case-control study, Cancer, 1982
- ↑ Langseth et al., Asbestos fibers in ovarian tissue from Norwegian pulp and paper workers, International Journal of Gynecological Cancer, 2007
- ↑ Langseth und Kjaerheim, Ovarian cancer and occupational exposure among pulp and paper employees in Norway, Scandinavian Journal of Work, Environment & Health, 2004
- ↑ California judge tosses $417 million talc cancer verdict against Johnson & Johnson, abgerufen am 07.09.2026
- ↑ Talkumgranulom, abgerufen am 07.09.2026
- ↑ Younes et al., Re-evaluation of calcium silicate (E 552), magnesium silicate (E 553a(i)), magnesium trisilicate (E 553a(ii)) and talc (E 553b) as food additives, EFSA Journal, 2018