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Atrioventrikularknoten

(Weitergeleitet von Atrioventrikular-Knoten)

von lateinisch: atrium - Vorhalle; ventriculus - kleiner Bauch
Synonyme: AV-Knoten, Aschoff-Tawara-Knoten, Nodus atrioventricularis

1 Definition

Der Atrioventrikularknoten oder AV-Knoten ist das sekundäre Schrittmacherzentrum des Herzens und an der komplexen Regulation der Herzfrequenz beteiligt.

2 Anatomie

Der AV-Knoten ist eine muskuläre, makroskopisch schlecht abgrenzbare, ungefähr 5 mm lange, 3 mm breite und 1 mm dicke Struktur im rechten Herzvorhof. Er liegt in der Basis des Vorhofseptums vor der Einmündung des Sinus coronarius. Der Bereich, in dem sich der AV-Knoten befindet, wird auch als Koch-Dreieck bezeichnet.

Der AV-Knoten reguliert die Reizübertragung über das nichtleitende Herzskelett in die Herzkammern. Als Fortsetzung des Knotens zieht das His-Bündel in Richtung Herzspitze.

Der AV-Knoten wird wahrscheinlich vom Sympathikus und Parasympathikus angesteuert, die damit in die komplexe Regulation des Herzrhythmus eingreifen. Seine Durchblutung erfolgt üblicherweise durch den Ramus nodi atrioventricularis aus der Arteria coronaria dextra.

3 Histologie

Der AV-Knoten besteht aus mehreren Zonen:

  • In der Transitionszone treten Züge der Vorhofmuskulatur in den AV-Knoten ein
  • Die kompakte Zone enthält spezifische Kardiomyozyten (P-Zellen)
  • Die AV-Bündel-Zone enthält Purkinje-Fasern; aus ihr geht das His-Bündel hervor

Die P-Zellen ähneln den gleichnamigen Zellen des Sinusknotens. Sie enthalten nur wenige Myofibrillen und Mitochondrien und sind über Nexus (Connexine 45 und 40) miteinander verbunden.

4 Physiologie

Der AV-Knoten ist das sekundäre Reizzentrum des Herzens. Üblicherweise empfängt er Depolarisationen, die über das Arbeitsmyokard der Herzvorhöfe fortgeleitet werden, und leitet sie mit einer zeitlichen Verzögerung von 60 bis 120 ms in die Ventrikel weiter. Die Zeitspanne für diese Erregungsüberleitung nennt man atrioventrikuläre Überleitungszeit (AV-Zeit). Sie entspricht der PQ-Dauer im EKG.

Die Verzögerung findet vermutlich in der Transitionszone statt. Sie ist notwendig, um eine koordinierte Kontraktion von Vorhöfen und Herzkammern zu gewährleisten. Die Vorhofsystole erfolgt etwas früher als die Kammersystole, was zu einer verbesserten Füllung der Herzkammern führt.

Der AV-Knoten fungiert darüber hinaus als Frequenzfilter, der unter physiologischen Bedingungen durch die Refraktärzeit der depolarisierten Herzmuskelzellen Reize über einer bestimmten Frequenz nicht weiterleitet.

5 Pathophysiologie

Im Falle eines Sinusknotenausfalles kann der AV-Knoten die Funktion als primärer Rhythmusgeber aufnehmen und eine Herzfrequenz von 40 bis 60 Schlägen pro Minute steuern.

Bei einer zu starken zeitlichen Verzögerung der Reizweiterleitung durch den AV-Knoten oder einem Ausfall der Weiterleitung kommt es zum Krankheitsbild des sogenannten AV-Blockes, von dem drei Grade unterschieden werden.

Bei Neugeborenen ist der Knoten noch stärker ausgedehnt. Erst in den ersten Lebensmonaten verkleinert sich der AV-Knoten durch Apoptose. Wenn dieser Umbau ausbleibt, sind Tachykardien bis hin zum plötzlichen Herztod möglich.

Weiterhin können Muskelfasern des Vorhofs die Transitionszone überspringen und direkt in das His-Bündel oder in die Kammermuskulatur übergehen (Mahaim-Fasern, Kent-Bündel). Dies kann zu sogenannten atrioventrikulären Reentrytachykardien führen.

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