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Pleuropneumonie (Schwein)

(Weitergeleitet von Actinobacillose (Schwein))

Synonym: Actinobacillose
Englisch: pleuropneumonia, actinobacillosis in pigs

1 Definition

Die Pleuropneumonie oder Actinobacillose ist eine hochkontagiöse Infektionskrankheit der Schweine.

2 Erreger

Die Pleuropneumonie wird durch Actinobacillus pleuropneumoniae, ein gramnegatives, amotiles, kokkoides bis kurzes Stäbchenbakterium aus der Familie der Pasteurellaceae, verursacht.

Von Actinobacillus pleuropneumoniae werden 2 Biovare und 16 Serovare unterschieden. Das Biovar 1 ist durch ein Faktor V-abhängiges Wachstum charakterisiert und umfasst virulentere Stämme als das Faktor-V-unabhängige Biovar 2. Die Serovare kommen regional unterschiedlich häufig vor. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Serovar 2 am häufigsten, gefolgt von Serovar 9. Im restlichen Europa dominieren hauptsächlich die Serovare 2 bis 5, 7 und 9.

Zu den Virulenzfaktoren gehören einerseits die Kapselproteine, andererseits die Fimbrien (Adhäsion), Lipopolysaccharide, Endo- und Exotoxine (RTX-Toxin, porenbildend in Zellmembranen), das Transferrin-bindende Protein A sowie Hämolysine.

3 Epidemiologie

Actinobacillus pleuropneumoniae ist ein an das Schwein adaptiertes und hochkontagiöses Bakterium. Die Erregerübertragung erfolgt aerogen (Tröpfcheninfektion) und wird meist durch subklinisch infizierte Tiere in einen Bestand eingeschleppt. Eine Erkrankung betrifft vor allem Schweine im Aufzucht- und Mastalter (9. bis 20. Lebenswoche).

Die Pleuropneumonie kommt weltweit - aber mit großen regionalen Unterschieden - vor. Die Morbidität beträgt bis zu 100 %, die Letalität ist mit 25 % äußerst hoch. Infizierte Schweine scheiden die Erreger über das Nasensekret aus und sorgen so für eine hohe Durchseuchungsrate innerhalb eines Bestandes.

4 Pathogenese

Schweine infizieren sich oronasal über direkten Tier-Tier-Kontakt. Die Bakterien breiten sich rasch aus und heften sich mithilfe der Fimbrien gezielt an den Tonsillen, der Bronchialschleimhaut, den Alveolarepithelien und in der Pleurahöhle an.

Actinobacillus pleuropneumoniae setzt nach einer Phagozytose durch Makrophagen zytolytische Apx-Toxine frei, die zum Zelltod der Makrophagen und somit zu einer Phagozytosehemmung führen. Durch die Aquirierung wachstumsfördernder Nährstoffe über Transferrin-bindende Proteine und Hämolysine können sich die Erreger zügig vermehren. Es bildet sich rasch ein alveoläres Lungenödem.

5 Klinik

Die klinischen Bilder werden von fieberhaften respiratorischen Symptomen bestimmt und hängen von der Virulenz, der Infektionsdosis und dem Immunstatus des infizierten Tieres ab. Es kann zwischen perakuten, akuten, chronischen und subklinischen Verlaufsformen unterschieden werden.

Verlauf Symptome
Perakuter Verlauf:
Akuter Verlauf:
  • Dyspnoe (teils mit Maulatmung)
  • Tachypnoe
  • hundesitzigartige Stellung
  • Fieber (bis 42,5 °C)
  • Inappetenz
  • schaumig-blutiger Ausfluss aus Nase und Maul
  • Zyanose (Haut, Ohren)
  • Aborte
Chronischer Verlauf:
  • oft klinisch unauffällig
  • spontaner oder intermittierender Husten
  • ggr. Dyspnoe
  • Fieber
  • reduzierte Fresslust
  • Kümmern

6 Pathologie

In der Sektion ist im Zuge eines (per)akuten Verlaufs in den Lungenhauptlappen eine hämorrhagisch-nekrotisierende Pneumonie (dunkelrot-blutige Lunge, erhabene, scharf begrenzte, blutgetränkte Knoten) erkennbar. Bei der chronischen Verlaufsform tritt vor allem eine adhäsive Pleuritis auf.

7 Diagnose

Der Erregernachweis wird mittels Kultur (BAL-Flüssigkeit oder Tupferproben aus frisch euthanasierten Schweinen) oder PCR gestellt.

8 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch kommen bei der akuten Verlaufsform die Klassische Schweinepest und Schweineinfluenza sowie Salmonella-enterica-Infektionen in Frage. Die chronische Form ist klinisch von der enzootischen Pneumonie und vom porzinen reproduktiven und respiratorischen Syndrom zu unterscheiden.

Zusätzliche Differenzialdiagnosen sind die Mycoplasma induced respiratory disease (MIRD) und der Porcine respiratory disease complex (PRDC).

9 Therapie

Die Pleuropneumonie kann nach vorausgegangenem Antibiogramm mit Penicillinen, Tetrazyklinen, Sulfonamiden, Tilmicosin, Fluorchinolonen, Ceftiofur, Tulathromycin und Florfenicol therapiert werden.

10 Prophylaxe

Prophylaxemaßnahmen konzentrieren sich in erster Linie auf eine Vermeidung der Erregereinschleppung. Zusätzlich sollten die Haltungsbedingungen (Stallklima, Belegedichte, Hygiene) optimiert und ein striktes Rein-Raus-Verfahren angewendet werden.

In Deutschland und Österreich sind kommerzielle Impfstoffe (inaktivierte Vakzine: Apx-I, II und III) erhältlich.

11 Literatur

  • Mayr, Anton, Rolle, Michael. Medizinische Mikrobiologie, Infektions- und Seuchenlehre. 8., überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2007.
  • VO-Unterlagen, Institut für Mikrobiologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Krankheiten der Atmungsorgane, von Herz, Kreislauf und Lymphorganen. Bakterielle Erkrankungen - Schwein. WS 2017/2018.
  • Skript Respirationstrakt, Klinik für Schweine, Veterinärmedizinische Universität Wien. Erkrankungen des Respirationstraktes.

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